Pressemitteilung

04.07.2018

Berufskrankheiten: Zahl der Beratungen gestiegen

Angebot im Land Bremen besteht seit fünf Jahren

Die Beratungen zu Berufskrankheiten im Land Bremen sind in den zurückliegenden Monaten deutlich mehr geworden. Waren es in 2016 noch 173 Beratungen, stieg die Zahl um mehr als 30 Prozent auf 235 im Jahr 2017. "Dass die Beratungsstelle so gut angenommen wird, zeigt noch einmal, wie groß der Beratungsbedarf bei den Betroffenen ist. Eine Berufskrankheit anerkennen zu lassen, ist nicht nur wegen des komplizierten Verfahrens schwierig, sondern auch sehr belastend für jeden Einzelnen", betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Berufskrankheitenberatung. Finanziert wird das Angebot der Arbeitnehmerkammer von der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz. 

"Ich freue mich, dass es uns mit der Einrichtung der Berufskrankheiten-Beratungsstelle gemeinsam gelungen ist, viele von einer Berufskrankheit Betroffene in einer oftmals schwierigen und belastenden Situation tatkräftig und sachkundig zu unterstützen", sagt Senatorin Eva Quante-Brandt. "Ein wichtiger Baustein des Erfolgs ist aus meiner Sicht die sehr gute Kooperation zwischen dem in meinem Ressort für den medizinischen Arbeitsschutz zuständigen Fachbereich und der Beratungsstelle. Ich werde die Beratungsstelle auch in Zukunft finanziell und fachlich unterstützen."

Männer sind überproportional vertreten

75 Prozent aller Ratsuchenden sind Männer – betroffen sind Beschäftigte aus einem breiten Branchen- und Berufsspektrum vom Handwerk bis zu Dienstleistungen. Die Erkrankungen reichen von Muskel-Skelett-Erkrankungen bis hin zu Krebserkrankungen. Unter den 25 Prozent Frauen arbeitet ein großer Teil in der Pflege. Sie leiden häufig unter Rücken- und Hauterkrankungen.

Weniger Asbest-, mehr Muskel-Skelett-Erkrankungen

Insgesamt zugenommen haben insbesondere Beratungen zu typischen Berufskrankheiten wie Lärmschwerhörigkeit, Hauterkrankungen oder Rückenschäden. Dabei ist auffällig, dass es bei den Rückenleiden nur eine sehr geringe Anerkennungsquote gibt, wie die Zahlen der Unfallkasse zeigen: Demnach wurden in Bremen 2016 nur sechs Fälle anerkannt. "Im Verfahren wird in den wenigsten Fällen ein medizinisches Gutachten zur Klärung herangezogen – das macht es natürlich schwierig, den Zusammenhang zwischen Tätigkeit und körperlicher Beeinträchtigung nachzuweisen", erläutert Berufskrankheiten-Berater Niklas Wellmann. In zwei Fällen von Pflegefachkräften sei es möglich gewesen, ein solches Gutachten durchzusetzen. In beiden Fällen habe dies dann auch zu einer Anerkennung der Berufskrankheit geführt.  "Hier wünschen wir uns für die Betroffenen, dass künftig stärker auf die individuelle Situation geschaut wird anstatt über automatisierte Verfahren zu einem Ergebnis zu kommen", so Wellmann. Aufgrund der steigenden Anzahl von Fällen seien die Unfallversicherer dazu übergegangen, so genannte Erfahrungswerte von Belastungen heranzuziehen anstatt medizinische Gutachten zu beauftragen. "Das spart sicher Geld und Zeit im Verfahren, bedeutet für viele Betroffene aber eine Ablehnung", kritisiert Wellmann.

Krebserkrankungen nehmen weiter zu

Gestiegen sind ebenfalls die Beratungen zu beruflich bedingten Krebserkrankungen wie Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs und Eierstockkrebs durch Asbest. Dies ist auf die historische Bedeutung von Asbest für Bremen zurückzuführen. Insgesamt entfallen 25 Fälle auf beruflich bedingte Krebsleiden, was mehr als 20 Prozent aller Beratungen ausmacht. Dies spiegelt auch die hohe Anzahl an Krebserkrankungen in Deutschland wider. Seit 1970 hat sich die Zahl der Krebsneuerkrankungen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts mit etwa 482.000 Menschen pro Jahr fast verdoppelt. Damit wird Krebs nach Ansicht der Beratungsstelle in Zukunft eine immer größere Rolle auch bei den Berufskrankheiten einnehmen.

Von Vulkan bis Schichau Seebeck: Akten helfen bei der Aufklärung

Die Beratungsstelle verwahrt in den Geschäftsräumen der Arbeitnehmerkammer Bremen-Nord Unterlagen der ehemaligen Werften Bremer Vulkan, AG Weser und Schichau Seebeck. Die Unterlagen setzen sich zusammen aus Gesundheitsakten und Aufzeichnungen zum Arbeitsschutz, wie etwa Begehungen oder Messungen am Arbeitsplatz. Die Unterlagen können zum Beispiel dazu dienen, frühere Arbeitsplätze nachzustellen, wie in einem Fall von Lärmschwerhörigkeit: ein ehemaliger Maschinenschlosser, der beim Bremer Vulkan in den 1980er Jahren als Dreher arbeitete, suchte die Beratungsstelle auf, da er eine Ablehnung der zuständigen Berufsgenossenschaft bekam. Er leide an einer Lärmschwerhörigkeit, die er auf seine Tätigkeit als Dreher beim Bremer Vulkan zurückführte. Der Präventionsdienst der Berufsgenossenschaft stellte jedoch fest, dass der Arbeitsplatz eines Drehers beim Bremer Vulkan damals nicht lärmbelastend gewesen sei. Rücksprachen mit einem ehemaligen Landesgewerbearzt und Mitarbeitern der Gewerbeaufsicht ließen einen anderen Schluss zu. In den Unterlagen der ehemaligen Vulkan Werft waren dann auch Geräuschmessungen der damals zuständigen Berufsgenossenschaft zu finden. Sie belegten die zum Teil sehr hohe Lärmexposition (bis 110 Dezibel) in vielen Arbeitsbereichen, unter anderem auch den der großen Fräse und der Anreißplatten, an denen der Ratsuchende gearbeitet hat. "Dies macht noch einmal deutlich, wie schwierig und aufwendig das Verfahren teils ist und wie wichtig die Akten sind", betont Wellmann. 

Häufige Berufskrankheiten in der Beratung

 

Anzahl der Berufskrankheiten-Beratungen

2013 bis 2017

 

Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit

im Jahr 2016: Gesamt: 1152, Quelle: DGUV

 

Die Beratungsstelle zu Berufskrankheiten AKB003_IconInfo

berät beim Ausfüllen der Fragebögen, bei einer Ablehnung, um das medizinische Gutachten zu erläutern und bei der Meldung einer Berufskrankheit.

Tel.: 0421-6695036 
E-Mail: bk-beratung@arbeitnehmerkammer.de


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