Pressemitteilung

07.01.2020

Bauwirtschaft boomt – Belastung für Beschäftigte weiter hoch

Arbeitnehmerkammer legt Branchenstudie für Bremen vor

Die Bauwirtschaft boomt und trägt im Land Bremen entscheidend zum Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum bei. Eine große Rolle spielt etwa der Wohnungsbau mit mehr als 2.000 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2018. Wie aus einer Studie hervorgeht, die das Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) im Auftrag der Arbeitnehmerkammer erstellt hat, wird der Bauboom allerdings durch den wachsenden Fachkräftemangel gebremst. "Nachdem sich die Branche jahrelang in der Krise befand, ist sie jetzt wieder im Aufwind", sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. "Die Unternehmen konkurrieren weniger um Aufträge als um Fachkräfte – und genau da muss der Aufschwung auch ankommen, in Form besserer Löhne und Arbeitsbedingungen."

Das iaw hat in der Studie den Hochbau, Tiefbau und das Ausbaugewerbe statistisch ausgewertet. Die Daten wurden ergänzt durch qualitative Interviews mit Vertretern von Verbänden, Innungen und Betriebsräten. Demnach gab es im Dezember 2018 im Land Bremen gut 13.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Baugewerbe, davon fast 10.000 im Ausbaugewerbe und jeweils knapp 2.000 im Hoch- und im Tiefbau. Hinzu kamen mehr als 1.700 geringfügig Beschäftigte. Die Bauwirtschaft ist eine Männerbranche: nur 14 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. 86 Prozent arbeiten in Vollzeit. Mit der Zech Group und Kaefer Isoliertechnik haben zwei der zehn größten deutschen Bauunternehmen ihren Sitz in Bremen. Allerdings überwiegen in der Branche Klein- und Kleinstbetriebe, daher ist auch die Zahl der Selbstständigen im Baugewerbe deutlich höher als im Schnitt der Gesamtwirtschaft (16,5 gegenüber 7 Prozent). Der Anteil des Baugewerbes an der gesamten Wertschöpfung, der in Großstädten typischerweise niedriger liegt als im Umland, betrug im Bundesland Bremen 2018 rund 3,5 Prozent.

Ausbildungsumlage sorgt für Nachwuchs

Rund zehn Prozent der Beschäftigten in der Baubranche sind Auszubildende (rund 1.300). Damit ist die Ausbildungsquote doppelt so hoch wie in der gesamten bremischen Wirtschaft. Ein Grund hierfür ist die Ausbildungsumlage, die alle Betriebe im Bauhauptgewerbe finanziell an den Ausbildungskosten beteiligt. Viele Ausbildungsplätze gibt es etwa für Elektroinstallateure, Anlagenmechaniker (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik), Maler/Lackierer und Tiefbaufacharbeiter.
Allerdings: Bei den Einkommen erreicht das Baugewerbe im Branchenvergleich nur mittlere oder untere Plätze (3.673 Euro brutto monatlich im Hochbau, 3.313 Euro im Ausbaugewerbe). Gerade der Abstand zu den Arbeitsplätzen in der Industrie hat in den vergangenen Jahren zugenommen – ein Grund für die Abwanderung von Fachkräften vom Baugewerbe in die Industrie. Zudem zeigen Verdienststatistiken sowie die Interviews aus der Studie, dass Beschäftigte häufig einen zu niedrigen Tariflohn erhalten, also in die falsche Tarifstufe eingruppiert sind.

Arbeitsschutz besser durchsetzen

Die Arbeit auf dem Bau ist zudem nach wie vor gefährlich: So entfiel bundesweit fast jeder dritte tödliche Arbeitsunfall 2018 auf die Berufsgenossenschaft Bau. Auch Berufskrankheiten plagen viele Bauarbeiter – häufigste Berufskrankheit ist der Hautkrebs, gefolgt von Lärmschwerhörigkeit und asbestbedingten Lungenkrankheiten. Erwerbsminderungsrenten werden deutlich überdurchschnittlich in Anspruch genommen. Laut Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer erwarten lediglich 40 Prozent, dass sie zum regulären Zeitpunkt in Rente gehen – im Durchschnitt aller Beschäftigten erwarten dies 70 Prozent. "Die Arbeitsschutz- und Gewerbeaufsicht muss personell deutlich gestärkt werden, damit die Betriebe ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und ihre Mitarbeiter noch besser schützen", betont Schierenbeck. Derzeit werden Kleinbetriebe durchschnittlich alle sechs Jahre geprüft.

Digitalisierung: Noch deutlich Luft nach oben

Die Baubranche ist auch in Bremen digitaler als sie sich selbst sieht, das zeigen die geführten Interviews. Mobile Endgeräte werden genutzt für die Fotos bei schwierigen Bausituationen oder zur Bereitstellung von Sicherheitsunterweisungen, Arbeitszeit wird zum Teil digital erfasst, Drohnen fliegen – wo erlaubt – zur Schadensermittlung und um Aufmaße zu machen. Allerdings: Von dem großen Schritt in Richtung Digitalisierung, wie er vom Building Information Modeling (BIM) – zu deutsch Bauwerksdatenmodellierung oder auch Bauwerksdatenmanagement – erwartet wird, ist noch wenig zu spüren. Mit dem BIM werden Bauwerke anhand eines digitalen Gebäudemodells von der Planung über Ausführung bis zur späteren Instandsetzung abgebildet, sämtliche Informationen über das Bauwerk fließen digital ein. Im Ergebnis werden eine bessere Kostenplanung und weniger Risiken erwartet, alle am Bau Beteiligten können sich an diesem digitalen Modell orientieren. Studien gehen davon aus, dass diese Methode schon bis zum Jahr 2025 flächendeckend in Deutschland zum Einsatz kommt. Es gibt jedoch relativ hohe Einstiegshürden (Hardware, Software, Mitarbeiter müssen geschult werden). Dies muss politisch begleitet und gefördert werden, indem die regionalen Akteure sich vernetzen und austauschen können und Qualifizierungsangebote entwickelt werden.

Mit besseren Arbeitsbedingungen Fachkräfte gewinnen

Die Anforderungen in der Bauwirtschaft werden schon aus diesem Grund weiter steigen, sodass gut ausgebildetes Fachpersonal weiterhin gebraucht wird. "Die Bauwirtschaft muss weiterhin Nachwuchs ausbilden, aber auch die Arbeitsbedingungenverbessern. Dazu gehören nicht nur bessere Verdienste, sondern auch Themen wie Familienfreundlichkeit oder flexible Arbeitszeiten, die noch viel zu selten in der Baubranche Thema sind", betonte Schierenbeck. Auch die Weiterbildung gehöre vor dem Hintergrund der Digitalisierung als Thema ganz oben auf die Prioritätenliste.

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