Pressemitteilung

28.08.2019

Arbeitszeit: Wunsch und Wirklichkeit gehen auseinander

"Koordinaten der Arbeit": Kammer legt zweite repräsentative Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor

Nicht mal die Hälfte der Bremer und Bremerhavener Beschäftigten ist mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Dies ist einer von vielen Befunden aus der aktuellen repräsentativen Beschäftigtenbefragung "Koordinaten der Arbeit", die das Institut infas im Auftrag der Arbeitnehmerkammer im Frühjahr durchgeführt hat. Etwa 2.000 Beschäftigte im Land Bremen wurden hierfür interviewt. "Wunsch und Wirklichkeit gehen bei der Arbeitszeit stärker auseinander. Das Bedürfnis, Arbeit und Privatleben besser zu vereinbaren, nimmt zu. Die betrieblichen Möglichkeiten müssen deshalb verbessert werden, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben", betonte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, heute (Mittwoch) bei der Vorstellung der Studie "Koordinaten der Arbeit".

Fast die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten möchte Stunden reduzieren – selbst wenn sich dies auf den Verdienst auswirkt. Umgekehrt wünschen sich 25 Prozent der Teilzeitbeschäftigten eine Aufstockung ihrer Stundenzahl, im Minijob sind diese Wünsche noch viel stärker ausgeprägt. "Teilzeit entspricht längst nicht immer den Wünschen der Beschäftigten", betonte Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer und Leiterin der Politikberatung. Besonders ausgeprägt sei der Wunsch nach mehr bezahlten Stunden in den besonders von Teilzeit und niedrigen Verdiensten geprägten Branchen Gastgewerbe und Einzelhandel.

Schicht- und Wochenendarbeit weit verbreitet

Die Auswertung zu den Arbeitszeiten zeigt auch: Schicht- und Wochenendarbeit sind keine Randerscheinung auf dem bremischen Arbeitsmarkt. Von Schichtarbeit ist ein Viertel, von Wochenendarbeit ein Fünftel der Befragten betroffen. Ihnen gelingt es im Vergleich zu anderen viel seltener, Privatleben und Arbeit unter einen Hut zu bekommen.

Gehalt: Starke Unterschiede zwischen den Berufen

Gut 70 Prozent der Befragten sind mit ihrem Gehalt zufrieden. Jedoch fallen die Befunde unterschiedlich aus: Beschäftigte in fertigungstechnischen Berufen wie dem Maschinen,- Anlagen- und Fahrzeugbau sind laut Befragung am häufigsten mit ihrem Gehalt zufrieden (82 Prozent). Im verarbeitenden Gewerbe sind die Stundenlöhne von Vollzeitbeschäftigten aber auch mit am höchsten. Ebenfalls zufrieden zeigen sich Arbeitnehmer in den Bau- und Ausbauberufen sowie in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (beide 76 Prozent). Unter letzteres fallen etwa Ingenieure, Werbeagenturen oder Unternehmensberatungen.

Deutlich weniger zufrieden sind dagegen Beschäftigte aus Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen (54 Prozent) und Gesundheitsberufen (55 Prozent). "Das Gastgewerbe bildet das Schlusslicht beim Gehaltsvergleich. Eine bessere Bezahlung ist Voraussetzung, um ausreichend Arbeitskräfte zu gewinnen. Der Tarifvertrag in dieser Branche ist wieder für allgemeinverbindlich zu erklären, damit er flächendeckend im Land Bremen für alle knapp 20.000 Beschäftigten gilt", mahnt Ingo Schierenbeck.

Beschäftigte hoch identifiziert – Stress nimmt weiter zu

83 Prozent der Beschäftigten im Land Bremen sind stark mit ihrer Arbeit identifiziert – ein nach wie vor hoher Wert. Auch ist die Mehrheit davon überzeugt, einen gesellschaftlich relevanten Beitrag mit ihrer Arbeit zu leisten. Gleichzeitig berichtet die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie schon bei der Befragung 2017 von gestiegenem Stress und Arbeitsdruck. Knapp ein Drittel gibt zudem an, dass die Arbeit häufig emotional belastend sei. Zwei Drittel der Befragten fühlt sich zudem genötigt, häufig sehr schnell zu arbeiten, bei knapp der Hälfte staut sich Arbeit an, über ein Drittel hat nicht genug Zeit für alle Arbeitsaufgaben und ein Drittel sieht sich der Notwendigkeit von Überstunden ausgesetzt.

Mit 29 Prozent glaubt denn auch nach wie vor ein beachtlicher Teil der Bremer und Bremerhavener Beschäftigten nicht daran, die derzeitige Tätigkeit bis zum regulären Rentenalter ausüben zu können. Besonders hohe Werte (deutlich über 50 Prozent) erreichen Beschäftigte im Baugewerbe und im Gastgewerbe, hohe Werte finden sich aber auch im Sozialwesen.

"Belastungen durch die Arbeit und Arbeitsverdichtung sind nach wie vor ganz große Themen. Gleichzeitig bleibt aber bei der betrieblichen Gesundheitsförderung immer noch viel zu tun", stellte Regine Geraedts fest, Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik. Nur etwas mehr als die Hälfte der Arbeitgeber machten den Beschäftigten ein solches Angebot.

Weiterbildung – noch Luft nach oben

Fast 60 Prozent der Beschäftigten haben in den letzten 24 Monaten an einer Weiterbildung teilgenommen. Davon entfiel jedoch beinahe die Hälfte (46 Prozent) auf kurze Unterweisungen am Arbeitsplatz und maximal eintägige Weiterbildungen. Diese Formen zielen stark auf die Aufgabenerledigung und Produktivität am Arbeitsplatz ab und weniger auf die berufliche Weiterentwicklung. "Offenbar haben viele Arbeitgeber die Bedeutung von Weiterbildung für die Zukunft noch nicht erkannt. Weiterbildung muss dringend zu einem zentralen Handlungsfeld einer vorausschauenden Personalpolitik werden", mahnte Geraedts.

Vor allem ungelernte Beschäftigte nehmen nur selten an einer Weiterbildung teil. Schierenbeck: "Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Berufsabschlüssen  müssen gerade die ungelernten Beschäftigten bei der Weiterbildung stärker gefördert werden. Hierfür brauchen wir einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit, um einen Berufsabschluss nachzuholen, und Lohnersatzleistungen, damit sich Beschäftigte die berufliche Weiterbildung leisten können."

Zur Befragung

Die Befragung „Koordinaten der Arbeit im Land Bremen“ hat das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im Auftrag der Arbeitnehmerkammer durchgeführt. Befragt wurden rund 2.000 Beschäftigte in Bremen und Bremerhaven.

Die Ergebnisse sind repräsentativ. Die Ziehung der Stichprobe erfolgte aus der Beschäftigtendatei der Bundesagentur für Arbeit. Alle Befragungen wurden anonymisiert von infas ausgewertet.
Ergebnisse unter: www.arbeitnehmerkammer.de/beschaeftigtenbefragung

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  • Koordinaten der Arbeit im Land Bremen

    Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2019

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