Pressemitteilung

11.01.2019

Arbeiten am Limit: Gesundheits- und Pflegebeschäftigte in Bremen

Arbeitnehmerkammer stellt Sonderauswertung vor

Starker Zeitdruck, große körperliche und emotionale Belastungen bei steigenden Anforderungen – mit diesen Arbeitsbedingungen haben vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen zu kämpfen. Doch nach wie vor sind die Beschäftigten hoch identifiziert mit ihrer Arbeit und von deren gesellschaftlichen Bedeutung überzeugt: 94 Prozent von ihnen geben an, einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, wie aus einer Sonderauswertung der Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer hervorgeht. Zufrieden mit der gesellschaftlichen Anerkennung sind aber deutlich weniger: Nur 61 Prozent bejahen dies. "Bei den Beschäftigten kommt zu wenig Wertschätzung an – gesellschaftlicher Respekt drückt sich auch in angemessenen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen aus. Da sind wir in der Pflege noch lange nicht", betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Rund 20.000 sozialversichert Beschäftigte arbeiten in Bremen und Bremerhaven in stationären Einrichtungen – davon 14.000 in Krankenhäusern und 6.000 in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Die Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer zeigt für diesen Bereich signifikante Unterschiede zur Gesamtheit aller Beschäftigten. Rund Dreiviertel der Beschäftigten hier sind Frauen, ein großer Teil arbeitet in Teilzeit (Altenpflege: 60 %). "Teilzeit im Gesundheitsbereich ist oft Ergebnis betriebswirtschaftlicher Interessen – Teilzeitkräfte können zeitlich flexibler eingeteilt werden und leichter aus arbeitsfreien Zeiten geholt werden", erläutert Schierenbeck. Den Wünschen der Beschäftigten entspricht das dabei nicht immer: Laut Sonderauswertung würde ein Viertel der in Pflegeheimen Beschäftigten gern mehr arbeiten. Vermutlich hängt dies auch mit den niedrigen Verdiensten zusammen: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in den Altenpflegeinrichtungen bekommt monatlich weniger als 1.500 Euro netto.

Neben der Schichtarbeit lastet die häufig schwere körperliche Arbeit auf den Schultern der Beschäftigten. Nur die Arbeit im Baugewerbe verursacht laut Beschäftigtenbefragung eine noch höhere körperliche Belastung als die in Krankenhäusern. Dabei ist rund ein Viertel der Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen über 55 Jahre alt. Kein Wunder also, dass fast die Hälfte von ihnen sagt, eine Beschäftigung bis zum regulären Rentenalter sei nicht möglich. "Wenn gleichzeitig zwei Drittel der Beschäftigten sagen, ihr Arbeitgeber treffe keine Anpassungsmaßnahmen am Arbeitsplatz, um Gesundheit zu erhalten, dann stimmt da etwas nicht“, betont Elke Heyduck, Geschäftsführerin und Leiterin der Politikberatung. "Die Einrichtungen sind gut beraten, mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement den Belastungen entgegenzuwirken."

Stress nimmt weiter zu

Dass dies nötig ist, zeigt auch der zunehmende Stress und Arbeitsdruck in Altenpflegeheimen und Kliniken. Fast 88 Prozent geben an, fast immer oder oft schnell arbeiten zu müssen – ein deutlich überdurchschnittlicher Wert gegenüber der Gesamtheit der Beschäftigten. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leiden deshalb unter chronischem Zeitmangel. Beschäftigte in Kliniken und Pflegeheimen erreichen dann auch bei der Frage, ob der Stress zugenommen habe, die höchsten Wert unter allen Berufsgruppen.

Was ist zu tun?

Kostendeckel und Fallpauschalen haben über lange Jahre dafür gesorgt, dass die Personaldecke in Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern dünner wurde. Zu wenig Personal aber führt zu Zeitdruck, verhindert, dass ältere Beschäftigte gesundheitsschonender arbeiten können und kratzt nicht zuletzt am Berufsethos der Beschäftigten im Gesundheitswesen: Eine Arbeit im Sinne der Patientinnen und Patienten ist immer seltener möglich. Das Sofortprogramm Pflege und das Pflegepersonalstärkungsgesetz sind erste Schritte, reichen aber bei weitem nicht aus. "Wir brauchen bundesweite Vorgaben zur Personalbemessung, damit überall in den Kliniken gleiche Standards gelten und nicht immer am Personal gespart wird", mahnt Heyduck. Dringend notwendig ist insbesondere eine Aufwertung der Altenpflege, die im Bundesdurchschnitt immer noch 600 Euro weniger verdient als eine ausgebildete Krankenpflegefachkraft. Die ab 2020 geltende generalistische Ausbildung von Gesundheits-, Alten- und Kinderkrankenpflege muss dazu genutzt werden, den Pflegeberuf endlich aufzuwerten, Aufstiegswege zu ermöglichen und neue Karrierewege zu öffnen.

An die Betriebe appelliert die Arbeitnehmerkammer, die Lohnstrukturen nicht außer Acht zu lassen. "Wer Fachkräfte will, muss diese auch angemessen bezahlen. Tarifverträge sichern transparente Gehaltsstrukturen, regelmäßige Lohnsteigrungen und verlässliche Arbeitsbedingungen – wichtige Rahmenbedingungen um Fachkräfte zu gewinnen", schließt Schierenbeck.

Zur Befragung „Koordinaten der Arbeit“

Die Beschäftigtenbefragung "Koordinaten der Arbeit im Land Bremen" hat das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im ersten Quartal 2017 im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen durchgeführt. Per Telefon wurden 2.005 Beschäftigte in Bremen und Bremerhaven interviewt. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Die Ziehung der Stichprobe erfolgte aus der Beschäftigtendatei der Bundesagentur für Arbeit. Alle Befragungen wurden anonymisiert von infas ausgewertet, die Arbeitnehmerkammer hat keinen Zugriff auf die Daten. Die Ergebnisse der zweiten Befragungsrunde wird im Herbst 2019 vorliegen.

Sonderauswertungen liegen zu den Themen "Befristet Beschäftigte", "Beschäftigte mit Migrationshintergrund" und "Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich" vor. Hier finden Sie alle Ergebnisse und Sonderauswertungen.

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  • Am Limit! Arbeitsbedingungen in Gesundheits- und Pflegeberufen

    Sonderauswertung der Beschäftigtenbefragung "Koordinaten der Arbeit", Dezember 2018

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