23.05.2023

Gastgewerbe: Stellen bleiben mehr als fünf Monate unbesetzt

KammerKompakt mit Branchen-Report für das Land Bremen

Einige Restaurants machen täglich eine Stunde später auf, andere haben gleich einen zusätzlichen Schließtag eingeführt – der Grund dafür lautet häufig: Personalmangel. Den belegen nun auch die Daten des aktuellen KammerKompakts mit einem Branchen-Report zum Gastgewerbe im Land Bremen. Demnach blieben im Bereich Speisenzubereitung und Gastronomie im Jahr 2022 die Stellen durchschnittlich mehr als fünf Monate lang unbesetzt. Ein Grund aus Sicht der Arbeitnehmerkammer sind die Arbeitsbedingungen. „Die Löhne sind häufig niedrig, der Zeitdruck und die körperlichen Anforderungen dagegen hoch. Hier muss die Branche umdenken und attraktiver werden für die Beschäftigten“, weist Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, auf die teils schwierigen Bedingungen in der Branche hin.
 
Mit 53 Prozent arbeitet die Mehrheit der Beschäftigten im Gastgewerbe als Minijobberin oder Minijobber – erhält also maximal 520 Euro Lohn im Monat. Der Rest arbeitet wiederum zur Hälfte nur in Teilzeit. Hinzu kommt: Die Mehrheit der Vollzeitbeschäftigten arbeitet zu einem Niedriglohn. So erhielten die Beschäftigten im Gastgewerbe durchschnittlich rund 14 Euro brutto die Stunde – im Branchenvergleich der niedrigste Lohn.
Gleichzeitig bietet das Gastgewerbe gerade ungelernten Beschäftigten eine Chance, fast jeder Dritte hat keinen formalen Berufsabschluss. Auch für Zugewanderte bietet die Branche einen leichten Quereinstieg. Das geringe Qualifikationsniveau hat aber Nachteile für die Beschäftigten, weil sie wenig Aufstiegsmöglichkeiten haben bei gleichzeitig hohem Risiko, arbeitslos zu werden.
 
Um ungelernte Beschäftigte stärker an den Betrieb zu binden und die Zahl der Fachkräfte zu erhöhen, muss das Gastgewerbe aus Sicht der Arbeitnehmerkammer stärker auf Qualifizierung setzen und die Nachqualifizierung der ungelernten Beschäftigten aktiv unterstützen. „Wenn Beschäftigte sehen, dass sie sich beruflich weiterentwickeln können und die Möglichkeit haben aufzusteigen, bleiben sie länger im Unternehmen oder entscheiden sich für einen Beruf im Gastgewerbe“, so Rosenthal.
 
Aber auch die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen müssen sich verbessern: Laut Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer empfinden die Beschäftigten die schwankenden Arbeitszeiten und den Zeitdruck als belastend. In keinem anderen Wirtschaftszweig im Land ist die sogenannte Arbeit auf Abruf so weit verbreitet – etwa ein Fünftel ist davon betroffen. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung werden im Land Bremen zudem allein 37,1 Prozent der Ausbildungsverträge in der Hotellerie vorzeitig gelöst, in der Gastronomie sind es sogar 54,7 Prozent.
 
Die Arbeitnehmerkammer sieht in der Branche folgende Handlungsbedarfe:
► Eine bessere Bezahlung ist die wichtigste Stellschraube, um dem Fachkräftemangel im Gastgewerbe entgegenzuwirken. Die Lohnlücke zu anderen Branchen muss deshalb dringend geschlossen werden. Außerdem muss auch in Zukunft der
  Entgelttarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt werden, damit er allen Beschäftigten zugutekommt.
► Eine arbeitnehmerfreundliche und verlässliche Schichtplanung ist notwendig, damit Beschäftigte Arbeit und Privatleben besser vereinbaren können.
► Die „Arbeit auf Abruf“ mit Verträgen ohne feste Stundenzahl ist in der Gastronomie weit verbreitet – sie bietet Beschäftigten keine Verlässlichkeit und muss eingedämmt werden.
► Eine stärkere Kontrolle der Ausbildungsqualität durch die zuständigen Stellen muss gewährleisten, dass der Arbeitsschutz eingehalten wird, in den Betrieben genug Ausbilderinnen und Ausbilder zur Verfügung stehen und die Betriebe
►  Ausbildungsverträge und Ausbildungspläne haben.
► Eine wertschätzende und respektvolle Führungskultur muss etabliert werden.
 
Das KammerKompakt „Gastgewerbe im Land Bremen“ finden Sie auf unserer Website unter www.arbeitnehmerkammer.de/kammerkompakt

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