06.05.2024
Überlastung verhindern: Arbeit muss besser verteilt werden
Mehr Überstunden, späterer Renteneintritt, längere Arbeitszeiten – diese Forderungen aus Politik und Wirtschaft sind inzwischen fast allgegenwärtig. „Der ständige Ruf nach mehr Arbeit geht an der Realität vieler Beschäftigter vorbei“, sagt Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. Die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten im Land Bremen möchte gern ihre Arbeitszeit reduzieren – oft aus gesundheitlichen Gründen oder weil die Arbeitsbelastung zu hoch ist. Das belegt das neue KammerKompakt zu Arbeitszeiten im Land Bremen auf Basis der Beschäftigtenbefragung. Für die repräsentative Erhebung „Koordinaten der Arbeit“, die die Arbeitnehmerkammer seit 2017 alle zwei Jahre vom Sozialforschungsinstitut infas durchführen lässt, wurden rund 3.000 Menschen telefonisch befragt.
Die Beschäftigten im Land Bremen arbeiten – inklusive Überstunden –im Schnitt knapp 36 Stunden pro Woche: Männer 39, Frauen 32 Stunden. Fast alle Männer, aber nur etwa die Hälfte der Frauen haben einen Vollzeitjob. Sie wenden dafür mehr Zeit für Sorgearbeit auf. Die Befragung zeigt aber auch: Männer möchten im Schnitt vier Stunden weniger pro Woche arbeiten. 40 Prozent der Befragten, die gern reduzieren würden, wollen mehr Zeit mit der Familie verbringen. Insbesondere Männer scheitern mit diesem Wunsch aber oft beim Arbeitgeber, gerade im Baugewerbe, in der Lagerei und in der Industrie – also in Branchen, in denen noch immer besonders viele Männer arbeiten.
Die Vier-Tage-Woche ist kein Modell für alle Beschäftigten
„Die Diskussion über die Vier-Tage-Woche kann gerade in männerdominierten Branchen den Anstoß geben, über neue Arbeitszeitmodelle nachzudenken“, sagt Peer Rosenthal. Studien belegen, dass die Produktivität der Beschäftigten steigt, wenn sie drei statt zwei Tage frei haben und dass sie dann seltener krank und insgesamt zufriedener sind. Aber: Nicht für alle Beschäftigten ist dieses Modell geeignet. Insbesondere dann, wenn die Arbeitszeit unterm Strich gleich bleibt – also 40 Stunden in vier Tagen absolviert werden müssen. Gerade für Familien ist dies kaum umzusetzen.
Dennoch: Die Betriebe müssen angesichts des sich zuspitzenden Fachkräftebedarfs umdenken. Insgesamt ist die Hälfte der Befragten mit der eigenen Arbeitszeit unzufrieden. Mehr als jede/-r dritte Beschäftigte, der oder die seine oder ihre Wünsche nicht umsetzen kann, hat bereits über einen Jobwechsel nachgedacht. Der Wunsch nach weniger Arbeit ist weit verbreitet, scheitert aber oft aus finanziellen Gründen. „Eine Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist für einen großen Teil der Beschäftigten keine Option“, sagt Rosenthal.
Viele flüchten in die Teilzeit – die Arbeitsbelastung ist zu hoch
Die Forderung nach längeren Arbeitszeiten ist auch deshalb problematisch, weil viele Beschäftigte schon heute an ihrer Belastungsgrenze sind – mit zunehmendem Alter umso mehr. Bei den über 55-Jährigen arbeiten nur noch 62 Prozent in Vollzeit. Jede/-r Dritte in diesem Alter möchte gern Stunden reduzieren, um dem hohen Arbeitsdruck zu entkommen – gerade in den Kliniken und in der Pflege. „Die Arbeitsbelastung ist hoch und nimmt stetig zu: Das ist Realität der meisten Beschäftigten“, erinnert Peer Rosenthal. „Wir können den Fachkräftebedarf nicht decken, indem immer mehr Menschen an ihre Belastungsgrenzen kommen oder sie überschreiten.“
Ungenutzte Potenziale
Immerhin ein Viertel der Teilzeitbeschäftigten würde dagegen gern länger arbeiten. Hier gibt es also Potenziale zur Fachkräftegewinnung, vor allem bei Frauen mit Kindern: Mütter arbeiten zu 70 Prozent in Teilzeit, jede fünfte würde gern mehr arbeiten, knapp die Hälfte davon kann dies wegen fehlender Kinderbetreuung nicht umsetzen. Hier hilft ein Ausbau der Kinderbetreuung. Und ein Entgegenkommen der Betriebe, wenn Väter ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. „Wir müssen die Arbeit besser verteilen – sowohl zwischen Männern und Frauen als auch in den Betrieben“, mahnt Peer Rosenthal.
Die Forderungen der Arbeitnehmerkammer
Die Unternehmen müssen Arbeitszeitmodelle entwickeln, die sich stärker an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientieren und sich ihren jeweiligen Lebensphasen und Möglichkeiten anpassen. So ist ein besserer Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben möglich.
Die Einführung solcher Arbeitszeitmodelle ist komplex, vor allem kleinere Betriebe brauchen hierbei Unterstützung. Ein Landesprogramm „Arbeitszeit und Lebenszeit“, mit dem Betriebe beraten und gefördert werden, kann dabei helfen.
Trotz aller Forderungen nach Flexibilität: An den Eckpfeilern des Arbeitszeitgesetzes darf nicht gerüttelt werden. Die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden und die Mindestruhezeit von elf Stunden sind wichtig, um Beschäftigte vor Überlastungen zu schützen.
Das KammerKompakt „Wunsch und Wirklichkeit: Arbeitszeit im Land Bremen“ finden Sie auf unserer Website unter www.arbeitnehmerkammer.de/kammerkompakt
Vor allem finanzielle Gründe sprechen gegen eine Arbeitszeitverkürzung:
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