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Botschafter der einfachen Sprache

Botschafter der einfachen Sprache

Der Wunsch nach Freiheit hat Mansour Ismaiel vor 13 Jahren nach Deutschland gebracht. Heute befreit er Bremer Behörden von ihrer oft komplizierten Sprache.

Text: Rike Oehlerking - Foto: Kay Michalak

Raumübergreifendes Großgrün“ – wer ahnt schon, dass dieser Begriff in manch deutschen Dokumenten einen „Baum“ meint? Ob Muttersprachler oder nicht, Amtsdeutsch macht den meisten zu schaffen. Aber  auch die deutsche Alltagssprache ist durch­zogen von Begriffen, die für Menschen mit oder ohne  Sprachprobleme schwer zu verstehen sind. Dabei geht es oft ein­facher – wie, zeigt Sprachlehrer Mansour Ismaiel.

2005 kommt er aus Syrien nach Deutschland. Als einer der besten Abiturienten Syriens erhält er ein Stipendium, das ihm die Ausreise erlaubt. Weil Ismaiel die deutsche Sprache reizt, fällt die Wahl auf die Bundesrepublik. Da ist er 21 Jahre alt und tief beeindruckt von neuen Eindrücken. Die Menschen küssen sich auf offener Straße und es gibt Busse und Bahnen, die einen durch die Stadt bringen. Und dann ist da die Sprache. „In Kürze können Sie unentgeltlich an unseren Angeboten teilhaben“ ist einer dieser Sätze, die  ihm bei seiner Ankunft das Leben schwer machen. Dabei geht es so viel einfacher: „Bald können Sie  kostenlos bei unseren Angeboten mitmachen.“

Diese Übersetzungsleistung wird seine neue Lebensaufgabe. Im Rahmen einer Projektstelle der Bremer Volkshochschule entwickelt er ein Konzept für eine „Servicestelle für einfache Sprache“ und tritt damit an die Bremer Be­hörden heran. Ismaiel bietet an, ihre Formulare in bürgernahe Sprache zu übertragen und Beschäftigte im öffentlichen Dienst darin zu schulen, das Amtsdeutsch zu vereinfachen. Seine Idee kommt an. Heute kann sich der 34-jährige Leiter der bundesweit ersten Servicestelle für „einfache Sprache“ vor Anfragen kaum retten.

Deutsch beherrscht er inzwischen besser als manch Muttersprachler. Den Weg dahin hat er sich erarbeitet. Nach seinem Bachelorstudium der Germanistik und Anglistik hängt er einen Master mit dem Schwerpunkt „Sprache-­Denken-Medien“ an und promoviert anschließend. Nach nur gut zehn Jahren hat er 2017 ein abgeschlossenes Studium und den Doktortitel vor seinem Namen.

Aktuell arbeitet Ismaiel an der Verlängerung seiner Projektstelle, die Ende 2018 ausläuft. „Auch andere Bundesländer wollen das Konzept der einfachen Sprache übernehmen“, erzählt er. „Ich kann ihnen zeigen, wie es funktioniert.“ Die „einfache Sprache“ soll Hürden in Alltags- und Fachsprache (etwa im Amtsdeutsch) abbauen, Inhalte aber nicht verkürzen. Sie ist nicht zu verwechseln mit der „­leichten Sprache“, die Menschen mit kognitiven  Einschränkungen hilft, indem Inhalte stark reduziert werden. 

Die Servicestelle für einfache Sprache AKB003_IconInfo

bietet ein kostenloses Beratungs-, Schulungs- und Übersetzungsangebot speziell für Beschäftigte im öffentlichen Dienst an. Das Projekt ist Teil des bundesweiten IQ Netzwerks, das Integration von Zugewanderten durch Qualifikation fördert. Die Bremer Volkshochschule ist Träger der Servicestelle

 

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