Betriebsratsarbeit

Peter Knirsch ist Betriebsratsvorsitzender bei der MeVis Medical Solutions AG

Etwas für alle bewegen

Betriebsräte setzen sich für Kolleginnen und Kollegen ein und können in vielen Bereichen die Arbeitsbedingungen mitbestimmen und -gestalten. Ohne eine solche Interessenvertretung haben es Beschäftigte in der Regel schwer, ihre Rechte durchzusetzen und Verbesserungen zu erreichen. Drei Bremer Betriebsräte erzählen aus ihrer Praxis und was sie erreicht haben.

Text: Janina Weinhold - Fotos: Kay Michalak

"Anfangs war betriebliche Mitbestimmung für uns und die Geschäftsführung ein Lernprozess. Sie lebt von einem vernünftigen Umgang – auch bei Meinungsverschiedenheiten. Damit der Austausch  Normalität bleibt, bin ich fast täglich in der Vorstandsetage unterwegs“, erzählt Peter Knirsch. Der Qualitätsmanager setzt sich seit sechs Jahren mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Betriebsrat für bessere Arbeitsbedingungen bei der MeVis Medical Solutions AG ein. Das Unternehmen entwickelt Software für bildgebende Verfahren in der Medizin, wie etwa Ultraschallbilder oder Mammografie-Scans zur Früherkennung von Brustkrebs. Knirsch ist seit drei Jahren Betriebsratsvorsitzender. Er leitet unter anderem die Betriebsratssitzungen und kommuniziert Betriebsratsbeschlüsse weiter. MeVis ist als Start-up mit zwei kleinen Firmenzweigen aus dem universitären Umfeld gestartet und schnell gewachsen. Mit wachsender Mitarbeiterzahl nahm der informelle Draht zur Geschäftsführung ab. „In einer Phase betriebsbedingter Kündigungen wurde allen klar – ohne Betriebsrat haben wir zu wenig Einfluss“, erinnert sich Knirsch. Er kandidierte trotz leiser Sorge vor der Reaktion der Geschäftsführung.

„Der Betriebsrat kann sich aktiv für Verbesserungen einsetzen.“
Michaela Gröne

Generell gilt für Betriebsräte bereits ab der Kandidatur ein besonderer Kündigungsschutz, damit Gremium-Mitglieder auch bei Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber nichts zu befürchten haben. Ein Betriebsrat hat nicht nur in Krisenzeiten umfassende Informations-, Mitsprache- und  Gestaltungsrechte im Unternehmen. Was er darf, regelt das Betriebsverfassungsgesetz. „Er kann sich aktiv für Verbesserungen einsetzen. Gleichzeitig wacht er darüber, ob der Arbeitgeber alle geltenden Gesetze und Tarifverträge einhält“, erklärt Michaela Gröne, Beraterin für Mitbestimmung und  Technologieberatung bei der Arbeitnehmerkammer. Betriebsräte müssen zum Beispiel bei Einstellungen und Kündigungen gehört werden. Auch bei Themen wie Arbeitszeitgestaltung und Urlaubsplanung, Daten- und Gesundheitsschutz dürfen sie mitreden. Die Abteilung für betriebliche Mitbestimmung der Arbeitnehmerkammer berät Betriebsräte und begleitet sie bei der Umsetzung von betrieblichen Prozessen.

Das Betriebsratsteam bei MeVis hat sich anfangs schulen lassen und lässt sich weiterhin regelmäßig bei der Arbeitnehmerkammer beraten. Im Betrieb bereits durchgesetzt hat das Team ein Gehaltsmodell und flexible Arbeitszeiten. „Faire, transparente Löhne nach Gehaltsgruppen waren nötig. Denn bei den neueren Kollegen schien die Gehaltsfrage rein vom Verhandlungsgeschick abzuhängen. Überstunden galten als mit dem Gehalt abgegolten“, erklärt Knirsch. Zusätzlich sind die Arbeitszeiten bei MeVis jetzt über Gleitzeitkonten geregelt. Knirsch möchte auch in den kommenden vier Jahren weitermachen. Seit  ein amerikanischer Konzern die Aktienmehrheit im Unternehmen übernommen hat, stehen Veränderungen an. Da will der Betriebsrat mitreden.

Corrina Hagedorn ist Betriebsratsvorsitzende für den Bremer Standort von Mondelez Deutschland

 

Edwin Hoff ist Betriebsratsmitglied bei der Gesellschaft für ambulante psychatrische Dienste

 

Auch Betriebsrätin Corinna Hagedorn versteht ihren Job als Gestaltungsaufgabe. Sie ist seit gut zwei Jahren Betriebsratsvorsitzende für den Bremer Standort von Mondelez Deutschland. Hier vertritt sie die Interessen der rund 640 in Bremen angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich ist sie auch Mitglied im Gesamtbetriebsrat für alle Standorte in Deutschland. Hagedorn ist für diese Betriebsratsarbeit freigestellt und kann sich voll für die Belange der Mitarbeiter einsetzen. 2010 stieg sie als Ersatzkandidatin in die Betriebsratsarbeit ein. Anfangs hat sie sich zu Spezialthemen – wie etwa dem Datenschutz – bei der Arbeitnehmerkammer beraten lassen. Der mitarbeiterfreundliche Einsatz von Tablets und digitaler Bürosoftware ist ihr sehr wichtig. Die Technik ermöglicht das Arbeitsverhalten auszuwerten. „Per Betriebsvereinbarung haben wir ein klares Regelwerk für den Einsatz digitaler Technik aufgestellt. Die Auswertung als Leistungskontrolle zum Beispiel ist auf das absolut notwendige Minimum beschränkt“, sagt Hagedorn. Aktuell hat sie mit den Themen Sozialplan und Einigungsstelle zu tun. Mondelez steckt als internationaler Konzern in einem Transformationsprozess. Die Umstrukturierungspläne wertet Hagedorn als Begleiterscheinung der Digitalisierung. „Wir kämpfen wie die Löwen für eine faire Regelung für die Kollegen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, versichert Hagedorn. Verhindern kann sie die Kündigungen nicht. Sie kann jedoch über die Bedingungen und den Erhalt von möglichst vielen Stellen verhandeln.

Im sozialen Bereich geht es oft um die Gestaltung der Arbeitsbedingungen. „Wenn ich bei  Gesetzesfragen unsicher bin, telefoniere ich mit den Rechtsberatern der Kammer“, sagt Edwin Hoff. Er ist seit fünf Jahren im Betriebsrat bei der Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste, kurz Gapsy.Die Gapsy betreut beispielsweise Menschen mit Depressionen in der Alltagsgestaltung. Die Mitarbeiter vereinbaren ihre Termine mit Klienten eigenständig, müssen ihre flexiblen Arbeitsstunden jedoch genau dokumentieren. Viele empfinden die Dokumentation als Stress. Der Gapsy-Betriebsrat  versucht gemeinsam mit der Arbeitnehmerkammer die selbstgesteuerte Arbeitszeit per  Betriebsvereinbarung stärker zu regeln. „Mit viel Überzeugungsarbeit haben wir eine  Gefährdungsanalyse erreicht. Sie hat aufgezeigt, wie in der Betreuung auch für die Betreuenden psychische Belastungen entstehen“, erzählt er. Im nächsten Schritt geht es darum, Lösungen  innerbetrieblich umzusetzen. In seinem Arbeitsfeld zählen ein kollegialer Umgangston, Team-Meetings  und Supervision zum Alltag. „Anfangs mussten wir unsere Rolle lernen. Jetzt fordern wir initiativ verbindliche Änderungen ein“, sagt Hoff. Mittlerweile ist der Betriebsrat erster Ansprechpartner für das  Kollegium. Und die Geschäftsführung holt vor geplanten Neuerungen die Meinung des Betriebsrats ein. Hoff hat aktuell den Vorsitz abgegeben und engagiert sich in der Gewerkschaftsgruppe für einen Tarifvertrag. Denn der Betriebsrat darf sehr viel. Über Tariflöhne verhandeln darf er nicht.

Betriebsratswahlen 2018 AKB003_IconInfo

In Deutschland finden in Unternehmen mit Betriebsrat alle vier Jahre in der Zeit zwischen 1. März und 31. Mai Betriebsratswahlen statt. Einen Betriebsrat gründen können Beschäftigte jederzeit.

Beratung von Betriebs- und Personalräten

Die Abteilung Mitbestimmung und Technologieberatung der Arbeitnehmerkammer berät Betriebs- und Personalräte und Mitarbeitervertretungen. Sie hilft auch bei der Gründung einer Interessenvertretung.

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