Vom Pflegehelfer zum anerkannten Krankenpfleger

Zeljko Jakovljevic aus Kroatien

Der lange Weg zur Anerkennung

In Deutschland fehlen Fachkräfte, deshalb sind Zuwanderer mit entsprechenden Qualifikationen willkommen. Doch auf dem Weg zur Anerkennung eines ausländischen Abschlusses sind viele Hürden zu überwinden.

Text: Janet Binder
Foto: Kay Michalak

Deutschland braucht Fachkräfte, davon hatte Zeljko Jakovljevic gehört. Für ihn ergab sich dadurch eine Chance für einen Neuanfang – die er auch nutzte. In seiner Heimat Kroatien hatte er 27 Jahre als examinierter Krankenpfleger gearbeitet. Zu Beginn seines Berufslebens war die Bezahlung noch hoch, erzählt der 55-Jährige. Dann änderte sich die Situation: „Die Löhne sanken, die Lebenshaltungskosten stiegen.“ Zusammen mit seiner Frau entschied er, nach Deutschland zu gehen. Im Internet stieß er auf eine Stellenanzeige eines Frankfurter Pflegedienstes. Die Firma stellte ihn ein. Das war vor vier Jahren.

Doch es gab Hürden zu überwinden. Denn wer mit einem reglementierten Beruf nach Deutschland kommt, darf hier nicht ohne Weiteres seiner gelernten Tätigkeit nachgehen. Erst muss der gleiche Wert des Abschlusses anerkannt werden – das gilt für Krankenpfleger genauso wie für Erzieherinnen. Die zuständige kroatische Pflegekammer weigerte sich aber, Zeljko Jakovljevic eine Bescheinigung über die Vergleichbarkeit auszustellen. „Unter vier Augen sagte man mir: Wenn sie das machen würden, gäbe es in Kroatien bald keine Pfleger mehr“, sagt Jakovljevic.

Als Fachkraft gearbeitet – als Helfer bezahlt

So bekam er in Deutschland zunächst nur den Status als Pflegehelfer. Tatsächlich wurde er von seinem Arbeitgeber als vollwertige Pflegekraft eingesetzt, verdiente jedoch weniger als seine Kollegen. Jakovljevic wollte deshalb seine Ausbildung auf anderem Wege anerkennen lassen. Sein Arbeitgeber hatte daran aber kein Interesse, die Behörden auch nicht.

Der Kroate kam schließlich nach Bremen, wo er inzwischen als anerkannte Pflegekraft in einer Reha-Klinik arbeitet. Den Weg dahin empfand er schließlich als denkbar einfach. „In Bremen war alles unproblematisch“, sagt der 55-Jährige. Er verbesserte weiter seine Deutschkenntnisse und besuchte neben seinem Job einen Lehrgang beim Paritätischen Bildungswerk, um sich auf die Kenntnisprüfung zum Krankenpfleger vorzubereiten. Den Test absolvierte er im April erfolgreich. Seine Erfahrungen zeigen, wie unterschiedlich in den Bundesländern mit der Anerkennung ausländischer Abschlüsse umgegangen wird.

Kostenlose Anerkennungsberatung bei der Arbeitnehmerkammer

Denn seit 2014 hat jedes Bundesland sein eigenes Gesetz, mit dem bei landesrechtlich geregelten Berufen die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen garantiert wird. Damit sich Zuwanderer im Dickicht der Bürokratie in Bremen besser zurechtzufinden, wird hier eine kostenlose Anerkennungsberatung angeboten. Sie gehört zum bundesweiten Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ und hat ihren Sitz in der Arbeitnehmerkammer Bremen. Für die Anerkennung selbst sind je nach Beruf die jeweiligen Kammern oder Behörden zuständig.

Eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (iaw) im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen hat nun die Lage im kleinsten Bundesland beleuchtet. Das Fazit: Es läuft schon vieles richtig bei der Anerkennung, dennoch gibt es noch Handlungsbedarf. Besonders vorbildlich laufe das Verfahren bei der Ingenieurskammer, sagt René Böhme vom iaw und Autor der Studie. „Dort berät eine eigene Fachkraft die Bewerber intensiv und begleitet das gesamte Verfahren Schritt für Schritt.“ Bei den Behörden, die etwa für Erzieher oder Ärzte zuständig sind, sei die Situation nicht so komfortabel. „Wir brauchen in den zuständigen Stellen mehr Personal, um sie in die Lage zu versetzen, die gestiegene Nachfrage bewältigen zu können“, betont Böhme.

Nicht genügend Weiterbildungskurse vorhanden

Nach der Anerkennung stünden die Bewerber oft vor dem Problem, zwar schon ganz gut deutsch sprechen zu können, die entsprechende Fachsprache aber nicht zu beherrschen. Hier fehle es noch an unterstützenden Kursen. Zu den häufigsten Problemen bei den Anerkennungsverfahren gehören unvollständige Dokumente. Für solche Fälle seien bessere Instrumente notwendig, sagt Böhme: „In vielen Berufen müssen erst noch Vorbereitungskurse und Prüfungen entwickelt werden, um die beruflichen Kenntnisse von Bewerbern überprüfen zu können.“ Auch dauere die Bearbeitung der Fälle oft zu lange.

Pfleger, Ärzte, Erzieher, Ingenieure und Lehrer: Das sind die fünf am stärksten in der Bremer Anerkennungsberatung nachgefragten Berufe. Vor llem bei den Lehrkräften hakt es im Verfahren. Obwohl Lehrkräfte händeringend in Bremen benötigt werden, wurden 2015 nur acht von 50 Fällen  positiv beschieden. „Das liegt an den internationalen Unterschieden in der Ausbildung“, erklärt Böhme. In vielen Ländern brauchen Lehrkräfte nur ein Fach zu studieren, in Deutschland müssen es mindestens zwei sein. Als einziges Bundesland hat Hamburg sein Anerkennungsgesetz bereits an die Gegebenheiten angepasst und erleichtert es so ausländischen Lehrern, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten. „Letztlich ist das eine politische Entscheidung“, sagt Böhme.

Lehrer können fehlende Kompetenzen oft nicht nachholen

Doch selbst wer als Lehrer zwei Fächer vorweisen kann, braucht in der Regel eine Weiterbildung, um den Standards in Deutschland zu genügen. Doch Angebote fehlen mitunter: „Wenn die entsprechenden Fächer an der Uni Bremen nicht angeboten werden – wie zum Beispiel Sport – können die fehlenden Kenntnisse und Prüfungen nicht nachgeholt werden“, so Böhme. Ähnliches gelte für Ärzte, da das Fach Medizin in Bremen ebenfalls nicht gelehrt wird. Länderübergreifende Kooperationen wären notwendig. „Die gibt es aber noch nicht.“ Auch bei den Erziehern sind große internationale Unterschiede vorhanden. „Eigentlich ist keine Erzieher-ausbildung im Ausland genauso wie in Deutschland“, sagt Böhme. Trotzdem waren bis vor zwei Jahren vom Bildungs- und vom Sozialressort fast alle Anerkennungsverfahren von Erzieherinnen positiv beschieden worden. „Dann gab es aber Rückmeldungen aus den Einrichtungen, dass die Kräfte erhebliche Defizite hatten“, sagt Böhme. Daraufhin schauten die Behörden genauer hin. Das führte dazu, dass schließlich 2016 so gut wie kein Anerkennungsverfahren mehr durchkam: Von 58 waren es nur drei. An der Entwicklung entsprechender Weiterbildungsangebote wird deshalb aktuell gearbeitet.

Unterschiede in den Inhalten der Ausbildungen

Im Pflegebereich werden bereits passende Lehrgänge angeboten: Zeljko Jakovljevic hat die notwendigen Kurse besucht – und das ausgesprochen gern, obwohl er inzwischen schon seit drei Jahrzehnten im Beruf arbeitet. „Wenn man einen Wissensbereich nicht ständig braucht, vergisst man ihn. Jetzt habe ich meine Kenntnisse wieder auffrischen können“, freut er sich. Außerdem gebe es durchaus Unterschiede in der kroatischen und der deutschen Ausbildung. „In Kroatien dürfen Krankenpfleger unbegrenzt Spritzen geben, das ist in Deutschland anders.“ Auch andere Unterschiede zu kennen, findet er wichtig. Jakovljevic hat seinen Schritt, mit über 50 Jahren noch auszuwandern, nie bereut: „Ich fühle mich in Bremen sehr wohl.“

Aktuelle StudieAKB003_Icon-Download

  • Anerkennung ausländischer Qualifikationen im Land Bremen

    Eine Bestandsaufnahme im Jahr 2017, November 2017

    Download PDF

Unsere Geschäftsstellen

Bremen-Stadt

Bürgerstraße 1
28195 Bremen

Tel. +49.421.36301-0

Beratungszeiten
Bremen-Nord

Lindenstraße 8
28755 Bremen

Tel. +49.421.669500

Beratungszeiten
Bremerhaven

Barkhausenstraße 16
27568 Bremerhaven

Tel. +49.471.922350

Beratungszeiten

Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2017 Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2017 Arbeitnehmerkammer Bremen