Sicheres Spiel mit dem Feuer

Heino Roos ist Qualitätsmanager und technischer Leiter Pyrotechnik bei Comet

Galerie der Arbeitswelt: Pyrotechniker

Seit Heino Roos das erste Mal Schwarzpulver gerochen hat, lassen ihn Chinaböller und Glitzersterne nicht mehr los. Als Pyrotechniker bei Comet Feuerwerk Bremerhaven lebt der 47-Jährige Kreativität und Sicherheitsbedürfnis gleichermaßen aus.

Angefangen hat es mit dem Radlader beim ­Technischen Hilfswerk. Wie alle anderen 249 ­Freiwilligen in seinem Ortsverband wollte Heino Roos lieber räumen als sprengen. Erst nach der Drohung, dann komme der Radlader ganz weg, belegt er als Einziger Kurse zum Sprengen im Katastrophenschutz: "Da war es um mich geschehen: Benzinexplosionen, kontrollierte Sprengungen, Pyrotechnik. Ich wollte nichts anderes mehr machen". Weitere Lehrgänge folgen, etwa zum Qualitäts­management und zum Abbrennen von Großfeuerwerken. Seit Dezember 2011 arbeitet Heino Roos nun als Qualitätsmanager und technischer Leiter Pyrotechnik bei Comet. 

Regelmäßig reist Heino Roos mit neuen Ideen nach Liuyang, Sitz der chinesischen Schwesterfirma Shiu Fung: "Prinzipiell unterscheiden sich Raketen, Böller oder Batterien kaum. Es gibt aber einen Spielraum für das Quäntchen Besonderheit, in dem man seine Kreativität austoben kann." In China, wo "Kraftprotz", "Beasty Bees" und „"Sleepless" entwickelt und produziert werden, überprüft er nach den strengen Vorgaben der Bundesanstalt für Material­forschung und -prüfung, ob die Feuerwerke zum sicheren Abfeuern in der Silvesternacht taugen. Hunderte Groß­container kommen jährlich in den fünf Comet-Lagerstandorten an und gehen in den Vertrieb. "Vorher müssen wir ran: Unsere Kollegen der Qualitätssicherung in China erstatten täglich Bericht, wir testen zusätzlich weitere Stichproben und erst dann darf die Ware raus", erklärt Heino Roos. 

Im Delaborierraum zerlegen sie die Muster in Einzelteile. Hinter verleimtem Zwirn oder Pappe kommt das Innere zum Vorschein. Aus unscheinbaren Kügelchen ­werden nach dem Abfeuern bunte Sterne. Ton dämmt und sorgt durch den Widerstand für den Krach, Zündschnüre übernehmen das zeitverzögerte Abfeuern. Schwarzpulver ist die treibende Kraft und Salze bringen Farbe ins Feuerwerk. Auch den Transport simuliert das vierköpfige Team um Heino Roos: "Im Wärmeschrank muss das Muster zwei Tage lang un­beschadet Hitze bis 75 Grad aushalten. Auch 60 ­Minuten auf dem Rütteltisch dürfen eine Feuerwerksbatterie nicht aus der Fassung bringen." Fast täglich, werktags von 10 bis 13 Uhr jagen sie auf dem Abbrennplatz ausgewählte Muster in den Bremerhavener Himmel, ausgerüstet mit Stoppuhr, Warnweste und Schutzbrille. Wichtig sind auch die Ohren­schützer mit eingebautem Walkie-Talkie: Man kann miteinander ­sprechen, selbst wenn es kracht, heult und knallt. Die Sicherheitsanforderungen, aber auch die Angaben auf der Packung müssen stimmen: Bei den "Beasty Bees" darf bei einer Effektdauer von etwa 55 Sekunden nicht schon viel eher Schluss sein. 

Wer unter die Pyrotechniker geht, sollte weder schreckhaft noch lärmempfindlich sein und technisches Grundverständnis ist ein Muss. Obwohl Comet ganz­jährig auch Hexen­nasen, Glitterspray und Kostüme vertreibt, ist der ­Dezember der entscheidende Monat in der ­Branche. Schließlich ­müssen die Feuerwerkskörper pünktlich am 29. ­Dezember zum ­Verkauf bereitliegen. 

Text: Anette Melerski
Foto: Kay Michalak

Der Pyrotechniker AKB003_IconInfo

Berufsgenossenschaften, das THW oder private ­Schulen wie die Dresdner Sprengschule vermitteln in staatlich ­an­erkannten Vollzeit-Lehrgängen das Wissen für zukünftige Pyrotechniker. Eine klassische Ausbildung gibt es nicht. 

Wer mindestens 21 Jahre alt ist und eine Unbedenklichkeits­bescheinigung – gibt es bei den Gewerbeaufsichts­ämtern – vorlegt, kann loslegen. Der Markt ist allerdings über­schaubar: nur etwa ein Dutzend Unternehmen in Deutschland entwickeln und vertreiben Silvesterfeuerwerk. Pro­duziert wird fast ausschließlich in China.

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