Kompetenzen einbringen

Interview mit Pflege-Expertin Monika Urban

Wir haben Pflege-Expertin Monika Urban zur Digitalisierung in der Pflege befragt.

Text: Anne-Katrin Wehrmann
Foto: Gaby Ahnert

Inwieweit hat die Digitalisierung schon Einzug in die Pflege gehalten?

Da gibt es ganz unterschiedliche Beispiele. Im stationären Bereich finden wir digitale Patienten-Dokumentationssysteme, die mittlerweile in sehr vielen Pflegeeinrichtungen implementiert sind oder gerade eingeführt werden. Im ambulanten Bereich gibt es Apps für die Tourenplanung und Dokumentation. Und in ersten Zügen erleben wir auch schon Robotik in der Pflege: zum Beispiel Roboterarme oder Lifter, die beim Umdrehen oder Aufrichten von Pflegebedürftigen helfen.

Welche Entwicklungen sind zukünftig noch zu erwarten?

Das ist bei einer Gesellschaft, die sich insgesamt digitalisiert, ganz schwer zu sagen. Wichtig wird sein, dass sich die Pflege-Ausbildung auf die Digitalisierung einstellt: Das heißt beispielsweise spezifische Module in die eigentliche Ausbildung zu integrieren, aber auch Angebote im Bereich der Fort- und Weiterbildung vorzuhalten. Aus der Vergangenheit haben wir gelernt, dass es viele Einzeltechnologien gab, die in der Praxis schlecht angenommen wurden – weil die Technik-Entwicklung die Bedarfe und Praktiken in der Pflege gar nicht berücksichtigt hat. Für die Zukunft müssen Pflegende darum in die Entwicklung neuer Technologien miteinbezogen werden und ihre Praxiserfahrungen einbringen können.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung den Beschäftigten in der Pflege?

Im Idealfall kann sie in mehrfacher Hinsicht eine Entlastung mit sich bringen, zum Beispiel indem Kräne oder Lifter die körperliche Belastung reduzieren. Wenn man den Pflegekräften in digitaler Form Informationen zu einzelnen Patienten und zu Krankheitsbildern zur Verfügung stellt, lässt sich damit auch die psychische Belastung verringern, die sich aus den gesteigerten Anforderungen ergibt. Außerdem kann die Einführung neuer Technologien das Berufsfeld aufwerten, da zusätzliche Kompetenzen erlernt werden müssen und technisierte Berufe generell besser entlohnt werden. Ein attraktives Berufsbild wiederum könnte dem Pflegekräftemangel entgegenwirken.

Welche Risiken sind damit verbunden?

Viele Pflegekräfte befürchten, dass mit der Digitalisierung eine verstärkte Kontrolle und eine weitere Verdichtung ihrer Arbeit einhergeht – und dass darunter letztlich die Qualität der Pflege leidet. Eine weitere Sorge ist, dass durch die digitale Kommunikation ein Informationsverlust zwischen Angehörigen, Pflegebedürftigen und Pflegefachkräften entsteht, da nicht alle Zugang zu beispielsweise einer App-gestützten Tourenplanung haben.

Wie können sich die Beschäftigten und ihre Interessensvertretungen einbringen?

Vor allem können und sollten sie wie erwähnt ihre Kompetenzen in die Entwicklung und Implementierung neuer Techniken einbringen sowie an entsprechenden Fortbildungen teilnehmen können. Die Betriebsräte wiederum haben ein wachsames Auge auf den Datenschutz und können im Rahmen des betrieblichen Vorschlagswesens Initiativanträge stellen, also zum Beispiel Maßnahmen des Arbeitsschutzes vorschlagen. Das können dann auch Anschaffungen technischer Systeme sein.

Veranstaltungshinweis AKB003_IconInfo

Pflege digital – den Wandel im Betrieb gestalten
Di., 25. Juni 2019, 14 –?17 Uhr, m|Centrum Martinsclub Bremen e.V., Buntentorsteinweg 24/26

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