Galerie der Arbeitswelt

Der Helikopterpilot

Rettung von oben

Seit 33 Jahren fliegt Rüdiger Engler in Bremen den ADAC-Rettungshubschrauber „Christoph 6“. Nach Bremerhaven braucht er fünfzehn Minuten.

Text: Rike Oehlerking - Foto: Kay Michalak

Wenn Rüdiger Engler morgens zum Krankenhaus Links der Weser radelt, ist der Ablauf seines Arbeitstages noch ungewiss. Manchmal ist er von 6.30 Uhr bis zum Sonnenuntergang mit dem Hubschrauber im Einsatz. Selten bleibt sein Pieper stumm. Dann plant er im Büro neben der Helikopterhalle Schichten, checkt  Landeplätze und spricht mit Krankenhäusern.

Seit 1985 fliegt Engler Ärzte und Sanitäter zu Unglücksstellen und stapelt ziemlich tief, wenn er sich selbst  als „Arzt-Taxi“ bezeichnet. Seine Aufgabe beläuft sich zwar zu 80 Prozent auf den Transport von Rettungspersonal, das am Unfallort Hilfe leistet. Nur selten werden Verletzte per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Doch auch Engler steht vor Ort helfend zur Seite: „Ich nehme mich oft der  Angehörigen an.“

Routiniert, flexibel und wachsam

Sobald der Pieper Laut gibt, geht es zügig los. Spätestens nach zwei Minuten ist der drei Tonnen schwere Helikopter samt Personal in der Luft. Meist erfährt Rüdiger Engler erst im Cockpit, wohin er fliegt und lässt sich vom Tower die Route freigeben.

Seine Schicht beginnt stets mit Technikkontrollen. „Routine ist wichtig“, erzählt er. „Wir dürfen uns aber nicht darauf ausruhen. Die größte Gefahr bin ich als Pilot.“ Daher seien die vorgeschriebenen halbjährlichen Gesundheitschecks sowie Flugtests im Simulator unabdingbar.

Der Pilot kennt auch die harte Seite seines Berufs. „Ich war 1998 beim Zugunglück von Eschede im Einsatz“, erinnert er sich. „Die Bilder werde ich nicht vergessen.“ Nach dem Unglück wurde erstmals eine Notfallseelsorge auch für Rettungskräfte eingeführt. Weil Engler weiß, wie wichtig Reden ist, ließ er sich zum kollegialen Ansprechpartner ausbilden. Mitarbeiter finden bei ihm nach einschneidenden Erlebnissen Gehör und Rat.

Vom Polizisten zum Luftretter

Schon als Kind faszinierten den gebürtigen Schleswig-Holsteiner Drehflügler. Nach der Ausbildung zum Polizeibeamten ließ er sich zum Berufshubschrauberführer ausbilden. 1985 wurde er bei der Bremer Luftrettung stationiert. Als die gemeinnützige ADAC-Luftrettung die Aufgabe 1997 übernahm und Engler in Bremen bleiben wollte, ließ er sich vom Beamtendienst freistellen und fliegt seitdem als Angestellter.

Rüdiger Engler ist überzeugt: „Die Kombination aus Fliegen und Helfen macht meinen Beruf zu einem der tollsten überhaupt“. In drei Jahren darf der 57-Jährige laut Luftfahrtverordnung aus Altersgründen nicht mehr im Single-Cockpit fliegen. Hubschrauber mit zwei Piloten werden in Bremen nicht eingesetzt. Ein Standortwechsel bis zur Rente kommt für ihn nicht in Frage. Daher hat er mit seinem Arbeitgeber eine Altersteilzeitregelung getroffen und wird mit 60 aufhören zu arbeiten. Den Abschied erleichtert ihm das kaum: „Ich weiß jetzt schon, dass ich meinen Beruf sehr vermissen werde.“

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Helikopterpilotinnen und -piloten werden in Luftfahrerschulen über mindestens ein Jahr in Vollzeit ausgebildet. Bildungsträger wie Polizei oder Bundeswehr übernehmen die hohen Ausbildungskosten. Hierfür wird meist ein guter Abschluss der jeweiligen Grundausbildung vorausgesetzt. Außerdem sind Entscheidungsfähigkeit, Reaktionsgabe und hohe Belastbarkeit unabdingbar. Die Theorie erstreckt sich über Themen wie Aerodynamik, Luftfahrtrecht, Meteorologie, Navigation und Technik. Eingesetzt werden die Piloteninnen und Piloten bei Polizei, Bundeswehr und Rettungsdiensten sowie in der Privatwirtschaft, zum Beispiel bei Windkraftfirmen.

 

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