Interview mit Bettina Wilhelm

"Ich liebe die Isländer"

Bremens neue Frauenbeauftragte Bettina Wilhelm zur Armutsbekämpfung, zur Lohngleichheit und zur Frage, was die Gleichstellung der Frau Männern bringt.

Fragen: Meike Lorenzen - Foto: Kathrin Doepner

Was sind die größten Herausforderungen, die Sie in Bremen angehen wollen?

Ganz wichtig ist mir die Bekämpfung von Armutsrisiken von Frauen – gerade in Bremen. Dann müssen wir die politische Partizipation von Frauen verbessern. Und das Thema sexuelle Gewalt wird uns stärker begleiten. Die mediale Aufmerksamkeit durch die #metoo-Debatte hat Folgen. Wir werden zum Beispiel vermehrt um Unterstützung im Umgang mit dem Thema in Betrieben gebeten.

Wie kann man die Situation von Alleinerziehenden verbessern?

Sie müssen bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben und dazu müssen sie befähigt werden. Es ist ein Skandal, dass die Erwerbsquote von Alleinerziehenden im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurückgegangen ist. Ein Problem: Jede fünfte Alleinerziehende in Bremen ist ohne Ausbildung. Es fehlen Qualifizierungsangebote, aber auch Teilzeitstellen. Auf 100 Alleinerziehende in Bremen kommen lediglich 13 Stellen in Teilzeit.

Ist die Kinderbetreuung in Bremen ausreichend geregelt?

Es hat sich viel getan. Während 2015 lediglich 27 Prozent der unter Dreijährigen einen Krippenplatz bekommen haben, sind es heute 43 Prozent. Damit bewegt sich Bremen bundesweit im Mittelfeld. Allerdings hapert es häufig noch an einem zeitlich flexiblen Angebot. Der Ausbau kostet Geld und es werden vor allem Fachkräfte benötigt. Es ist nicht leicht zu stemmen – aber es führt kein Weg dran vorbei.

Was halten Sie von der Idee, die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen zu verbieten – wie es Island vormacht?

Ich liebe die Isländer. Sie machen das Recht auf gleiche Entgeltansprüche einklagbar, ganz gleich welche Betriebsgröße der Arbeitgeber hat. Damit sind sie dort, wo wir noch hinmüssen.

Inwieweit nützt die Gleichberechtigung der Frau den Männern?

Verändert sich das Rollenbild der Frau, verändert sich auch das Rollenbild des Mannes. Oft wollen  Männer nicht mehr Alleinverdiener sein, sondern erleben, wie ihre Kinder aufwachsen. In vielen Familien ist das gelebte Praxis. Zudem ist Gleichstellung ein Gradmesser für Demokratie, für gleiche Rechte und Möglichkeiten von Menschen egal welchen Geschlechts. Letztlich geht es um Chancengerechtigkeit. Und davon profitieren auch Männer.

Bettina Wilhelm AKB003_IconInfo

(geb. 1964) studierte Sozialpädagogik an der Hochschule für Sozialwesen in Esslingen und Diplom-Pädagogik an der Uni Tübingen. Von 2009 bis Ende März 2017 war sie Erste Bürgermeisterin in Schwäbisch Hall. Seit November 2017 ist sie der Kopf der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) in Bremen.

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