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Safia Jashar: Einstieg in die Ausbildung

Einstieg in die Ausbildung

Baby-Strampler und Chefarzt-Kittel gehen ebenso durch Safia Jashars Hände wie Bettbezüge und die blaue Operationskleidung. Im Wäschelager des Klinikums Links der Weser (LDW) macht sie seit Sommer 2016 die Einstiegsqualifizierung zur Hauswirtschafterin.

Text: Anette Melerski
Foto: Kay Michalak


Als Safia Jashar 18-jährig mit ihren Eltern aus Mazedonien nach Bremen kommt, liegt der Gedanke an eine Berufsausbildung noch fern. Zwei Deutschkurse und diverse Beratungsstunden später steht sie jetzt vor ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Denn dass sie im August den Einstieg in das erste Lehrjahr schaffen wird, daran zweifeln weder die Leiterin des Wäschelagers, Regine Hildebrand, noch Claudia Jacob vom Bremer und Bremerhavener Integrationsnetz (bin). Beide fördern und fordern die 22-Jährige: „Durch Frau Jacob habe ich eine Idee davon bekommen, was für mich überhaupt möglich ist. Und Frau Hildebrand bringt mir bei, was ich als Hauswirtschafterin rund um Wäsche wissen muss.“

In den Beratungsgesprächen mit Claudia Jacob musste Safia Jashar erst einmal Fragen beantworten: wo sie ihre Stärken sieht, welche Tätigkeiten sie sich gut vorstellen kann und welche eher nicht. „Man kann die Leute nicht einfach in irgendetwas hineinstecken, nur weil dort ein großer Bedarf herrscht. Es muss auch nach Neigungen und Erfahrungen gehen“, so Claudia Jacob, die der jungen Frau auch bei  aufenthaltsrechtlichen Fragen zur Seite steht. Um einen realistischen Eindruck vom Berufsleben zu bekommen, sehen sie sich Filme über Berufe an und Jashar macht Praktika: in einer Bäckerei, bei einer Kosmetikerin und in einer Kindertagesstätte.

Wer das Wäschelager im Erdgeschoss des LDW sucht, kann auch seiner Nase nachgehen. Es riecht nach frisch gestärkter Wäsche und Bügeldampf. Vor der Tür stehen Gitterwagen zur Abholung bereit. Diese Wagen mit Wäsche zu bestücken, ist eine der Aufgaben von Safia Jashar: „Morgens fülle ich als erstes die Wagen mit allem auf, was die Stationen bestellt haben: Bettzeug, Handtücher und Kittel zum Beispiel. Die Entbindungsstation braucht auch Kleidung für neugeborene Babies – das stelle ich besonders gerne zusammen. Aber eigentlich macht mir alles hier Spaß.“ Als eine der Nähdamen – so heißt es auf dem Schild am Eingang der Näherei – bessert sie die Textilien auch aus. Und damit die Patienten wissen, in welchem der vier Bremer Krankenhäuser ihr Bett steht, patcht sie den roten Krankenhaus-Schriftzug auf die Arbeitskleidung all derer, die auf Station arbeiten.

Ihre Arbeitszeit verbringt Safia Jashar wochenweise im Wäschelager, in der Ausbildungswerkstatt oder der Berufsschule. Neben Mathe, Englisch, Politik, Alten- und Kinderpflege steht auch Deutsch auf ihrem Stundenplan. Zusätzlich verbringt sie jeden Samstag sechs bis acht Stunden beim Deutschunterricht: „Das bringt natürlich was, aber am meisten lerne ich von Frau Hildebrand und den Kolleginnen: nicht nur die Sprache. Ich lerne auch zu prüfen, wie viel Wäsche jede Station verbraucht, wie das in Listen eingetragen und abgerechnet werden muss.“ Dokumentation und Organisation wird sie auch auf den weiteren Stationen ihrer Ausbildung begleiten: in der Küche und der Hausreinigung. Wird die Einstiegsqualifizierung bei Safia Jashar auf die Ausbildung angerechnet, kann diese bis zu sechs Monate verkürzt werden.

Bis das soweit ist, sorgt Regine Hildebrand dafür, dass ihre Mitarbeiterin an allen Pflichtfortbildungen für das nicht pflegende Personal teilnimmt: etwa zu Hygiene, Brand- und Arbeitsschutz und Reanimation. „Da lernt man zum Beispiel, was zu tun ist, bevor das Reanimationsteam kommt: die Herzdruck-Massage funktioniert am besten zu AC/DCs „Highway to Hell“, erklärt Safia Jashar.

Einstiegsqualifizierung AKB003_IconInfo

In einer Einstiegsqualifizierung lernen junge Menschen in sechs bis zwölf Monaten Teile eines Ausbildungsberufs kennen. Im Anschluss können sie bei entsprechender Eignung eine Ausbildung beginnen. Für Geflüchtete bietet das Bremer und Bremerhavener Integrationsnetz Beratungen an und unterstützt sie beim Einstieg in Ausbildung, Studium und Arbeit und bei aufenthaltsrechtlichen Fragen.

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