Nachts im Pflegeheim

Nachts im Pflegeheim

Auch nachts sind zu wenig Pflegebeschäftigte für zu viele Patienten verantwortlich. Nun soll der Personalschlüssel in der stationären Pflege verbessert werden.

Text: Meike Lorenzen
Foto: Kay Michalak

Anfang November vergangenen Jahreshaben Mitglieder der Gewerkschaft Verdi Windeln an Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft verteilt. Dazu ein Schreiben: „Bewahren Sie Ihr Pflegebasispaket gut auf! Sie werden es im Alter zur Selbstversorgung benötigen. “Mit diesen Worten wollten die Pflegekräfte Politikerinnen und Politikermotivieren, in letzter Minute Änderungen beim Bremischen Wohn- und Betreuungsgesetz vorzunehmen. Mit Erfolg, das Gesetz wurde nachgebessert und ein Betreuungsschlüssel von 1 zu 40 während der Nachtschichten festgelegt. Bisher betreut eine Person 50 Pflegebedürftige pro Nacht.

Auch die Arbeitnehmerkammer Bremen fordert seit Jahren eine Verbesserung des Personalschlüssels in der Pflege. Dabei gibt es ein doppeltes Problem: Es wird zu wenig Personal eingestellt und es fehlt an Fachkräften. „Wir brauchen gute Bedingungen für Auszubildende, gute Arbeitsbedingungen und Löhne, um Menschen für die Pflege zu gewinnen“,sagt Carola Bury, Pflege-Expertin bei der ArbeitnehmerkammerBremen. „Nur so kann auch in Zukunft der steigende Bedarf an Fachkräftengedeckt werden.“

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Kerstin Bringmann ergänzt: „Der Erfolg in der Bürgerschaft scheint nur ein kleiner zu sein, aber er ist ein wichtiges Zeichen. Auch wenn der neue Schlüssel erst zum 30. April 2019 verbessert wird, so gehter doch in die richtige Richtung. Der bessere Personalschlüssel für die Nachtschicht ist damit festgeschrieben.“

Nachholbedarf sieht Bringmann auch bei Tag. Um 30 Pflegebedürftige kümmern sich derzeit drei „Pflegekräfte“– zu denen jedoch auch zwei ungelernte Betreuungskräfte, Praktikantinnen oder Auszubildende zählen dürfen. In einer vorangegangenen Version des Gesetzes waren die notwendigen Qualifikationen für den Tagdienst besser definiert. „Das hat man aber nicht durchgehalten“, kritisiert Bringmann. „Hier würde ich den Politikern mehr Mut wünschen, am richtigen Weg festzuhalten.“
Die Folgen sind spürbar. „Die Anforderungen an stationäre Pflegekräfte sind durch Arbeitsverdichtung und sich verschlechternde Rahmenbedingungen gestiegen. Damit wird der Beruf immer unattraktiver“, so Bury. „Dem psychischen Druck und der Unzufriedenheit bei den Beschäftigten muss entgegengewirkt werden.“

Kerstin Bringmann hat konkrete Vorstellungen, wie die Arbeitsbedingungen verbessert werden können. Verdi fordert zum einen eine Personalbemessung auf Bundesebene. „Es wäre effektiver, wenn es keinen Flickenteppich gäbe, sondern eine einheitliche Personalbemessung, die dafür sorgt, dass Menschen gut gepflegt werden und alle Anbieter genügend Personal vorhalten müssen“, sagt sie. Das würde am Ende auch für eine wirkliche Aufwertung des Pflegeberufs sorgen. Zum anderen bedürfe es einer flächendeckenden Tarifbindung. „Dann bräuchten wir uns sicher weitaus weniger Sorgen um den Pflegenotstand und Fachkräftemangel zu machen“, ist Bringmann überzeugt.

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