Editorial von Peter Kruse

Vorwort des Präsidenten der Arbeitnehmerkammer

Soziale Sicherung stärken

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Arbeitswelt verändert sich zunehmend – immer seltener arbeiten wir ein Leben lang im selben Beruf im selben Betrieb. Dafür wechseln sich immer häufiger Zeiten von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung ab. Die für eine abschlagsfreie Rente erforderlichen 45 Beschäftigungsjahre schaffen immer weniger Menschen. Hinzu kommen demografischer Wandel, Digitalisierung und ein immer komplexer werdendes Sozialsystem. Das vor ein paar Jahren neu ins Feld geführte bedingungslose Grundeinkommen scheint deshalb verlockend: Alle erhalten eine pauschale Geldsumme in existenzsichernder Höhe, unab­hängig vom Bedarf. Das klingt erst mal einfach und gut: Armut wird vermieden und Teilhabe für alle möglich, ohne Sanktionen und „Arbeitszwang“.

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch wesentliche Gefahren – die größte: Gesellschaft und Politik laufen Gefahr, weiterhin bestehende Probleme als gelöst oder irrelevant anzusehen, wie etwa niedrige Löhne oder schlechte Bildungschancen. „Gute Arbeit“ gerät aus dem Blick. Arbeit per se ist ja nicht das Problem, sondern schlechte Arbeitsbedingungen. Außerdem besteht das Risiko, mit Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens die um­fassende soziale Sicherung abzuschmelzen. Armutsvermeidung ist dann alles, was der Staat noch leistet.

Statt aber Probleme zu „übertünchen“, ist mutige Politik in den Feldern Qualifizierung, Arbeit und Sozialpolitik überfällig: Aus- und Weiter­bildung fördern und auch kostenlos anbieten, prekäre Arbeit bekämpfen, die Tarif­bindung stärken und den Mindestlohn anheben, das Arbeitslosengeld und die Hartz-IV-­Regelungen verbessern – und natürlich die gesetzliche Rente wieder stärken. All das ist aufwendig, kompliziert und muss erklärt werden – wir glauben aber, dass sich die Anstrengung am Ende für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auszahlt.

Ihr Peter Kruse

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