Bankenwelt in Bewegung

Strukturwandel in Bremen

Wie Beschäftigte die Veränderungen in der Finanzbranche wahrnehmen und warum die Branche krankt.

Text: Meike Lorenzen - Foto: Kay Michalak

Was sich in diesem Jahr zum zehnten Mal jährt, wirkt nach: Die Bankenkrise. Nachdem ab 2008 in den USA  der Markt für minderwertige Immobilienkredite zusammengebrochen war, entstanden auch in Europa  hohe Verluste bei vielen Banken. Es kam zu fallenden Börsenkursen und ernsthaften Zahlungsengpässen. Sich von diesem Tief zu erholen, war und ist eine Herausforderung.

Zwar wird in der Branche weiter Geld verdient, alleine im vergangenen Jahr 20 Milliarden Euro. Auch die gewaltigen Verluste auf dem Höhepunkt der Bankenkrise 2008 und 2009 wurden innerhalb der beiden folgenden Jahre ausgeglichen. Doch trifft die gute Ertragslage nicht alle Institute, innerhalb der Branche  gibt es große Unterschiede.

Besonders hart trifft die Branche der steigende Konkurrenzdruck durch den globalen Wettbewerb und den Einfluss der Direktbanken und Fintech-Angebote (Fintechs sind Unternehmen, die digitale und technologische Finanzinnovationen anbieten). Der freie Kapitalverkehr in der EU und die Vereinheitlichung von gesetzlichen Regelungen macht es vor allem europäischen Banken möglich, sich auf dem deutschen Markt zu etablieren. Zudem konkurrieren die Banken mit Steuer- und Unternehmensberatern, Vertretern aus der Immobilienwirtschaft und vor allem Versicherungen. „All das zwingt Institute in einen Sparkurs. Und sie reagieren vor allem mit Umstrukturierungen“, sagt Steffen Gabriel, Wirtschaftsexperte bei der Arbeitnehmerkammer.

Neuer Wind für die Beschäftigten

Die Zahlen zeigen die Auswirkungen. Während es 1970 allein in der alten Bundesrepublik noch 8.500 Kreditinstitute gab, waren es 2017 noch 1.823. Zusätzlich werden ganze Geschäftsbereiche ausgelagert oder verlegt: IT-Abteilungen sind zentral an nur einem Ort angesiedelt oder die Kundenbetreuung findet über Callcenter in Osteuropa statt.

„Die Beschäftigten spüren durch die Veränderungen das erste Mal wirklich Druck“, sagt Gabriel. „Nachdem es jahrzehntelang kaum Kündigungen in der Branche gab, sind auf einmal betriebsbedingte Kündigungen, Abfindungsgespräche und Lohnstagnation auf der Tagesordnung.“ Während viele Branchen im Dienstleistungssektor einstellen, wurden bei den Finanzdienstleistern allein im Zeitraum 2013 bis 2017 über  600 Stellen abgebaut. Statt 16 Instituten im Jahr 2008 gab es 2017 noch elf Banken im kleinsten  Bundesland. Zudem wird das Filialnetz immer stärker ausgedünnt.

 

 

Weg aus Bremen

Gleichzeitig ist die Bremer Bankenlandschaft in Bewegung. Die Bremer Landesbank gehört inzwischen zur Nord LB, die stark von Hannover gesteuert wird und vermehrt Stellen abbaut. Die Sparkasse will ihren Sitz aus der Innenstadt in den Technologiepark an der Universität verlagern. Und das am Marktplatz ansässige  Bankhaus Neelmeyer hat im Jahr 2017 rund 80 Stellen abgebaut und vier Standorte geschlossen. Nur so habe man die übrigen 170 Stellen retten können, hieß es seitens der Bank. Gleichzeitig wurde Neelmeyer im März 2017 von der  Bremer Kreditbank übernommen. Diese gehört seit einigen Jahren einer Investorengruppe aus den USA.

"Die Banken denken das Regionalprinzip zu wenig."
Markus Westermann

„Durch die Übernahmen des Bankhauses Neelmeyer, der Oldenburger Landesbank und der Wüstenrot-Bank AG Pfandbriefbank ist mit der BKB eine regionale Bankengruppe entstanden, deren Fokus nicht mehr allein auf Bremen liegt“, sagt Gabriel. Welche Auswirkungen das auf die Beschäftigtenzahlen haben wird, bleibt abzuwarten.

„Die Banken denken das Regionalprinzip zu wenig“, sagt Markus Westermann, Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft Verdi. Durch Übernahmen und Fusionen werden die  Institute größer. Die Frage sei, welches Finanzinstitut die Bremer Kunden in Zukunft noch wirklich kenne. Zudem werde nicht mehr vom Kunden her gedacht, sondern die internen Strukturen stünden oft im Vordergrund. Die Niedrigzinsen und die Regulatoren werden seitens der Banken als Gründe vorgeschoben, um sich weiter vom Kunden zu entfernen.

Der Job verändert sich

Die Angestellten leben mit einer ganz neuen Verunsicherung. Ihr Job verändert sich rasant. So sind zum Beispiel die Beratungsbedarfe der Kunden mit den schwierigen Anlagezeiten komplexer geworden. „Beratungen dauern heute eher eineinhalb Stunden statt wie früher eine halbe Stunde und der Anspruch der Kunden ist gestiegen“, sagt ein Betriebsratsvorsitzender einer Bank in Bremen im Hintergrundgespräch  mit der Arbeitnehmerkammer. Gleichzeitig werden heute die wichtigsten Rahmeninformationen der Kunden nur noch in eine Computermaske eingegeben und ein Algorithmus spuckt am Ende das angeblich beste Ergebnis aus. „Die Beschäftigten können ihre Kompetenzen dadurch immer weniger zur Geltung bringen“, so der Betriebsrat.

Zudem wollen immer mehr Kunden die digitalen Angebote nutzen und ihre Bankgeschäfte mobil erledigen. Überweisungen werden inzwischen fast ausschließlich online getätigt. Selbst komplexere Bankgeschäfte wie Kreditgeschäfte oder der Handel mit Wertpapieren sind inzwischen mobil möglich.

„Diese neue Art der Arbeit – losgelöst vom Kunden und den eigenen Kompetenzen – macht etwas mit den Mitarbeitern der Branche“, sagt Gabriel. „Die neuen Arbeitsbedingungen führen oft zu Frust, vor allem, weil es keine richtige Vision davon gibt, wie es in Zukunft mit ihrem Beruf weitergehen wird.“ Hier sind die  Arbeitgeber gefordert, um die Bedingungen in der Branche attraktiv zu halten.

Unsere Geschäftsstellen

Bremen-Stadt

Bürgerstraße 1
28195 Bremen

Tel. +49.421.36301-0

Beratungszeiten
Bremen-Nord

Lindenstraße 8
28755 Bremen

Tel. +49.421.669500

Beratungszeiten
Bremerhaven

Barkhausenstraße 16
27568 Bremerhaven

Tel. +49.471.922350

Beratungszeiten

Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2017 Arbeitnehmerkammer Bremen