Richtig bewerben

Von Anschreiben bis Zeugnis: Darauf kommt es an

Der Weg zu einem neuen Job führt meist über eine Bewerbung. Worauf es dabei ankommt, verrät Bianca Sievert. Sie ist freiberufliche Laufbahn- und Karriereberaterin und arbeitet unter anderem als Trainerin am Career Center der Universität Bremen.

Text: Melanie Öhlenbach - Fotos: Kay Michalak

Die gute Nachricht vorweg: Die klassische Bewerbung ist nicht tot. Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate und Referenzen gehören in Deutschland immer noch zu den Bestandteilen einer Bewerbung. Allerdings hat sich die Form verändert. Bewerbungen werden heute nicht mehr ausschließlich per Post oder E-Mail verschickt. „Bei vielen großen Unternehmen kann man sich inzwischen nur noch über Bewerbungsportale bewerben – und die sind alle unterschiedlich aufgebaut“, sagt Bianca Sievert. Während es bei einigen genügt, Unterlagen hochzuladen und ein Motivationsschreiben zu verfassen, gilt es bei anderen kleine Tests zu absolvieren – zum Beispiel einem Chatbot in Echtzeit Fragen zu beantworten.

Alle Formate bedienen

„Die größte Herausforderung bei Bewerbungen ist es, alle Formate bedienen zu können.“ Das meint die Trainerin nicht nur in Bezug auf OnlineTools, bei denen im Hintergrund eine Software die Auswertung oder das Matching von Bewerber und Stelle vornimmt. Auch in den Personalabteilungen schätzt man Bewerbungen, die übersichtlich strukturiert und inhaltlich konkret auf die Stellenausschreibung eingehen. Und das in allen Teilen: So sollte ein Lebenslauf ohne Anschreiben funktionieren und umgekehrt. „Viele Personaler lesen oft nur noch quer, weil sie sich schnell ein Bild verschaffen müssen“, sagt Sievert. „Wenn sie merken, dass eine Bewerbung auch für zig andere Unternehmen geschrieben wurde, ist sie schnell aussortiert.“

„Bei vielen großen Unternehmen kann man sich inzwischen nur noch über Bewerbungsportale bewerben – und die sind alle unterschiedlich aufgebaut.“
Bianca Sievert

Für Bewerbungen gibt es also kein Patentrezept. Sie sind aber auch kein Hexenwerk. „Schildern Sie im Anschreiben, warum Sie für die Stelle geeignet sind. Gehen Sie auf Ihre Qualifikation, Ihre praktischen Erfahrungen und Ihre Motivation ein – und das am besten schlüssig, kurz und knapp“, empfiehlt die Trainerin. Abstrakte Begriffe wie Teamfähigkeit, Führungskompetenz und Flexibilität gilt es mit Leben zu füllen. Und das klappt am besten mit glaubwürdigen Beispielen. Diese müssen nicht zwingend aus dem Arbeitsumfeld stammen. „Wenn Sie durch ein Ehrenamt oder Hobby für die Stelle relevante Fähigkeiten mitbringen, schreiben Sie es auf.“

Und wie beginnt man mit dem Anschreiben?

„Am besten mit dem, was Sie besonders auszeichnet“, meint Sievert, sei es Qualifikation, Fähigkeit, Erfahrung oder Motivation. Auch für die Länge gibt es keine Vorschrift. Länger als eine Seite sollte es nicht sein, meint die Bewerbungsexpertin. Ihr Tipp: „Versetzen Sie sich in die Lage des Gegenübers: Wie viel würden Sie lesen wollen?“

Beim Lebenslauf ist es ratsam, sich auf maximal drei Seiten zu beschränken. Dazu gehören nach Ansicht der Trainerin neben den relevanten persönlichen Daten (siehe Kasten) beispielsweise Aus- und Weiterbildungen, Arbeitserfahrungen, Sprach- und EDV-Kenntnisse sowie Auslandsaufenthalte, zusätzliche Qualifikationen wie Führerschein, Hobby und Ehrenämter. Auch hier gilt: konkret werden. „Schreiben Sie in Stichworten auf, was Sie an der jeweiligen Station gemacht haben und was genau Ihre Tätigkeit und Kenntnisse umfasst“, empfiehlt Sievert.

Die größte Herausforderung bei Bewerbungen ist es, alle Formate bedienen zu können.“
Bianca Sievert

Damit der Lebenslauf übersichtlich bleibt, rät die Trainerin dazu, ihn tabellarisch in Clustern zu gliedern. Die Reihenfolge ergibt sich aus der Stellenausschreibung und den Kompetenzen, die man für die Stelle mitbringt. „Wenn die praktische Erfahrung am wichtigsten ist, kann der Lebenslauf damit starten“, sagte Sievert, „ist das Studium oder die Ausbildung zwingende Voraussetzung für die Stellenbesetzung, sollte dies das erste Cluster sein.“

Bei den Zeugnissen gilt es diejenigen auszuwählen, die zur Stellenausschreibung passen. Und sich auf die wichtigsten zu beschränken. „Zu Beginn der Karriere sind Ausbildungs-, Schul- und Universitätszeugnisse noch Pflicht“, sagt Sievert. „Je erfahrener sie sind, umso mehr kann man auf einzelne Zeugnisse verzichten.“ Neben Arbeitszeugnissen könnten Zertifikate von Weiterbildungen und persönliche Beurteilungen wichtiger werden. Ihr Tipp: Einen Kollegen oder eine Kollegin um ein Empfehlungsschreiben bitten, das relevante Fähigkeiten belegt, wenn man kein aktuelles Zeugnis hat.

Die Form

Aber nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form sollte bei einer Bewerbung stimmig sein. „Die Schrift muss gut lesbar, das Papier wertig und die Kopien ordentlich sein“, sagt Sievert. „Wenn Sie in Rechtschreibung und Grammatik unsicher sind, lassen Sie die Texte gegenlesen.“ Bei kreativen Ansätzen oder Farben rät sie zur Vorsicht: „Farben können ausgedruckt anders aussehen als auf dem Bildschirm, Zitate im Anschreiben unpassend und abgedroschen wirken.“

Verschickt man die Unterlagen als Pdf per E-Mail, sollte man grundsätzlich alle Unterlagen in einem Dokument zusammenfassen - inklusive Anschreiben. „Der Dateiname sollte aus Vor- und Nachnamen sowie Stellenausschreibung mit Kennziffern bestehen, damit sie in der Personalabteilung eindeutig zugeordnet werden kann“, sagt die Karriereberaterin. Insgesamt sollte die Datei nicht allzu groß sein. Ansonsten wird die E-Mail unter Umständen nicht zugestellt.

Fragen zum Bewerbungsschreiben – Antworten aus dem Arbeitsrecht

Wer übernimmt die Kosten für meine Bewerbung?

Die Kosten für alle Bewerbungsunterlagen wie Kopien, Foto und Führungszeugnis sowie die Portokosten tragen grundsätzlich Sie als Bewerber. Sind Sie arbeitslos, kann die Agentur für Arbeit Ihre Bewerbungskosten im Rahmen des Vermittlungsbudgets übernehmen. Das müssen Sie aber beantragen – und zwar bevor die Kosten entstehen.

Kann ich Bewerbungskosten steuerlich absetzen?

Werden die Kosten nicht von anderer Stelle übernommen, können Sie diese als Werbungskosten von der Steuer abziehen – auch wenn Sie am Ende nicht eingestellt werden. Dazu zählen übrigens auch die Reisekosten zum Bewerbungsgespräch.

Welche persönlichen Daten muss ich im Lebenslauf angeben?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, im Lebenslauf Vor- und Zuname sowie Daten anzugeben, über die der Arbeitgeber mit Ihnen in Kontakt treten kann: Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Geburtsdatum und Geburtsort ebenfalls.
Weitere persönliche Angaben sind nicht notwendig, können aber bei bestimmten Stellen sinnvoll sein: Religionszugehörigkeit und Familienstand können Sie beispielsweise angeben, wenn Sie sich bei einer kirchlichen Einrichtung bewerben. Auch ein Foto ist nicht zwingend notwendig. Immer mehr Arbeitgeber verzichten inzwischen ganz bewusst darauf, um Objektivität sicherzustellen.

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