Galerie der Arbeitswelt

Die Zweiradmechatronikerin

Zwischen Drahtesel und E-Bike

Vor gut zwei Jahren hat Kirsten Kempf ihre Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin abgeschlossen. Auch ihr Interesse an Ökologie hat sie dorthin gebracht.

Text: Frauke Janßen - Foto: Kay Michalak

Sich die Hände schmutzig zu machen, davor hat Kirsten Kempf keine Angst. Ganz im Gegenteil. „Nach dem Abitur wollte ich gern eine Ausbildung im handwerklichen Bereich machen“, sagt die 25-Jährige. Weil sie aber noch unentschlossen war, machte sie zunächst ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Verein Allgemeiner Deutscher Fahrradclub ADFC in Bremen. Der Zufall sorgte dafür, dass sie sich dort plötzlich im Handwerk wiederfand. „Der Verein hat zu dieser Zeit gerade eine Werkstatt in Form einer Tochtergesellschaft eröffnet – nach einem Praktikumstag bin ich direkt als Auszubildende mit eingestiegen“, erzählt Kirsten Kempf von ihrem beruflichen Werdegang.

E-Mobilität ist Teil der Arbeit

Weil es in der Werkstatt keinen Meister gab, konnte sie sich dort nur zwei Jahre lang als Monteurin ausbilden lassen. Die noch fehlenden anderthalb Jahre hat Kirsten Kempf bei Fahrrad Conrad in Bremen-Findorff angeschlossen. Seit Januar 2017 ist sie nun ausgebildete Zweiradmechatronikerin und arbeitet als Gesellin. Wie bei den KFZ-Mechatronikern ist Kempfs tägliche Arbeit inzwischen kein reiner MechanikerJob mehr. Denn auch bei den Fahrrädern sind Elektromobilität und computergestützte Antriebe angekommen. „Früher hatte man in der Berufsschule zwei Wochen ‚Metall‘ und eine Woche ‚Elektronik‘, heute ist es genau umgekehrt“, sagt Kempf. Es kommen inzwischen häufig Kunden mit ihren E-Bikes in die Werkstatt. Bisher machen Fahrradmechatroniker dann vielleicht mal ein Software-Update oder überprüfen Verkabelung und Akku. In Zukunft wird aber wie in der Autobranche die Verzahnung mit der Industrie zunehmen. „Bei manchen Herstellern muss man schon Schulungen machen, um die Software für Updates zu bekommen“, sagt Kirsten Kempf. Neuere E-Bike-Modelle lassen sich inzwischen sogar per Handy-App navigieren.

Bleiben werden dennoch viele Kunden, die weiterhin lieber rein mechanisch betriebene Räder fahren. Und die kommen vor allem im Frühling, um ihre Drahtesel wieder richtig zum Laufen zu bringen. Saisonbedingt hat Kirsten Kempf also viel zu tun: „Bremsen und Schaltungen nachstellen, Kleinigkeiten wie Pedale oder Griffe tauschen, ein bisschen Fetten und Ölen, sodass alles wieder geschmeidig läuft.“

Arbeit in der Werkstatt und Kundenberatung

Die Mechatronikerin arbeitet hauptsächlich hinten in der Werkstatt. Wenn viel los ist, muss sie auch vorne im Ladengeschäft mit einspringen, um Reparaturen anzunehmen oder Kunden zu beraten. Es ist also wichtig, Freude am Kundengespräch zu haben und sich mit neuen Produkten auseinandersetzen zu wollen. Dazu zählen beispielsweise Reifen mit elastischem Kunststoffanteil, die nicht mehr aufgepumpt werden müssen oder Zahnriemen statt Ketten als Antrieb. Auf die Frage, welche Voraussetzungen für ihren Beruf am wichtigsten sind, antwortet Kirsten Kempf: „Technisches Interesse und Neugierde.“ Ihr eigenes Fahrrad hat sie für eine längere Tour aufgerüstet. „Mal sehn, wo ich hinfahre – Hauptsache raus in die Natur!“

Die Zweiradmechatronikerin / Der Zweiradmechatroniker AKB003_IconInfo

Die duale Ausbildung zum Zweiradmechatroniker dauert dreieinhalb Jahre. Es gibt sie in den Fachrichtungen Fahrrad- und Motorradtechnik sowohl in Industrie und Handel als auch im Handwerk. Die Arbeitsmöglichkeiten sind vielfältig: Viele Betriebe suchen ausgebildete Fachkräfte.

 

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