Verliebt am Arbeitsplatz

Wie eine Beziehung in der realen Arbeitswelt gelingen kann - Tipps von Business-Knigge-Trainerin Inge Wolff

Ob „Verliebt in den Chef“ oder „Bridget Jones“: Liebe am Arbeitsplatz ist ein Stoff, aus dem Hollywood-Träume gemacht sind. Inge Wolff, Business-Knigge-Trainerin und Vorsitzende des Arbeitskreises Umgangsformen International, gibt Tipps, damit eine Beziehung in der realen Arbeitswelt für alle kein Albtraum wird.

Text: Melanie Öhlenbach
Foto: iStock/pixelfit

Dass das Zusammensein mit Verliebten nicht immer einfach ist, wusste schon Adolf Freiherr Knigge. „Mit Verliebten ist vernünftigerweise gar nicht umzugehen“, schrieb der oft als Vater der Benimmregeln Verkannte im Jahr 1788. Sie hätten nur Augen für sich, der Rest der Welt sei ihnen egal und auch sonst seien sie „selten bei gesunder Vernunft“.

Vor allem mit Blick auf das Arbeitsleben ist diese Empfehlung aus Sicht von Inge Wolff nicht mehr aktuell. „Heute kann frisch Verliebten im Job die damalige Großzügigkeit nicht mehr zugestanden werden. Schließlich haben alle anderen notgedrungen mit ihnen und sie mit dem Rest der Arbeitswelt umzugehen“, so die Business-KniggeTrainerin.

Doch welche Regeln gelten für Liebe am Arbeitsplatz? Liebesbeziehungen sind in manchen Firmen nicht unbedingt gern gesehen. Vor einigen Jahren versuchte Walmart sogar, seinen Angestellten in einer Verhaltensrichtlinie zu verbieten, miteinander anzubändeln. Das amerikanische Unternehmen scheiterte damit jedoch vor den deutschen Gerichten. Doch auch wenn Beziehungen gestattet sind, werden sie nicht immer unproblematisch sein. „Liebesbeziehungen können Unfrieden ins Team tragen, Auslöser für Eifersüchteleien oder Unterstellungen sein. Und sie bieten einen fruchtbaren Nährboden für unschönes Getratsche“, meint Inge Wolff.

Sie empfiehlt Verliebten und Paaren daher, sich genau zu überlegen, wie sie mit der Situation am besten umgehen wollen – sowohl mit Blick auf sich als auch mit Blick auf das berufliche Umfeld. „Eine sofortige Offenlegung beugt unter Umständen Klatsch und Tratsch vor. Sie kann aber auch zum Nachteil werden, etwa wenn die große Liebe nach kurzer Zeit vorbei ist.“ Gleichzeitig könne das Geheimhalten in kleinen Teams zu einer Zerreißprobe werden. „Sind die frisch Verliebten in verschiedenen Abteilungen tätig, kann das eher ohne allzu große Belastung klappen.“

Grundsätzlich rät die Business-Knigge-Trainerin davon ab, die Beziehung den anderen gegenüber groß zur Schau zu stellen: „Zärtlichkeiten oder gar Knutschereien sind vor den Augen anderer tabu, besonders vor der Kundschaft.“ Ob heimliche Küsse im Büro oder verstohlene Treffen in schummrigen Ecken angemessen seien, könnten nur die Verliebten aus ihrer Sicht selbst entscheiden.

Um den Zusammenhalt im Team nicht zu gefährden, empfiehlt Inge Wolff zudem, Privates und Berufliches während der Arbeitszeit nicht allzu sehr zu vermischen. Private Themen und Verabredungen sollten kurz und bündig abgehandelt werden – idealerweise unter vier Augen. Gleichzeitig gilt es, sich nicht zu viel vom Rest des Teams abzusondern und sich bisherigen gemeinsamen Freizeit- oder
Pausenaktivitäten nicht zu verschließen. Inge Wolff vergleicht Liebespaare in dieser Beziehung mit engen Freundschaften am Arbeitsplatz. Auch hierbei gelte es, die richtige Balance zu finden, sodass sich „auch alle anderen im Team genügend wertgeschätzt fühlen“.

Und was tun, wenn es Streit gibt oder es gar mit der Liebe aus und vorbei ist? Hier ist laut Inge Wolff ein professioneller Umgang mit der Situation Pflicht. „Sicherlich ist das Aus einer Liebesbeziehung eine schwierige Situation und jeder Mensch hat das Recht, darüber unglücklich zu sein. Doch dies gibt mir nicht das Recht, meine schlechte Laune am Team oder gar an der Kundschaft auszulassen“, so die Trainerin. Persönliche Gefühle am Arbeitsplatz in den Griff zu bekommen, ist die Devise – auch wenn dies unter Umständen eine riesige Portion Selbstdisziplin erfordert. Wolffs Tipp, auch für andere Situationen: offen vorab mitteilen, wenn man einen schlechten Tag hat. „Gerade in kleinen Teams ist eine solche Warnung sehr hilfreich. Sonst kann schnell das Gefühl aufkommen, dass andere aus der Arbeitsgemeinschaft den Unmut auslösen.“

"Liebe allein darf kein Grund sein" - Antworten aus dem Arbeitsrecht von Karin Wosgien (Rechtsberaterin bei der Arbeitnehmerkammer Bremen) AKB003_IconInfo

Darf ein Arbeitgeber Auskunft über mein Liebesleben verlangen?

Nein, solche Fragen verstoßen gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Das Liebesleben ist Privatsache.

 

Muss ich eine Beziehung im Betrieb öffentlich machen?

Das sollte man gut abwägen. Diskretion ist das oberste Gebot. Um sich vor Lästereien oder sozialer Ausgrenzung zu schützen, kann es aber geboten sein, eine Beziehung kurz und sachlich mitzuteilen. So kann man vorbeugen, Anlass für andauerndes Getuschel und Gerede in der Belegschaft zu werden. Auch wenn die Beziehung erst im Nachhinein herauskommt, könnte das Vertrauen zu Kollegen oder Vorgesetzten beschädigt werden. Daher sollte man sich genau überlegen, wie diskret man vorgehen möchte. Solange sich ein Paar seriös benimmt, bleibt es in jedem Fall auch arbeitsrechtlich geschützt.

 

Inwiefern können Arbeitgeber Liebesbeziehungen zu Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten verbieten?

Die Beziehung an sich darf nicht verboten werden. Der Arbeitgeber kann aber einschreiten, wenn sie sich nachweislich negativ auf die Arbeitsleistung oder den Betriebsfrieden auswirkt, etwa weil man sein Liebesglück offen zur Schau stellt und dadurch andere unangenehm berührt oder durch eine E-Mail-Flut den Betriebsablauf stört. Idealerweise sucht der Vorgesetzte zunächst das Gespräch. Hat dies keinen
Erfolg, kann er die Liebenden trennen und sie an andere gleichwertige Arbeitsplätze versetzen. Im schlimmsten Fall folgt eine Abmahnung oder sogar eine betriebsbedingte Kündigung. Liebe allein darf dafür aber kein Grund sein. Der Arbeitgeber darf immer nur aus betrieblichem Interesse handeln.

 

Kann ich mich versetzen lassen, wenn die Beziehung unschön zu Ende gegangen ist?

Einen Anspruch auf eine Versetzung gibt es nicht. Ein verständiger Arbeitgeber würde aus Rücksichtnahme eine Versetzung auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz mit gleicher Tätigkeit ermöglichen.

Unsere Geschäftsstellen

Bremen-Stadt

Bürgerstraße 1
28195 Bremen

Tel. +49.421.36301-0

Beratungszeiten
Bremen-Nord

Lindenstraße 8
28755 Bremen

Tel. +49.421.669500

Beratungszeiten
Bremerhaven

Barkhausenstraße 16
27568 Bremerhaven

Tel. +49.471.922350

Beratungszeiten

Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2021 Arbeitnehmerkammer Bremen