Galerie der Arbeitswelt

Die Höraktustikerin Jessica Oetjen wartet Hörgeräte und designt maßgefertigte Hörhilfen. Ein Porträt.

Ganz Ohr

Als Hörakustikerin verhilft Jessica Oetjen Menschen zu einem besseren Gehör. Jedes Gerät passt sie dafür individuell an die persönliche Lebenswelt an – und fertigt dafür sogar Einzelstücke.

Text: Melanie Öhlenbach - Foto: Kay Michalak

"Test eins-zwei-drei, Schüsssssel.“ Leise spricht Jessica Oetjen in das kleine, tropfenförmige Gerät in ihrer Hand. Per Schlauch ist es mit einem Stethosclip verbunden, über das die Laute wieder in ihrem Ohr ankommen – im Idealfall ohne Verzerrungen. „Test eins-zwei-drei. Schüssel.“

Jessica Oetjen ist Hörakustikerin. Die Wartung von Hörgeräten gehört zu ihrem beruflichen Alltag: schwächelnde Knopfbatterien auswechseln, winzige Mikrofoneingänge und Batteriekontakte mit dem Minisauger reinigen, Kabelbrüche reparieren.

Ihren Arbeitsplatz bei Hörwelten in Bremen-Horn fand die 34-Jährige über einen Umweg. Schon während ihres Studiums der Gesundheitswissenschaften habe sie zwar festgestellt, dass sie lieber etwas Konkretes, Handfestes machen wolle, erzählt sie. Auf Hörakustik habe sie schließlich erst ein Bekannter gebracht, der sich selbst für den Beruf interessierte. „Ich wusste damals gar nicht, dass es so etwas gibt.“

Tatsächlich ist Hörakustiker ein recht junger Handwerksberuf, da sich die Technik erst im 20. Jahrhundert entwickelte: Das klassische Hörrohr aus Horn wurde zunächst abgelöst von Walkman-ähnlichen Hörhilfen mit Kopfhörern. In den 1960er-Jahren kamen schließlich die ersten Hinter-dem-Ohr-Geräte auf. Heute gibt es diese digital und auf Wunsch in bunten Farben – passend zu Haar oder Brille.

Bei der Suche nach der optimalen Hörhilfe sind Äußerlichkeiten zunächst jedoch nebensächlich. Vielmehr wollen Hörakustiker wie Jessica Oetjen das Gerät finden, das zum Menschen und seinen Bedürfnissen passt. Alter und Lebensumfeld, Beruf und Freizeitgestaltung spielen dabei ebenso eine Rolle wie die individuelle Anatomie des Ohres sowie Art und Schweregrad des Hörverlustes, der über Tests festgestellt wird. „Nicht jedes Hörgerät passt in jedes Ohr und zu jeder Situation“, sagt die Fachfrau.

Maßgefertigte Ohrpassstücke für die Hörhilfen, die im Ohr getragen werden, designt die 34-Jährige selbst, damit sie genau passen. Dafür nimmt sie Abformungen von den Gehörgängen, scannt diese ein und gestaltet diese sogenannten Otoplastiken am Computer, die im 3-D-Verfahren gedruckt werden. Anschließend wird – je nach Bauform des Hörgerätes – ein Schlauch in die Otoplastik eingezogen oder ein Hörer mit Kabel verbaut. „Im Bedarfsfall kann ich dann noch mit einer Fräse nacharbeiten“, erklärt sie.

Trotz aller technischen Neuerungen empfindet die Hörakustikerin ihren Beruf nicht immer als einfach. „Wir verkaufen den Menschen etwas, was sie oft gar nicht haben wollen“, sagt sie. „Dabei kann ein Hörgerät die Lebensqualität verbessern.“

Bereut hat die 34-Jährige ihre Jobentscheidung nicht. Denn gerade die abwechslungsreichen Tätigkeiten gefallen ihr an ihrem Beruf. Und auch die Perspektiven sind nicht schlecht. Fachkräfte sind begehrt: „Hörakustikerin ist ein Job mit Zukunft. Wenn man gut ist, kann man sich seinen Arbeitgeber aussuchen.“

Der Hörakustiker / Die Hörakustikerin AKB003_IconInfo

Die Ausbildung zum Hörakustiker dauert in der Regel drei Jahre. Voraussetzung dafür ist ein Schulabschluss mit mindestens mittlerer Reife. Im Anschluss sind neben dem Meister oder einem Studium auch Spezialisierungen möglich, zum Beispiel zum Pädakustiker für Kinder.

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