Im Vorstellungsgespräch überzeugen

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Wer eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommt, ist dem neuen Job schon ein ganzes Stück näher. Jetzt sollte der Termin telefonisch kurz bestätigt werden, sagt Angela Schütte, die als freiberufliche Karriereberaterin unter anderem für das Career Center der Universität Bremen tätig ist. Dann heißt es, sich intensiv auf den ersten persönlichen Kontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber vorzubereiten.

Text: Anne-Katrin Wehrmann - Foto: Jonas Ginter

Bewerberinnen oder Bewerber sollten positiv von sich erzählen können und die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten überzeugend darstellen, betont Schütte und ergänzt: „Wer seinem Gegenüber nicht in die Augen schaut, keine offene Haltung einnimmt und mit einer negativen Grundstimmung in das Gespräch geht, hat schlechte Karten“.

Ein weiteres No-Go sei es, keine eigenen Fragen vorbereitet zu haben, sagt die Trainerin: Denn wer fragt, signalisiert Interesse und zeigt, dass er sich über den Betrieb informiert hat.

„Erzählen Sie uns doch einmal etwas über sich“ oder „Nennen Sie uns drei Stärken und drei Schwächen“ – Aufforderungen wie diese gehören zu den Klassikern, mit denen in jedem Vorstellungsgespräch zu rechnen ist. „Wer im Vorfeld eine ehrliche Selbsteinschätzung vorgenommen hat, muss sich vor solchen Fragen nicht fürchten“, macht Angela Schütte deutlich. So lasse sich eine vermeintliche Schwäche wie Emotionalität in der Gesprächsführung auch positiv deuten – zum Beispiel als Leidenschaft für den Beruf.

„Es ist wichtig, spannend zu erzählen und Emotionen zu wecken.“
Angela Schütte

Hilfreich sei es, die Selbstdarstellung vor Freunden oder der Familie zu üben, um sicherer zu werden. Dabei gehe es nicht darum, einfach nur den Lebenslauf herunterzubeten – der sei den Gesprächspartnern schließlich schon aus der Bewerbung bekannt. „Viel wichtiger ist es, spannend zu erzählen und Emotionen zu wecken“, sagt Schütte. „Die Unternehmensvertreter interessiert, wie Sie mit Ihrem Wissen umgehen, was es Ihnen bedeutet und wie Sie Ihre Persönlichkeit durch Wissen und Erfahrung weiterentwickeln konnten.“

Der erste Eindruck zählt

Ist der entscheidende Tag gekommen, lautet der erste Punkt auf der Prioritätenliste: pünktlich sein, und zwar lieber fünf Minuten zu früh als eine Minute zu spät. Die Kleidung sollte dem Anlass entsprechend sein. Hier kann Business-Look die richtige Wahl sein – für Männer dunkler Anzug mit dezentem Hemd und Krawatte, für Frauen dunkler Hosenanzug oder Kostüm. Je nach Tätigkeit können auch zwanglosere Varianten passen. „Wichtig ist vor allem, dass Sie sich in Ihrer Kleidung wohlfühlen und sich frei bewegen können“, erläutert Schütte.

Da sich der erste Eindruck nicht revidieren lässt und hier die Körpersprache mehr ins Gewicht fällt als der Gesprächsinhalt, ist es umso wichtiger, dem Gegenüber offen und mit einem aufrichtigen Lächeln ins Gesicht zu schauen. Laut Knigge reicht der Ranghöhere zuerst die Hand, weswegen an dieser Stelle eine abwartende Haltung die beste Option ist. Als hilfreiche Werkzeuge für die nötige Gelassenheit während des Gesprächs empfiehlt Schütte vorab Entspannungstechniken wie wiederholtes langsames Ein- und Ausatmen.

Auf Stressfragen gut kontern

Um ihre potenziellen neuen Mitarbeiter möglichst gut einschätzen zu können, stellen Arbeitgeber gerne auch Stressfragen. Wer darauf nicht sofort eine kluge Antwort parat habe, könne sich durch Gegenfragen wie „Habe ich Sie richtig verstanden, dass ...“ etwas Luft verschaffen, meint Angela Schütte. Kommen dagegen Fragen auf den Tisch, die der Arbeitgeber gar nicht stellen darf (siehe Infokasten), sind auch wahrheitswidrige Antworten erlaubt. Ist es schließlich geschafft, bleibt nur noch eins zu tun: sich für das Gespräch zu bedanken und höflich nachzufragen, bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist. Dazu ein letzter Tipp der Karriereberaterin: „Wenn der vereinbarte Termin überschritten ist, sollten Sie auf jeden Fall Eigeninitiative zeigen und nachhaken.“

Fragen zum Vorstellungsgespräch – Antworten aus dem Arbeitsrecht

Darf der Arbeitgeber im Internet und den SocialMedia-Kanälen über mich recherchieren und diese Informationen verwenden?

Der Arbeitgeber kann grundsätzlich allgemein zugängliche Daten über Sie sammeln – auch in berufsorientierten Netzwerken wie XING oder LinkedIn –, wenn dies nicht dem Persönlichkeitsrecht entgegensteht. Anders sieht es bei freizeitorientierten, sozialen Netzwerken wie Facebook aus: nicht öffentliche Daten wie Fotos sind hier tabu.

Welche Fragen darf der Arbeitgeber mir im Vorstellungsgespräch nicht stellen?

Beim Einstellungsgespräch dürfen nur Fragen gestellt werden, bei denen im Hinblick auf Tätigkeit und Arbeitsplatz ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers besteht. Dies findet seine Grenzen im allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. So darf der Arbeitgeber Sie nicht fragen, ob Sie Mitglied einer Gewerkschaft oder einer Partei sind oder welcher Religion Sie angehören. Die Frage nach einer Schwerbehinderung ist zumindest in den ersten sechs Monaten unzulässig. Auch eine bestehende Schwangerschaft müssen Sie nicht angeben. Unzulässige Fragen dürfen Sie wahrheitswidrig beantworten. Ausnahme: Umstände, die die berufliche Eignung entscheidend berühren oder es unmöglich machen, die vertragliche Verpflichtung zu erfüllen, müssen Sie offenbaren, also selbstständig mitteilen.

Aus welchen Gründen kann der Arbeitgeber meine Bewerbung ablehnen?

Bei Unternehmen und Betrieben gilt grundsätzlich Vertragsfreiheit. Das heißt: Ein Arbeitgeber darf frei entscheiden, mit wem er ein Arbeitsverhältnis eingehen möchte. Er darf Sie jedoch nicht wegen Ihrer ethnischen Herkunft, Ihres Geschlechts, Ihrer Religion oder Weltanschauung, Ihrer Behinderung, Ihres Alters oder Ihrer sexuellen Identität benachteiligen. Einen Anspruch auf einen Arbeitsvertrag können Sie daraus aber auch nicht herleiten. Ausnahme: Im öffentlichen Dienst muss der Arbeitgeber den am besten geeigneten Kandidaten auswählen und dies auch begründen können. Andernfalls können Sie klagen.

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