Strukturwandel in Bremen

Der Strukturwandel im Land Bremen wurde durch die Schiffbaukrise eingeleitet. Aber auch durch den Rückgang der Fischerei sowie der Tabak-, Kaffee- und Wollverarbeitung gingen in der Industrie Arbeitsplätze verloren.

Gleichzeitig haben die Dienstleistungen an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile arbeiten fast 80 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Dienstleistungsbranchen und sie erbringen 75 Prozent der Wertschöpfung im Land. Zum Vergleich: In den 1970er Jahren erbrachten 60 Prozent der Beschäftigten in der Dienstleistungsbranche 60 Prozent der Wertschöpfung.

Die Gründe und Trends, die den Strukturwandel prägen, sind unterschiedlich. Steigt einerseits der Automatisierungsgrad besonders in den Industriebetrieben, werden gleichzeitig mehr Aufgaben – auch aus der Produktion – ins Ausland oder an Zulieferer verlagert. Weitere Faktoren sind eine alternde Gesellschaft, die zunehmende Frauenerwerbstätigkeit oder ein veränderter Konsum. All diese Entwicklungen tragen dazu bei, das beispielsweise Kinderbetreuung, Pflegedienste, Kurzreisen, Festivals oder Apps fürs Smartphone immer stärker nachgefragt werden. 

Beschäftigungswachstum: Ja! Aber…

Die Folgen dieser Entwicklung sieht man am Arbeitsmarkt: wenn in den vergangenen Jahren Beschäftigung aufgebaut wurde, dann in den Dienstleistungsbranchen. Allein seit 2008 sind im Land Bremen - trotz der Weltwirtschaftskrise - knapp 35.000 Stellen entstanden, ein Plus von über 16 Prozent. 

Allerdings hat dieser Boom auch Schattenseiten. In der Dienstleistungsbranche gibt es mehr Teilzeitstellen und Minijobs aber weniger Tarifbindung und Mitbestimmung. (siehe: Gute Arbeit). Pauschale Aussagen über gute und schlechte Arbeitsbedingungen lassen sich hier jedoch nicht treffen. Während in wissensintensiven Branchen – Forschung, Entwicklung und Beratung zum Beispiel – gute Voraussetzungen für gute Arbeit (Stichwort hohe Löhne und "Fachkräftepflege") bestehen, herrschen im Einzelhandel oder im Gesundheits- und Sozialbereich häufig  schlechte Rahmenbedingungen. Auch bei den Löhnen zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Branchen wie das Bankengewerbe, IT-Dienstleister, Ingenieurbüros oder Unternehmensberatungen haben hohe Löhne, mitunter höher als die der Industriebeschäftigten. Ein Großteil der Dienstleister verdient jedoch unterdurchschnittlich. Einzelhandel, Leiharbeit und Gastgewerbe liegen am unteren Ende der Skala. 

Der Strukturwandel begünstigt diese negative Entwicklung. Die Industriebetriebe haben einen hohen Anteil an betrieblicher Mitbestimmung, Tarifbindung und Vollzeitstellen. Wenn nun der Anteil an Beschäftigten in der Industrie sinkt, der Anteil der weniger geschützten Dienstleistungsstellen wiederum steigt, verschlechtert sich das Schutzniveau der Beschäftigten. Auch weichen mittlerweile viele Industriebetriebe ihre höheren Standards durch Leiharbeit und Outsourcing auf.

Wissensintensive Dienstleistungen

Bemerkenswert ist die Vielfalt der Dienstleistungen. Neben dem niedrig qualifizierten Dienstleister, der das Bild in der Öffentlichkeit geprägt hat, reicht die Bandbreite vom international agierenden Logistiker oder Unternehmensberater hin zum Sozialarbeiter mit akademischem Abschluss oder den Softwareentwickler, der in komplexe Produktionsprozesse eingebunden ist. In vielen Branchen sind die Anforderungen hoch und die Aufgabenprofile immer komplexer geworden. Damit ist auch der Wissensanspruch an die Beschäftigten gestiegen. Während in der klassischen Produktion in hohem Maße technische Geräte und Maschinen eingesetzt werden, steht bei den Dienstleistungen der Mitarbeiter und sein Wissen viel stärker im Fokus. Daher sind Qualifikation und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Unternehmens.

Zukunftsfähige Industrie 

Auch wenn die Beschäftigungszahlen rückläufig sind, stellen die Betriebe und Unternehmen der Industrie weiterhin einen wesentlichen Teil der Arbeitsplätze im Land Bremen. Hier arbeiten 54.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, das ist jeder sechste Arbeitsplatz im Land.

Mit meist guten Arbeitsbedingungen und einem hohen Grad an Mitbestimmung steht die Industrie für Gute Arbeit in Bremen. Doch gerade in der letzten Zeit war der Standort Bremen Rückschlägen ausgesetzt. Sowohl in der Lebensmittelproduktion, der Windenergie als auch in der Stahlbranche haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert. Hier gilt es gegenzusteuern und die hiesige Industrie zukunftsfähig aufzustellen. Insgesamt bietet Bremen als Stadtstaat mit seinen Universitäten und Forschungseinrichtungen vor dem Hintergrund der Digitalisierung gute Chancen. Dies ist auch deshalb wichtig, weil Forschung und Entwicklung gegenüber der Produktion immer mehr an an Bedeutung gewinnen. Dennoch hat Bremen im Vergleich mit anderen Großstädten einen hohen Anteil an Industrieunternehmen: Dieser Vorsprung muss genutzt werden, etwa durch eine noch stärkere Anbindung an Forschungseinrichtungen, beispielsweise in den Bereichen Informationstechnik, Elektroenergie, Robotik und Produktionssteuerung. Das Projekt EcoMatT (Center for Eco-efficient Materials and Technologies), in dem Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam forschen und entwickeln sollen,  ist ein positives Beispiel für regionale Wirtschaftspolitik. Ähnliche Projekte gilt es auch in anderen Branchen umzusetzen.

Forderungen

Aus der Studie über den Strukturwandel in Bremen lassen sich wirtschafts- und beschäftigungspolitische Maßnahmen ableiten:

  • Masterplan Dienstleistungen
    Neben dem bereits existierenden Masterplan Industrie ist auch ein Masterplan Dienstleistungen notwendig. Die aktuellen Netzwerke der Wirtschaftsförderung sind stark auf die Industrie ausgerichtet und erreichen viele der Dienstleistungsbranchen nur eingeschränkt. Die Wirtschaftsförderung sollte sich stärker auf die Dienstleistungsbranche  ausrichten und Wachstumsbranchen direkt unterstützen. 
  • Monitoring der Arbeitsverhältnisse
    Die starke Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse und übermäßige prekäre Beschäftigung muss konsequent beobachtet werden, damit auf politischer Ebene entsprechend gegengesteuert werden kann. Die Wirtschaftspolitik muss sich an der Förderung "guter" Arbeitsplätze orientieren.
  • Branchendialoge
    Die Landesregierung sollte gemeinsam mit Arbeitnehmer- und Wirtschaftsvertretern besonders betroffener Branchen versuchen, Lösungen für bessere Arbeitsbedingungen zu finden. Hier muss ein von der Politik gesteuerter Dialog eingeführt werden. Drängende Themen wären dabei etwa die Umwandlung von prekären Arbeitsverhältnissen in existenzsichernde Beschäftigungsformen oder eine Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen.
  • Gute Arbeit und Qualifizierung
    Der Faktor Wissen gewinnt in allen Branchen an Bedeutung. Um die Arbeitsmarktchancen der Beschäftigten zu erhalten und den Fachkräftebedarf der Wirtschaft zu sichern, muss es ein Konzept zur Bildung und Weiterbildung geben.

 

 

 

KontaktAKB003_Icon-Kontakt

Dr. Marion Salot
Referentin für für regionale Strukturpolitik

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  • Gute Arbeit und der Strukturwandel in der Arbeitswelt

    Strukturwandel in Bremen
    Befunde und Herausforderungen
    August 2015

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