Luft- und Raumfahrtindustrie - Unterschiedliche Entwicklungstendenzen in einer Bremer Boombranche

Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist eine hoch technisierte Branche, die sich mit der Entwicklung, Herstellung sowie Reparatur und Instandhaltung unterschiedlicher Flugkörper befasst. Am Standort Bremen verzeichnete sie zwischen 2011 und 2018 einen enormen Beschäftigungszuwachs von circa 25 Prozent. Auftragsflauten in der Rüstung- und Raumfahrtsparte von ‚Airbus‘ führten zu Beginn des Jahres 2020 allerdings zur Planung von Stellenstreichungen, die Corona-Krise dann sogar zur temporären Stilllegung der Produktion. Der Raumfahrtkonzern OHB erwartet hingegen eine Welle von Auftragseingängen.

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Über 6.300 Menschen sind laut einer IG-Metall-Befragung sowie eigener Recherchen in der Luft- und Raumfahrtindustrie beschäftigt. Im Bundesländervergleich ist Bremen in puncto Beschäftigte hinter Hamburg Spitze und rangiert deutlich vor Bayern, Brandenburg oder Niedersachsen. Die hohe Qualifikation der in der Branche beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wirkt sich positiv auf die Entlohnung aus, allerdings ist dies kein Indiz für sichere Beschäftigung. Die Leiharbeitsquote ist in der Luft- und Raumfahrtindustrie mit 11,8 Prozent im Land Bremen hoch, die Erwerbsbeteiligung von Frauen niedrig (18,1 Prozent, verglichen mit einem Frauenanteil von 43,9 Prozent an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten).

Die Branche ist ein Innovationstreiber. Als Luft- und Raumfahrtstandort mit Betrieben wie Airbus, OHB oder ArianeGroup profitiert das Land Bremen von hiesigen Studienangeboten und Forschungseinrichtungen, wie dem Center for Eco-efficient Materials & Technologies (ECOMAT). Letztgenanntes bündelt vorhandenes Know-how in den Bereichen Leichtbau und Oberflächentechnologie als Kernkompetenzen für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Signifikant ist die räumlich auf die Airport-Stadt konzentrierte Mixtur aus renommierten Industrieunternehmen, Hochschul- und Forschungsinfrastrukturen. Die Branche stellt einen wichtigen Stützpfeiler der Industrie sowie als eines von drei bremischen Innovationsclustern zugleich ein wirtschaftsstrukturelles Merkmal mit überregionaler Strahlkraft dar.

Aufgrund ausbleibender Folgeaufträge in den Bereichen militärische Luftfahrt (u.a bedingt durch qualitative Mängel beim Typus A400M und den Exportstopp nach Saudi-Arabien) sowie Raumfahrt kündigte Airbus Defence and Space bereits im Februar 2020 an, etwa 300 der insgesamt 1.500 Stellen in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte am Standort Bremen streichen zu wollen – nach den Ankündigungen des Konzerns im Dezember 2019 keine völlig überraschende, vor dem Hintergrund des jahrelangen Booms aber zumindest eine für den Luft- und Raumfahrtstandort Bremen unübliche Entwicklung. Mit Einsetzen der Corona-Krise kam es bei Airbus ab Ende März 2020 erst zur Reduzierung der Arbeitszeit, später zur Unterbrechung von Produktions- und Montagearbeiten in der Zivilflugsparte.

Während die Coronakrise die Luftfahrt sowie Teile der Raumfahrt vor massive Probleme stellt, sieht der Bremer Satellitenbauer OHB seine Geschäfte nicht signifikant belastet. Im Gegenteil: Es wird erwartet, dass die Verfügbarkeit von Daten sowie die Telekommunikation eine noch höhere Bedeutung bekommen werden, nachdem Betriebe und ihre Beschäftigten Erfahrungen mit der Arbeit im Homeoffice gemacht haben. Gleiches gilt für die Optimierung von Mobilität mittels Navigation. Für die Zeit bis zum Jahr 2025 wird trotz aktueller Krise eine deutliche Steigerung des Umsatzes prognostiziert.

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  • Luft- und Raumfahrtindustrie

    KammerKompakt (Dezember 2019)

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  • Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Bremen

    Artikel aus der Broschüre "Strukturwandel in Bremen Band II – Branchenanalysen zur Automobilindustrie,
    dem Gastgewerbe, der Luft- und Raumfahrtindustrie und den Finanzdienstleistungen" (Mai 2018)

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  • Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Bremen

    Ausgewählte Ergebnisse der Branchenstudie im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen
    (Präsentation von Thorsten Ludwig vom 09.02.2017)

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