Mittelschicht schrumpft dramatisch

Haushaltseinkommen im Land Bremen

Bremens Mittelschicht schrumpft dramatisch. Das zeigt die Studie "Entwicklung der Haushaltseinkommen im Land Bremen" der Arbeitnehmerkammer von August 2015. Zwischen 2000 und 2012 sank die Zahl der Mittelschicht-Haushalte von 64 auf 50 Prozent – damit gehört inzwischen nur noch die Hälfte der bremischen Haushalte zur Mittelschicht.

"Armut und sozialer Abstieg sind inzwischen keine Randphänomene mehr, die nur wenige betreffen", mahnte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, bei der Vorstellung der Studie. Wenn immer mehr Menschen in einkommensschwache und arme Schichten abrutschten, werde der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft gefährdet.

Zur Mittelschicht zählen laut Studie Haushalte, deren verfügbares Einkommen zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Bremer Einkommens liegt. Bei einer vierköpfigen Familie sind das zwischen 2.100 und 4.515 Euro monatlich, bei einem Single zwischen 1.003 und 2.150 Euro. Zum verfügbaren Haushaltseinkommen gehören neben dem Nettolohn unter anderem Einkünfte aus Kapitalerträgen und Vermietung sowie Renten, Unterhalts- und staatliche Transferzahlungen. Anders als im Bundesdurchschnitt bricht im Land Bremen die Mittelschicht vor allem nach unten weg. Die einkommensstarken und reichen Schichten bleiben fast auf gleichem Niveau, während die einkommensschwachen und armutsgefährdeten Schichten deutlich wachsen.

Die schwierige Entwicklung auf dem Bremer Arbeitsmarkt trägt deutlich zum Schrumpfen der Mittelschicht bei. Zwar ist zwischen 2000 und 2012 die Arbeitslosenquote im Land Bremen von rund 13 auf 11 Prozent zurückgegangen, im Bund ist sie jedoch nach wie vor deutlich geringer. Zudem gingen im selben Zeitraum die Vollzeitstellen zurück, während die Zahl der Teilzeitstellen deutlich anstieg. Dabei zeigt die Studie, dass insbesondere Vollzeitarbeit vor Einkommenseinbußen schützt. "Wer Vollzeit arbeitet, erhält überwiegend einen höheren Stundenlohn als Teilzeitbeschäftigte und hat bessere Aufstiegschancen im Beruf", betonte Schierenbeck.

Familien rutschen zunehmend aus der Mittelschicht

Kinderlose Paarhaushalte finden sich am häufigsten bei den Wohlhabenden oder Reichen. In den Gruppen der Alleinerziehenden und der Paare mit Kindern ist die Mittelschicht dagegen besonders deutlich abgeschmolzen. Waren im Jahr 2000 noch 67 Prozent der Paare mit Kindern der Mittelschicht zuzurechnen, so sind es im Jahr 2012 noch 54 Prozent. Die politischen Erwartungen der vergangenen zehn Jahre, durch verbesserte finanzielle Familienleistungen gerade Haushalte mit Kindern zu stabilisieren, haben sich damit leider nicht erfüllt. Vor allem Frauen müssten in ihrem Wunsch nach einer Erhöhung der Arbeitszeit unterstützt werden. Immerhin lebt mittlerweile ein Drittel aller Bremerinnen und Bremer in einem Haushalt mit einer weiblichen Haupteinkommensbezieherin. Das heißt, Frauen müssen heute viel häufiger  als früher für den Unterhalt sorgen. 

Das Abdriften der Mittelschicht ist neben der Ausweitung der Teilzeitstellen nicht zuletzt eine Folge zunehmender Niedriglohnbeschäftigung und oft einer Kombination von beidem. Um das große Ungleichgewicht bei den Einkommen in den Griff zu bekommen, muss die Tarifbindung wieder gestärkt werden. "Und wenn Unternehmen dennoch und zunehmend aus der Tarifbindung aussteigen, müssen wir die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit, die eine ganze Branche an den Branchentarif bindet, weiter erleichtern", so Schierenbeck.

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  • Entwicklung der Haushaltseinkommen im Land Bremen

    Studie, August 2015

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  • Haushaltseinkommen im Land Bremen

    Zusammenfassung der Studie von August 2015

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