Gute Arbeit im Land Bremen

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland befindet sich gegenwärtig auf einem Rekordhoch. Dennoch gerät die Qualität von Arbeit unter Druck: Das reguläre Arbeitsverhältnis verliert gegenüber Beschäftigungsformen wie Minijobs und Leiharbeit immer mehr an Bedeutung.

Was ist "Gute Arbeit"? Fragt man Beschäftigte nach guten Arbeitsbedingungen, nennen sie ein gutes Einkommen, die Sicherheit des Arbeitsplatzes, eine sinnvolle Arbeit und die Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte. Kriterien wie Einkommen, körperliche und emotionale Belastung, Arbeitsplatzsicherheit, Führungskultur, betriebliches Arbeitsklima und Aufstiegs- und Qualifizierungsmöglichkeiten können unter dem Begriff "Gute Arbeit" zusammengefasst werden.  

"Gute Arbeit" wird auch für Arbeitgeber – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels – immer wichtiger: Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind leichter zu halten. Und je bedeutsamer Wissen und Motivation für den Geschäftserfolg sind, desto wichtiger werden qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. 

Vollzeit, Teilzeit, Minijob – Beschäftigungsentwicklung im Land Bremen

Wie in Deutschland insgesamt verzeichnet auch das Land Bremen seit 2005 einen Beschäftigungszuwachs. Insgesamt hat die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um fast 40.000 auf 311.000 zugenommen. Das entspricht einem Beschäftigungsanstieg von 15 Prozent. Bei drei Viertel dieser neu geschaffenen Jobs handelt es sich jedoch um Teilzeitstellen. Vollzeit-Arbeitsplätze sind nur um fünf Prozent angestiegen. Gleichzeitig sind 7.300 Minijobs und mehr als 8.600 Leiharbeitsverhältnisse entstanden. Mittlerweile sind fast 15.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Leiharbeitsbranche zuzuordnen. Das sind 4,6 aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – im Bundesländervergleich der höchste,  im Städtevergleich der zweithöchste Wert in Deutschland.  

Wegen der sinkenden Tarifbindung geraten auch die Löhne zunehmend unter Druck: Während Ende der 1990er Jahre in Westdeutschland noch fast 80 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben tätig waren, sind es 2015 nur noch 59 Prozent. In Ostdeutschland ist es mittlerweile nicht einmal mehr jeder zweite Beschäftigte. 

Gleichzeitig steigt bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Arbeitsbelastung. Die Forderungen nach ständiger Erreichbarkeit führen dazu, dass die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem verschwimmen. Alleine 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leisten sogar Arbeit auf Abruf. Diese Entwicklung führt zu einer steigenden Zahl an Burn-Out-Diagnosen und Fällen psychischer Überlastung. Trotz guter Löhne in verschiedenen Branchen verschlechtern sich so die Arbeitsbedingungen. Dennoch stellen Arbeitgeberverbände das Arbeitszeitgesetzes infrage und fordern eine wöchentliche Höchstarbeitszeit: Ihrer Meinung nach wird der klassische 8-Stunden-Tag der beruflichen Realität nicht länger gerecht.

Alle Branchen brauchen Fachkräfte 

Nicht nur bei Ingenieuren und Programmierern herrscht ein Mangel an Fachkräften, sondern vor allem auch in Bereichen, in denen niedrige Löhne auf eine hohe Arbeitsbelastung und mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten treffen. Das gilt zum Beispielfür die Lagerwirtschaft oder die Berufskraftfahrer. Aber auch im Einzelhandel wird es immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. 

Auf der anderen Seite sind im Land Bremen auch Branchen angesiedelt, in denen gute Arbeitsbedingungen vorherrschen und faire Löhne gezahlt werden. In der Regel sind das Branchen, die einen hohen Organisationsgrad aufweisen: die Automobilindustrie, die Luft- und Raumfahrtindustrie oder Teile des Hafens. Auch hier geraten die Arbeitsverhältnisse zunehmend unter Druck -  vor allem dort, wo reguläre Jobs durch Leiharbeit und Werkverträge ersetzt werden.

Gute Arbeit als Aushängeschild für die Region 

Von einem attraktiven Arbeitsmarkt profitieren nicht nur die Beschäftigten, er ist auch ein wichtiges Aushängeschild für Unternehmen und die Region. Der Bedarf an Fachkräften steigt in allen Branchen an. Um diese Fachkräfte anzuwerben und zu halten, bedarf es neben fairen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen auch eines angenehmen Arbeitsklimas, flexibleren Arbeitszeiten und entsprechenden Weiterbildungsangeboten. Die Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Bremen liegen auf der Hand: Hohe Löhne stärken auch die regionale Kaufkraft. 

Die Politik im Land Bremen ist daher gefordert, die Qualität der Arbeitsverhältnisse,  dort wo sie kann, positiv zu beeinflussen. Aus Sicht der Arbeitnehmerkammer sollte sich das Land Bremen als "Land der guten Arbeit" profilieren und ein Programm auflegen, das mit entsprechenden Maßnahmen zur Förderung von fairen Arbeitsbedingungen hinterlegt ist.

Andere Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Sachsen haben sich das Thema "Gute Arbeit" bereits offensiv auf die Fahnen geschrieben. Um für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu sorgen, unterstützen sie gezielt Projekte und Maßnahmen. 

Bremen als Land der Guten Arbeit

Im Land Bremen gibt ein einige politische Ansätze, um das Thema "Gute Arbeit" voranzubringen. So war das Bundesland etwa Vorreiter bei der Einführung des Mindestlohns. Statt einer wirtschaftspolitischen Gesamtstrategie jedoch beschränken sich die Vorgaben im Bereich der Wirtschaftspolitik allerdings bisher weitgehend auf Empfehlungen, die den Unternehmen an die Hand gegeben werden.

Bei der Evaluierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen sollte neben der Anzahl auch immer die Qualität der entstandenen Arbeitsplätze bewertet werden. Darüber hinaus sollten bei der wirtschaftspolitischen Schwerpunktsetzung solche Branchen im Fokus stehen, in denen gute und existenzsichernde Arbeitsplätze geschaffen werden. Unternehmen mit hohen Leiharbeits- und Minijobquoten sollten keine Förderung erhalten. 

Der Dienstleistungssektor ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Hier existieren gut bezahlte Stellen mit vernünftigen Arbeitsbedingungen neben Branchen, in denen viele prekäre Arbeitsverhältnisse anzutreffen sind. Das Land Bremen sollte daher einen "Masterplan Dienstleistungen" erstellen, in dem die Entwicklungsperspektiven dieser Branchen eruiert und konstruktiv begleitet werden können.

Ein erster Schritt ist der Branchendialog "Einzelhandel" der bremischen Landesregierung: Unter Einbeziehung von Arbeitgebern und Beschäftigten sollen die Arbeitsbedingungen und die Entwicklungsperspektiven verbessert werden. Dieser Ansatz wäre auch für andere Dienstleistungsbranchen, etwa das Gastgewerbe und die Logistik wünschenswert.

Um sich als "Land der guten Arbeit" profilieren zu können, müssen sich Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik in Bremen noch stärker verzahnen. Dies beinhaltet beispielsweise auch ein gemeinsames Vorgehen bei der Umsetzung von Instrumenten wie dem Branchendialog.

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Referentin für für regionale Strukturpolitik

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