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Ausbildung

19.01.2022

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Entwicklung des Ausbildungsmarkts

Im Land Bremen gibt es seit vielen Jahren zu wenige Ausbildungsplätze. Deshalb hat sich die Wirtschaft im Jahr 2008 freiwillig dazu verpflichtet, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Besiegelt wurde dies in der "Bremer Vereinbarung", seit 2020 umbenannt in "Ausbildung innovativ". Gelungen ist dies nicht. Nach einem Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 bis 2010 hat sich der Ausbildungsmarkt in den Folgejahren auch bei bester Konjunktur nicht mehr erholt. Die Corona-Pandemie brachte 2020 einen historischen Tiefpunkt bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Das Jahr 2021 brachten nur eine leichte Erholung.

Entwicklung des Ausbildungsmarkts

Nach dem Berufsbildungsgesetz sind die Wirtschafts- und Berufskammern zuständige Stellen mit wichtige Aufgaben rund um die Ausbildung. Die mit Abstand größte zuständige Stelle im Land Bremen mit den meisten Mitgliedsunternehmen ist die  Handelskammer, gefolgt von der Handwerkskammer und schließlich den Kammern der Freien Berufe. Der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stellt sich ganz besonders drastisch im Zuständigkeitsbereich der Handelskammer dar. 

Entwicklung des Ausbildungsmarkts

Die Entwicklung von Beschäftigung und Ausbildung haben sich auf gefährliche Weise voneinander entkoppelt. Während der Arbeitsmarkt immer neue Rekorde bei den Beschäftigtenzahlen verzeichnet, sind in den Betrieben immer weniger Auszubildende anzutreffen. Besonders stark geht die Entwicklung seit der Wirtschaftskrise 2008 auseinander. Die Indexbetrachtung zeigt: Im Land Bremen wuchs die Zahl der Beschäftigten nach dem Kriseneinbruch bis 2018 um 16,2 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der Auszubildenden aber um 2,8 Prozent zurück. Das Ausbildungsengagement der Betriebe ist inzwischen auf einem so niedrigen Niveau angelangt ist, dass Expertinnen und Experten die Leistungsfähigkeit des dualen Systems infrage gestellt sehen.

Entwicklung des Ausbildungsmarkts

Als Messlatte dafür, ob genug Fachkräftenachwuchs ausgebildet wird, gelten die Ausbildungsquote und die Ausbildungsbetriebsquote. Die Ausbildungsquote ist im Land Bremen inzwischen auf 4,9 Prozent gesunken - das heißt, auf 100 Beschäftigte kommen nur noch knapp 5 Auszubildende. Die Ausbildungsbetriebsquote hat ein historisches Tief von 21,9 Prozent erreicht: Nur noch knapp jeder fünfte Betrieb bildet aus.

Die rote Linie der Grafik zeigt anhand der Ausbildungsquote: Die Unternehmen haben zwischen 2009 und 2010 in der Folge der Finanzkrise ihr Ausbildungskapazitäten zurückgefahren und in der darauf folgenden langen Wachstumsphase sogar noch weiter reduziert. Das betrifft Betriebe jeder Größe, ganz besonders aber Kleinstbetriebe (hellblaue Linie). Großbetriebe im Land Bremen (blaue Linie) zeigen die niedrigste Ausbildungsquote. Fast ein Drittel der größten Betriebe übernimmt keinerlei Verantwortung für die Ausbildung von Fachkräftenachwuchs.

 

Der Ausbildungsmarkt im Land Bremen

Das Land Bremen zählt zu den Regionen mit einem zu geringen Ausbildungsplatzangebot. Dort ist der Anteil der zu Beginn des Ausbildungsjahres noch suchenden Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber an der Gesamtnachfrage hoch. Der Ausbildungsmarkt ist dann gekennzeichnet von Versorgungsproblemen. Das Problem, die angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen, ist dagegen wenig ausgeprägt. Von einem Passungsproblem wird dann gesprochen, wenn die Zahl der noch suchenden Jugendlichen und der noch offenen Stellen gleichermaßen groß ist.  

Junge Menschen ohne Beruflichen Abschluss

Bremen ist das Bundesland mit dem mit Abstand höchsten Anteil junger Erwachsener ohne einen beruflichen Abschluss. Fast jede/r Vierte ist betroffen. Das ist besorgniserregend, weil Ungelernte am Arbeitsmarkt eine schlechte Perspektive haben und sehr häufig arbeitslos oder in schlecht bezahlter, prekärer Beschäftigung sind.

Die Quote berücksichtigt alle jungen Menschen, die bis 35 noch keine duale oder schulische Berufsausbildung und auch kein Fachhochschul- oder Hochschulstudium abgeschlossen haben, sich aber auch nicht in Ausbildung, Schule oder Studium befinden. Junge Männer sind stärker betroffen (24,4 Prozent) als junge Frauen (23,0 Prozent).

Demografie und Ersatzbedarfe

Ausbildung versorgt den Arbeitsmarkt mit Fachkräften. Die Verantwortung dafür liegt bei den Arbeitgebern. Etwa 120.000 sozialversichert Beschäftigte gehören zu den Babyboomern der Jahrgänge 1955 bis 1969. Mehr als 78.000 sind inzwischen 55 Jahre und älter und gehen in den nächsten 10 Jahren in Rente. Das ist beinahe jede/r Vierte. Sie werden eine unübersehbare Fachkräftelücke hinterlassen, denn sie gelten als überdurchschnittlich gut ausgebildete Generation. Ohne deutlich mehr Ausbildungsengagement wird sich die Lücke nicht schließen lassen.


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  • Alle Alarmglocken schrillen. Weniger Ausbildungsplätze, mehr junge Menschen abgehängt und den Betrieben gehen die Fachkräfte aus

    Erschienen in: Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen 2019

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