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Statistik für das Land Bremen

Aktuell: Folgen von Corona für den Arbeitsmarkt

07.12.2020

Sie befinden sich im Themenbereich „Wie hat sich der Arbeitsmarkt während der Coronakrise entwickelt? Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer?“. Hier finden Sie Grafiken zu den folgenden Themen:

Erstellt von: Tim Görtz

Der Arbeitsmarkt trotzt der Coronakrise: Beschäftigungsgewinne im Land Bremen

Nach dem Einbruch der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Land Bremen zu Beginn der Coronakrise hat sich der Arbeitsmarkt im weiteren Verlauf erholt. Inzwischen sind sogar Beschäftigungsgewinne zu verzeichnen. Das zeigt die Auswertung der Beschäftigungsentwicklung seit dem Vor-Corona-Monat Dezember 2019 bis zum letzten statistisch vorliegenden Stand im September 2021. Dabei war der Beschäftigungszuwachs im Land Bremen im Vergleich mit anderen Bundesländern allerdings unterdurchschnittlich.

Stadt Bremen im Mittelfeld bei den Beschäftigungsgewinnen

Der Trend zu einem Plus bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Verlauf der Coronakrise lässt sich auch im Städtevergleich erkennen. Die Daten zeigen, dass die Stadt Bremen mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent sehr stabil durch die Krise gekommen ist. Auch wenn die Beschäftigungsgewinne leicht unter dem Durchschnitt von 1,3 Prozent von insgesamt 15 Großstädten liegen, belegt die Stadt Bremen beim Vergleich immerhin Rang 7.

Auch Bremerhaven verzeichnet die Zunahme von sozialversicherter Beschäftigung

Auch die Stadt Bremerhaven ist stabil durch die Krise gekommen. Im Durchschnitt stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den Städten mit vergleichbarer Größe um 1,2 Prozent. Bremerhaven verzeichnet mit 1,3 Prozent sogar einen leicht überdurchschnittlichen Anstieg, der noch über dem der Stadt Bremen liegt.

Zugewinne nach Branchen: Mehr Leiharbeit als vor der Coronakrise in der Stadt Bremen

Interessant ist die Branchenentwicklung der sozialversicherten Beschäftigung. In der Stadt Bremen sind die Zuwächse in der Leiharbeitsbranche am stärksten ausgeprägt. Wie in jeder Krise waren dort zunächst viele Arbeitsplätze abgebaut worden. Inzwischen liegt die Zahl der Beschäftigten bei den Verleihunternehmen sogar über dem Vorkrisenniveau. Wenig erstaunlich sind die Verluste im Gastgewerbe, das von den Corona-Maßnahmen besonders betroffen war. Überraschender ist der fast doppelt so hohe Verlust im verarbeitenden Gewerbe. Hier dürfte die Unterbrechung globaler Lieferketten eine Rolle spielen. Insgesamt hat die Coronakrise in der Stadt Bremen zu einer weiteren Verschiebung vom produzierenden Gewerbe zu den Dienstleistungsbereichen beigetragen.

In Bremerhaven wächst das Baugewerbe am stärksten

Anders als in der Stadt Bremen fand der Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bremerhaven vor allem im Baugewerbe statt. Auch die Leiharbeit nahm zu, wenn auch nicht so stark wie in Bremen. Das Gastgewerbe verzeichnete einen geringeren Rückgang, obwohl die Coronakrise diese Branche überall besonders hart getroffen hat. Der Rückgang im verarbeitenden Gewerbe war in Bremerhaven ebenfalls geringer. Die für Bremerhaven wichtige Branche "Verkehr und Lagerei" war vermutlich durch Ausfälle in Lieferketten besonders vom Arbeitsplatzabbau betroffen. Das Gleiche gilt für den Handel.


Der Arbeitsmarkt trotzt der Coronakrise: Beschäftigungsgewinne im Land Bremen

Insgesamt zeigt sich die Beschäftigung im Land Bremen im Verlauf der Coronakrise erfreulich stabil. Allerdings gibt es einige Unterschiede nach Art der Beschäftigung. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ist deutlich um 4.694 gesunken, während sie im Nebenjob eine wieder steigende Tendenz aufweist. In der Summe haben die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse aber abgenommen. Der Trend zu mehr sozialversicherter Teilzeitbeschäftigung ist durch die Coronakrise ungebrochen. Mit einem Plus von 2.492 Teilzeitstellen sind hier die stärksten Zuwächse zu erkennen. Die Vollzeitarbeit hat sich erst im 3. Quartal 2021 erholt und ist vom Niveau insgesamt stabil geblieben. Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung, die sogenannte Teilzeitquote, steigt damit um 0,4 Prozentpunkte auf 30,3 Prozent.

Das Gesamtbild zeigt, dass insbesondere die ausschließlich geringfügig Beschäftigten in der Krise verloren haben. Einer der Gründe dürfte sein, dass sie ohne Ansprüche auf die Leistungen der Arbeitslosenversicherung nicht von den Möglichkeiten der Kurzarbeit profitieren konnten und in diesem Segment Arbeitsplätze schnell abgebaut wurden. 

Beschäftigungsstand höher als vor der Coronakrise - strukturelle Probleme bleiben

Die positive Beschäftigungsentwicklung schlägt sich auch in einer höheren Beschäftigungsquote nieder. Sie berechnet, welcher Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht. Im Land Bremen ist die Beschäftigungsquote im Verlauf der Coronakrise insgesamt gestiegen und liegt nun über dem Niveau von 2019. Dabei gewinnen die Männer etwas stärker als Frauen, sodass sich der ohnehin große Abstand zwischen den Geschlechtern noch verstärkt hat. Den stärksten Anstieg weist die Beschäftigungsquote bei den Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit auf. Sie stieg um 4,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorkrisenniveau, bleibt aber weiter deutlich unterdurchschnittlich.

Beim ersten Lockdown war jede*r Fünfte von Kurzarbeit betroffen

Mit Kurzarbeit können Betriebe wirtschaftliche Krisenzeiten überbrücken und ihre Arbeitnehmer*innen halten, auch wenn Aufträge und Umsätze vorübergehend zurückgehen. Die Beschäftigten bekommen dann Kurzarbeitergeld aus der Arbeitslosenversicherung. In der Coronakrise ist die Kurzarbeit bundesweit und auch in Bremen massiv genutzt worden. Dadurch konnten Beschäftigungsverluste und stärkere Anstiege der Arbeitslosigkeit erfolgreich verhindert werden. Die Hochzeit der Kurzarbeit lag im zweiten Quartal 2020 in der Phase des ersten Lockdowns. Im Land Bremen war in den Monaten April und Mai 2020 mehr als jede*r fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen. Die Kurzarbeiterquote war im Vergleich zu anderen Bundesländern am höchsten.

Erholung am Arbeitsmarkt: Stellenangebot steigt deutlich

Das bei der Agentur für Arbeit gemeldete Stellenangebot liefert Hinweise zur konjunkturellen Entwicklung. Die Abbildung lässt den deutlichen Einbruch der Arbeitskräftenachfrage im April 2020 als Folge des damaligen Lockdown erkennen. Im Verlauf der Krise erholte sich die Nachfrage und lag zuletzt über dem Vorkrisenniveau. Der Rückgang betraf alle Qualifikationsniveaus, am stärksten aber die Fachkräfte. Sie werden nach der Erholung am Arbeitsmarkt nun auch wieder am stärksten nachgefragt.


Die Arbeitslosenquote steigt in der Coronakrise nur moderat, im Land Bremen bleibt das Niveau hoch

Trotz der Beschäftigungsgewinne und der gestiegenen Beschäftigungsquote hat die Arbeitslosigkeit im Land Bremen im Verlauf der Coronakrise zugenommen. Die Arbeitslosenquote lag 2021 bei 10,7 Prozent und damit 0,8 Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau. Der Anstieg blieb zwar moderat, liegt aber leicht über dem Bundesdurchschnitt.
In Folge des Lockdowns im Frühjahr 2020 stieg die Zahl der Arbeitslosen stark an. Auf der einen Seite nahmen die Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung deutlich zu, während es auf der anderen Seite kaum mehr gelang, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Mit der wieder anspringenden Konjunktur und dem steigenden Stellenangebot reduzierte sich auch die Zahl der Arbeitslosen wieder. Trotz der positiven Tendenz bleibt die weiter vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote im Land Bremen eine Herausforderung.

In der Stadt Bremen bleibt der Anstieg der Arbeitslosenquote vergleichsweise gering

Der Städtevergleich zeigt, dass die Stadt Bremen im Verhältnis zu anderen Großstädten mit 0,7 Prozent einen unterdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitslosenquote zu verzeichnen hatte. Im Durchschnitt betrug er bei allen Vergleichsstädten 1,1 Prozentpunkte. Dennoch bleibt die Arbeitslosenquote mit 10,2 Prozent auch im Krisenjahr 2021 im Städtevergleich hoch.

Überdurchschnittlicher Anstieg der Arbeitslosenquote in Bremerhaven

Die Arbeitslosenquote in Bremerhaven ist nicht nur überdurchschnittlich stark gestiegen, sie bleibt mit 13,1 Prozent auch die höchste im Städtevergleich. Die fünfzehn ausgewählten Städte hatten einen durchschnittlichen Anstieg von 0,7 Prozentpunkten.

Strukturelle Probleme bleiben: Ohne Berufsausbildung kaum Chancen am Arbeitsmarkt

Die nach verschiedenen Merkmalen aufgeschlüsselte Arbeitslosenquote für das Land Bremen zeigt, welche Personengruppen stärker von der Coronakrise betroffen waren. Dabei fallen insbesondere die Menschen ohne Berufsabschluss ins Auge. Schon vor der Coronakrise war die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe mit 30 Prozent dreimal so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote. Im Verlauf der Coronakrise ist sie um 2 Prozentpunkte und damit am stärksten von allen betrachteten Gruppen gestiegen. Das unterstreicht, dass eine fehlende Berufsausbildung einen erheblichen Einfluss auf das Risiko hat, arbeitslos zu werden und es länger zu bleiben. Ungelernte gehören in Krisenzeiten in der Regel zu den Verlierer*innen.

Langzeitarbeitslosigkeit nimmt während der Coronakrise zu und bleibt auf hohem Niveau

Die Entwicklungen bei der Kurzzeit- und der Langzeitarbeitslosigkeit unterscheiden sich im Verlauf der Coronakrise deutlich. Die Kurzzeitarbeitslosigkeit reagierte ab April 2020 sofort und stark, fiel dann aber recht schnell wieder ab. Inzwischen liegt die Zahl der Kurzzeitarbeitslosen sogar unter dem Vorkrisenniveau. Anders die Langzeitarbeitslosigkeit: Das Niveau stieg langsam, aber nachhaltig. Im März 2022 lag es noch immer über dem März 2020. Ursächlich dürften unterschiedliche Effekte sein wie mehr Übergänge aus Arbeitslosigkeit in Langzeitarbeitslosigkeit und weniger Abgänge aus Langzeitarbeitslosigkeit etwa in Arbeit oder in Fördermaßnahmen. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen lag im Land Bremen zuletzt bei 47,1 Prozent. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer.


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