Rentenanpassung 2020

Die Anpassung gesetzlicher Renten erfolgt regelmäßig zum 1. Juli. In diesem Jahr werden Renten aus westdeutscher Beschäftigung um 3,45 Prozent erhöht, in den neuen Ländern liegt der Satz sogar bei 4,20 Prozent. Wie es trotz der Corona-Pandemie zu diesem deutlichen Anstieg kommt, wird im Folgenden überblicksartig erläutert.

Grundsätzlich folgen die Renten in Deutschland den Löhnen, um Rentnerinnen und Rentner nicht von der Wohlstandsentwicklung der Beitragszahler abzuhängen. Da Zahlen zur aktuellen Entwicklung der dafür relevanten beitragspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter aber nicht rechtzeitig zur Anpassung vorliegen, wird ein Nachholverfahren angewandt. Dabei werden hilfsweise bereits verfügbare Daten zum Anstieg der Löhne und Gehälter nach der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung herangezogen und mit Blick auf die Entwicklung der eigentlichen Maßzahl in früheren Jahren korrigiert. Der so ermittelte Entgeltfaktor ist allerdings nur ein Element der Rentenanpassung. Um den Anstieg des Rentenbeitragssatzes im demografischen Wandel zu begrenzen – eine Maßnahme, die letztlich nur den Arbeitgebern nützt, nicht aber den Versicherten – enthält die Anpassungsformel zusätzlich einen Beitragssatzfaktor und den sogenannten "Nachhaltigkeitsfaktor". Während der erstgenannte die Beitragssatzentwicklung berücksichtigt, wirkt sich über den zweiten Faktor das gewichtete Zahlenverhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern auf die Anpassung aus. Beide Elemente dämpfen die Anpassungen in der Regel und koppeln die Rentner – auch wenn wirkliche Rentenkürzungen gesetzlich ausgeschlossen sind – damit doch immer mehr von der Steigerung der Löhne und Gehälter ab. 2020 ist dies allerdings nicht der Fall, und der Nachhaltigkeitsfaktor wirkt wie schon in einigen Jahren zuvor sogar gegensätzlich: Die bis 2019 gute Beschäftigungsentwicklung hat das relative Gewicht der Beitragszahler gegenüber den Rentenempfängern weiter erhöht, sodass der allgemeine Lohnanstieg im Rahmen der Rentenanpassung nochmals "aufgewertet" wird. Wegen des zwangsläufigen Rückgriffs auf frühere Zahlen wirkt sich die Corona-Pandemie zwar noch nicht auf diese Anpassung aus, dürfte die Entwicklung in den nächsten Jahren aber maßgeblich prägen.

Konkret stellt sich das Zusammenspiel der drei Anpassungsfaktoren für die alten Länder und Westberlin (ab dem Jahr 2025 wird ein bundesweit einheitliches Rentenrecht gelten) für 2020 wie folgt dar:

Während die Löhne nach Korrektur um gut 3 Prozent gestiegen sind und der Beitragssatz stabil bei 18,6 Prozent lag, führt ein gesunkener "Rentnerquotient" zu einem Nachhaltigkeitsfaktor > 1. Damit wirken zwei Faktoren positiv und einer neutral auf die Rentensteigerung, die somit auch 2020 noch recht hoch ausfällt und über dem jüngsten Lohnwachstum liegt. Angesichts der Struktur der Rentenanpassung und der absehbaren Auswirkungen der demografischen Entwicklung sind dies allerdings "Ausreißer nach oben", die an der grundsätzlichen Tendenz nichts ändern: Das Rentenniveau als Kennziffer für die Leistungsfähigkeit der Versicherung wird nach der bestehenden Systematik langfristig wieder und anhaltend absinken. Lebensstandardsichernde Renten sind damit kaum noch möglich, und immer mehr Personen droht trotz jahrzehntelanger Beitragszahlung sogar Altersarmut.

Vom 1. Juli 2020 bis zur Jahresmitte 2021 ergibt sich aus der Multiplikation aller Teilergebnisse mit dem bisherigen "aktuellen Rentenwert" von 33,05 Euro ein neuer aktueller Rentenwert von 34,19 Euro, was einer Rentenerhöhung um 3,45 Prozent entspricht. Für einen "Bremer Standardrentner", der vor Ort 45 Jahre lang Beiträge für einen fiktiven Durchschnittsverdienst von mittlerweile knapp 3.400 Euro pro Monat entrichtet hat, steigt die Bruttorente damit von 1.487,25 auf 1.538,55 Euro. Dies entspricht einem Rentenniveau von 48,21 Prozent, sodass die bis 2025 geltende "Haltelinie" von mindestens 48 Prozent nicht gerissen wird. Anderenfalls wäre der aktuelle Rentenwert ungeachtet der eigentlichen Anpassungsberechnung entsprechend festgelegt worden.

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Für eine ausführliche Erläuterung der diesjährigen Rentenanpassung, die auch auf die Zahlen für die neuen Bundesländer eingeht, siehe www.portal-sozialpolitik.de

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