01 - Gut arbeiten.

Unsere Forderungen zur Bürgerschaftswahl 2019

In Bremen und Bremerhaven ist mit 330.390 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand Juni 2018) ein Rekordstand bei der Beschäftigung erreicht worden. Das größte Wachstum verzeichnen dabei die Berufe der Logistik und die Lehr- bzw. Erziehungsberufe – die größte Dynamik zeigt sich in der Informatik.

In Bremen wird zudem gut verdient – über dem deutschen Durchschnitt. Doch genauer hinsehen lohnt sich: So haben in fünf Jahren die Einkommen in den Dienstleistungen nur um 1,7 Prozent zugelegt, im produzierenden Gewerbe dagegen um 7,4 Prozent. Die Tarifbindung sinkt, der Gender Pay Gap bleibt der höchste aller Bundesländer.

Der anhaltende Strukturwandel und die Zusammensetzung der Wirtschaft im Zwei-Städte-Staat machen zusätzliche Anstrengungen bei der Qualifikation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nötig, um sich im Standortwettbewerb zu behaupten und Beschäftigung langfristig zu sichern. Trotz Rückgangs ist mit 9,3 Prozent in Bremen und 12,6 Prozent in Bremerhaven die Arbeitslosigkeit und insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit noch hoch.

Tarifbindung stärken

Die guten Durchschnittslöhne in Bremen kommen nicht zuletzt durch die tariflich abgesicherten Beschäftigungsverhältnissen im verarbeitenden Gewerbe zustande. Während hier 70 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden arbeiten, sind es im Gesundheits- und Sozialwesen und im Bereich Handel/Reparatur weniger als 30 Prozent. Und die Tarifbindung geht zurück. Im Land Bremen fiel dieser Rückgang besonders deutlich aus: Heute sind noch 38 Prozent der Beschäftigten über einen Branchentarifvertrag und 17 Prozent über einen Haustarifvertrag abgesichert. Die Arbeitnehmerkammer begrüßt daher, dass sich Bremen per Bundesratsinitiative für die erleichterte Einführung von allgemeinverbindlichen Tarifverträgen engagiert. Gleichzeitig müssen in der Wirtschaftsförderung tarifgebundene Betriebe vorrangig berücksichtig werden. Die Politik muss sich öffentlich und nachdrücklich – zum Beispiel in Branchendialogen – für die Anwendung von Tarifverträgen einsetzen.

Frauen fördern

Die Erwerbstätigenquote von Frauen wie auch ihr Anteil an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung liegen im Land Bremen weit unter dem Durchschnitt. Nicht einmal jede vierte Führungsposition in den obersten Ebenen der Privatwirtschaft wird in Bremen von Frauen besetzt – eine Zahl knapp unter dem westdeutschen Schnitt. Gleichzeitig bleibt der Gender Pay Gap mit über 23 Prozent hoch. Frauen müssen mehr in den Fokus der bremischen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik rücken und bei den Maßnahmen der Arbeitsförderung stärker berücksichtigt werden.

Vereinbarkeit verbessern

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss durch ausreichende Betreuungsmöglichkeiten, vor allem für unter Dreijährige, verbessert werden. Das Zusammengehen von Beruf und Pflege ist ebenfalls ein größer werdendes Thema – rund jede*r elfte Beschäftigte pflegt heute eine*n Angehörige*n. Die neue Landespolitik muss das Thema Vereinbarkeit wieder strategisch in den Blick nehmen und dafür eine klare Zuständigkeit schaffen. So sollen Bedarfe in der Pflegeinfrastruktur und Kinderbetreuung identifiziert und gemeinsam mit den Fachressorts und dem Magistrat Bremerhaven Engpässe reduziert werden. Regelmäßig durchzuführende Elternbefragungen können aufzeigen, wie sich der Bedarf entwickelt.

Prekäre Beschäftigung zurückdrängen

Viele Bremerinnen und Bremer sind trotz Erwerbstätigkeit auf aufstockende Leistungen vom Jobcenter angewiesen. Mit einem an die unterste Stufe des öffentlichen Dienstes gekoppelten Landesmindestlohn muss Bremen existenzsichernde Beschäftigungen anbieten und den gesetzlichen Mindestlohn auf Bundesebene zu schnelleren Fortschritten bewegen. In der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik muss die Reduzierung prekärer Beschäftigungsverhältnisse politisches Ziel sein und mit Maßnahmen hinterlegt werden.

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  • Gut arbeiten, gut wirtschaften, die Stadt entwickeln

    Positionen der Arbeitnehmerkammer zur Bürgerschaftswahl 2019

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