Anerkennung von Auslandsqualifikationen im Land Bremen

Immer mehr Menschen kommen nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Mit der wachsenden Bedeutung von Ausländern und Ausländerinnen am deutschen Arbeitsmarkt gewinnt auch das Thema Anerkennung von ausländischen Qualifikationen an Bedeutung.

Bisher läuft das Verfahren so ab: In so genannten Anerkennungsverfahren überprüft die für den jeweiligen Beruf zuständige Stelle, ob der ausländische Berufsabschluss mit einem deutschen Abschluss gleichwertig ist. Hierzu haben Bund und Länder mit ihren jeweiligen Anerkennungsgesetzen die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um es Fachkräften aus dem Ausland zu erleichtern, ihre berufliche Qualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzusetzen. 

Während es für das Anerkennungsgesetz des Bundes umfangreiche Berichte gibt, bleibt zum Entwicklungsstand und der Umsetzung der Landesgesetze vieles offen. Eine gemeinsame Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität Bremen und der Arbeitnehmerkammer hat nun die Anerkennungsprozesse im Land Bremen genauer untersucht.

Aufwändige Verfahren

Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass die Antragsstellenden auf zahlreiche Herausforderungen treffen. Die Verfahren sind sehr aufwendig und bedürfen einer ausführlichen Beratung und Begleitung. Personen, die eine Anerkennung anstreben, können im Vorfeld des Verfahrens die Anerkennungsberatung des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen bei der Arbeitnehmerkammer Bremen aufsuchen. Hier werden sie  über den Ablauf des Verfahrens aufklärt, bei der Suche nach dem jeweiligen Referenzberufes unterstützt und das Antragsverfahren begleitet. 

Der formale Antrag auf Anerkennung wird bei einer der mehr als 20 zuständigen Stellen im Land Bremen eingereicht (dazu gehören die Kammern der freien Berufe, Handels- und Handwerkskammer Bremen, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, Senatorin für Kinder und Bildung, Senatorin für Finanzen und der Senator für Justiz und Verfassung).

Eines der Probleme: Die verschiedenen zuständigen Stellen gehen sehr unterschiedlich mit auftretenden Herausforderungen um. Verfahren dauern teilweise lange. Dies ist besonders darauf zurückzuführen, dass in den zuständigen Senatsressorts nicht genügend Personalressourcen vorhanden sind, um die hohe Anzahl an Anträgen angemessen zu bearbeiten. Darüber hinaus existieren bisher keine Verfahrensweisen zum Umgang mit fehlenden Dokumenten, weil entsprechende Verfahren sehr Zeit- und Ressourcenaufwendig sind.

Wie es schneller gehen könnte

  • In anderen Bundesländern werden  (Teil-)Kompetenzen in so genannten „sonstigen Verfahren“ (individuelle Testverfahren) überprüft und damit eine größere Anzahl an Anerkennungen zu ermöglicht.
  • In Bremen wird die Möglichkeit von Teilanerkennungen bisher zu wenig genutzt – und damit  den Antragsstellenden verwehrt, Unterschiede zwischen ihrer ausländischen Berufsqualifikation und dem deutschen Referenzberuf auszugleichen. 
  • Darüber hinaus beziehen sich zwar alle zuständigen Stellen auf gesetzliche Grundlagen, aber (noch) nicht alle haben eine Durchführungsverordnung oder Handlungsanweisungen erstellt. In der Konsequenz entstehen Unsicherheiten im Umgang mit Anträgen und rechtsunsichere Bescheide. 
  • Im Sinne des Anerkennungsgesetzes muss außerdem sichergestellt sein, dass ein fehlendes Sprachniveau nicht zu einer Ablehnung des Anerkennungsverfahrens führen darf. Um lange Wartezeiten zu vermeiden und den Zeitraum während des Anerkennungsverfahrens zu nutzen, müssen außerdem ausreichend Sprachkurse geschaffen werden. Darüber hinaus braucht es mehr Angebote für alltagsintegriertes Fach- und Sprachlernen.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Aus den Studienergebnissen lassen sich zentrale, berufsübergreifende Handlungsempfehlungen für die zukünftige Anerkennungskultur im Land Bremen ableiten:

  • Erhöhung der Personalressourcen in den zuständigen Stellen in Anbetracht von steigenden Verfahrenszahlen, einer wachsenden Komplexität der Verfahren und dem Bedarf zur Entwicklung „sonstiger Verfahren“ bei fehlenden Dokumenten,
  • Stärkung der Vernetzung und Kooperation der zuständigen Stellen innerhalb des Landes Bremens und mit anderen Bundesländern,
  • Erstellung von Durchführungsverordnungen und Handlungsanweisungen,
  • Einheitlicher Umgang mit Sprachanforderungen und Schaffung ausreichender Sprachkurse, gerade im Bereich des alltagsintegrierten Fach- und Sprachlernens,
  • Durchgehende Ermöglichung von Teilanerkennungen, um eine Anschlussfähigkeit an bereits erworbene Qualifikationen und damit die Arbeitsmarktintegration zu ermöglichen,
  • Implementation „sonstiger Verfahren“ beispielsweise nach dem Vorbild der Erfahrungen mit dem Projekt „Prototyping Transfer“ in Hamburg und
  • Einführung einer Landesstatistik zur Steuerung der Verfahrensabläufe.

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Jessica Heibült
Referentin für Bildungspolitik

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  • Anerkennung ausländischer Qualifikationen im Land Bremen

    Eine Bestandsaufnahme im Jahr 2017, November 2017

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