Mutterschutz = Arbeitsschutz

Jede schwangere oder stillende erwerbstätige Frau hat einen Anspruch darauf, dass sie, und damit auch ihr (ungeborenes) Kind, sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen hat. "Gute Arbeit", materielle Sicherheit und die Aussicht, auch als Mutter am Arbeitsplatz willkommen zu sein, sind in dieser sensiblen Lebensphase besonders wichtig.

Nach dem Mutterschutzgesetz und der Mutterschutzverordnung ist der Arbeitgeber verpflichtet, für gesundheitsgerechte und sichere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Mitarbeiterinnen sollen ihre Erwerbstätigkeit oder Ausbildung auch dann fortsetzen können, wenn sie schwanger sind oder ihr Kind stillen. Mutterschutz ist Bestandteil des Arbeitsschutzes und bei der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation systematisch mit einzubeziehen.

Entsprechend der Mutterschutzverordnung (Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz, MuSchArbV) muss geklärt werden, wie Arbeitsplätze von Schwangeren und Stillenden gesundheitsgerecht gestaltet werden können – und  zwar schon bevor überhaupt eine Schwangerschaft bekannt gegeben wird. Entscheidungsgrundlage ist dabei die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz (§§ 4 und 5 ArbSchG). Bei dieser muss der Arbeitgeber auch berücksichtigen, welche Arbeitsbedingungen eine werdende Mutter, eine stillende Frau und so auch das Kind gesundheitlich gefährden könnten. Schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen zählen zu der Gruppe der besonders schutzbedürftigen Beschäftigten. Sie sind bei der Entwicklung und Umsetzung eines passgenauen Arbeitsschutzes besonders zu berücksichtigen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung müssen alle Tätigkeiten vollständig erfasst und bewertet werden. Je nach Tätigkeitsbereich sind neben dem Mutterschutzgesetz und der Mutterschutzverordnung dafür möglicherweise auch die Gefahrstoffverordnung, die Biostoffverordnung oder andere Arbeitsschutzvorschriften relevant. Über das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren. So können die erforderlichen Gestaltungs- und Schutzmaßnahmen unverzüglich nach Bekanntwerden der Schwangerschaft greifen. 

Wenn eine Arbeitnehmerin ihre Schwangerschaft mitteilt, ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, dass die Mutterschutzvorschriften eingehalten werden. Er muss die Schwangerschaft bei der Gewerbeaufsicht anzeigen und die mutterschutzrechtliche Gefährdungsbeurteilung konkretisieren. Die betroffene Mitarbeiterin muss er über Gefährdungen und die von ihm getroffenen Schutzmaßnahmen unterrichten. So kann er für sich selbst und für seine Mitarbeiterin Rechtssicherheit herstellen.

Flexibel innovative Wege beschreiten

Um gesundheitliche Risiken für Schwangere auszuschließen bzw. zu minimieren, sind Kreativität, Flexibilität und Innovationsbereitschaft gefordert. Priorität hat es, den Arbeitsplatz durch technische oder organisatorische Maßnahmen umzugestalten, damit die Tätigkeit fortgesetzt werden kann. Personenbezogene Schutzmaßnahmen kommen erst in Betracht, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und die Gesundheit von Mutter und Kind weder durch technische noch durch organisatorische Maßnahmen ausreichend geschützt werden kann. Dann ist die betroffene Beschäftigte bei Weiterzahlung aller Bezüge so lange ganz oder teilweise von der Arbeit freizustellen, wie es erforderlich ist, um ihre Gesundheit und die des Kindes zu schützen. 

Fachkundige Unterstützung

Die Maßnahmen orientieren sich am Stand der Technik, an Arbeitsmedizin und Hygiene sowie an sonstigen gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen. Das Gewerbeaufsichtsamt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt- oder Ärztin beraten bei der Beurteilung einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung und bei der Gestaltung schwangeren- und stillgerechter Arbeitsbedingungen. 

Stillen und Beruf

Immer mehr junge Frauen kehren bald nach der Geburt ihres Kindes zurück in den Beruf. Oft stellt sich für sie die Frage, wie sie das Stillen mit ihrer Berufstätigkeit verbinden können. Muttermilch ist die ideale Ernährung für Babys und Kleinkinder. Stillen wird von der Weltgesundheitsorganisation weltweit empfohlen: Es fördert eine gesunde Entwicklung, schützt Mutter und Kind vor Erkrankungen und unterstützt eine stabile Bindung zwischen Mutter und Kind. Nachweislich haben Arbeitnehmerinnen, die ihr Kind stillen, weniger Fehltage.

Auch Maßnahmen, die das Stillen am Arbeitsplatz erleichtern, zählen zum Mutterschutz. Laut Mutterschutzgesetz muss der Arbeitgeber Stillpausen einräumen und geeignete Räume zum Stillen bzw. zum Abpumpen von Muttermilch zur Verfügung stellen. Wie die gesetzlichen Stillzeiten im einzelnen Fall ausgestaltet werden, sollten Arbeitgeber und die schwangeren Arbeitnehmerin frühzeitig abstimmen.

Mutterschutz: Mitgestaltung der betrieblichen Interessenvertretung

Der Betriebs- oder Personalrat hat weitreichende Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte hinsichtlich der Organisation des Arbeitsschutzes im Unternehmen, so auch für den Mutterschutz. Er informiert über mutterschutzrechtliche Bestimmungen und kann dafür sorgen, dass das Thema Mutterschutz im Arbeitsschutzausschuss behandelt wird. Und er kann darauf hinwirken, dass schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen als besonders schutzwürdige Beschäftigtengruppe bei der Gefährdungsbeurteilung und bei der Entwicklung und Umsetzung eines für das jeweilige Unternehmen passgenauen Arbeitsschutzes berücksichtigt werden. 

Die betriebliche Interessenvertretung kann auch darüber hinaus aktiv werden: bei Maßnahmen und Angeboten zum familienfreundlichen Betrieb, Regelungen zu Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, zu Arbeitszeiten und Zielvereinbarungen. Frauen sollten auch dann "Gute Arbeit" vorfinden, wenn sie Mutter werden. 

KontaktAKB003_Icon-Kontakt

Barbara Reuhl
Referentin für Arbeitsschutz und Gesundheitspolitik

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  • Schwangerschaft im Betrieb: kein Randgruppenthema

    Autorin: Barbara Reuhl; in: „frau geht vor“, Hrsg. DGB, Ausgabe 2/2016.

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  • Arbeit – gesund und sicher gestalten für schwangere und stillende Frauen

    Vortrag von Barbara Reuhl

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  • Ein freudiges Ereignis?!

    Arbeitsschutz in Schwangerschaft und Stillzeit

    Hrsg.: Arbeitnehmerkammer Bremen, ZGF Bremen, 2010

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