Arbeit 4.0

Positionen / Stellungnahme zum Grünbuch "Arbeiten 4.0"

In ihrem 2015 erschienen Grünbuch "Arbeiten 4.0" forderte die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die arbeitspolitischen Akteure aus Verbänden, Wissenschaft, Politik und Betrieben zu einem breiten Dialogprozess auf.

Die Arbeitnehmerkammer analysiert seit längerem den Strukturwandel in Bremen. Ein Fünftel der bremischen Wirtschaft kann dem industriellen Sektor - vorwiegend Automobilindustrie, Schiffbau sowie Luft- und Raumfahrt - zugeordnet werden. Der Dienstleistungssektor generiert immerhin 80 Prozent der Beschäftigung in Bremen, der Logistik-Bereich ein Zehntel. Noch lässt sich aus derzeitiger Sicht nicht seriös abschätzen, in welcher Form und Ausprägung die zukünftige Digitalisierung in diesen Bereichen zur Anwendung kommen wird. Im Bereich der Automobilindustrie jedoch ist die Digitalisierung bereits weit fortgeschritten. Die Entwicklung muss intensiv beobachtet und analysiert werden.

Auch unter den Bedingungen von Arbeit 4.0 müssen die betrieblichen Interessenvertretungen und die Gewerkschaften gestärkt werden. Ihre Bedeutung wird steigen, nicht sinken, auch wenn die Form der Mitbestimmung in 20 Jahren voraussichtlich ein anderes Gesicht haben wird. In diesem Zusammenhang spielt der Aspekt der sogenannten Entbetrieblichung – zum Beispiel Outsourcing von Aufgaben, Auftragsvergabe an Subunternehmer oder Telearbeit – eine wichtige Rolle. Dieser kann jetzt schon aktiv entgegengewirkt werden, etwa durch die aktive Gestaltung von Mobilarbeit.

Durch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung werden Produktivitätssprünge zu erwarten sein. Es stellt sich die Frage, wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an dieser Entwicklung beteiligt werden. Arbeitszeitverkürzung, unter anderem auch bei vollem Lohnausgleich, ist nicht von ungefähr Teil der Debatte um "Industrie und Dienstleistung 4.0".

Ein mögliches und in Fachdiskussionen häufig angesprochenes Szenario für die zukünftige Interaktion zwischen Menschen und Maschinen ist das sogenannte Kollaborationsszenario: Roboter der 4. und 5. Generation und Menschen arbeiten in der Produktion Hand in Hand. In Deutschland und Europa haben wir gute Chancen, dieses Szenario zu realisieren. Im Unterschied zu den USA verfügen wir nach wie vor über ein großes Reservoir an hoch qualifizierten Facharbeitern. 

Die zukünftigen Digitalisierungsschübe können helfen, die Situation älterer Beschäftigter in den Betrieben zu verbessern. So könnten die körperlichen Anforderungen bei Arbeitsplätzen für ältere Beschäftigte reduziert und mit speziellen Qualifizierungsmodulen an die technischen Innovationen angepasst werden. 

Dennoch wird es Teilbelegschaften geben, wo dies etwa aufgrund ihres Alters und/oder ihres zu großen Anteils an der Gesamtbelegschaft nicht funktionieren wird. Solche Hinweise gibt es sowohl aus der Automobilbranche wie aus der Hafenlogistik. Für diese Teilbelegschaften muss über die Reaktivierung von Konzepten der sozialverträglichen Frühverrentung nachgedacht und diskutiert werden. Sowohl die Unternehmen wie auch die Gesellschaft müssten hierbei die finanzielle Verantwortung übernehmen.

In vielen Bereichen der öffentliche Verwaltung sorgen Sparvorgaben schon seit vielen Jahren für einen enormen Abbau von Personal. Durch Digitalisierung könnten hier tatsächlich Substitutionseffekte für die Beschäftigten erzielt werden. Die Implementierung von Digitalisierungsvorhaben ist – vor allem am Anfang – mit Investitionskosten verbunden. Sie benötigt Ressourcen und Personal. Werden diese Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt, kann durch Digitalisierung mitunter mehr anstatt weniger Arbeit entstehen. 

Der sogenannte Grünbuchprozess soll Anfang 2017 in ein Weißbuch "ArbeitenVierNull" münden. Die Arbeitnehmerkammer ist in diesen Prozess involviert und versucht, dort wichtige Eckpunkte aus Sicht von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu verankern. 

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  • Stellungnahme zum Grünbuch "Arbeitenviernull" des Bundesarbeitsministeriums

    September 2015

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