Frauen verdienen nicht, was sie verdienen

Aufwertung von Frauenberufen jetzt!

Die Arbeitswelt ist weiblich. Jedenfalls, wenn wir den nächsten Behandlungstermin beim Fach- oder Zahnarzt, im Friseur- oder Kosmetiksalon vereinbaren, wenn wir im Supermarkt unsere Wochenendeinkäufe erledigen, wenn wir unsere Kinder im Kindergarten oder in der Grundschule gut betreut wissen, wenn wir im Krankenhaus oder Pflegeheim die nahen Angehörigen besuchen oder wenn unsere Anträge, Finanzen oder Personalangelegenheiten in öffentlichen Büros geregelt und verwaltet werden. Dann begegnen wir Frauen im Beruf, echten Dienstleisterinnen.

Typische Frauenberufe

Der Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit 2015 informiert über die Zahl der in Bremen Beschäftigten nach Berufsbereichen. In der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung sind 89 Prozent der Beschäftigten männlich, im Bereich Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik 92 Prozent, im Bereich Naturwissenschaft, Geografie und Informatik 79 Prozent und im Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit 81 Prozent. Zu den Frauendomänen zählen Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus mit einem Frauenanteil an den Beschäftigten von 60 Prozent, Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung mit einem Frauenanteil von 64 Prozent sowie Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung mit einem Frauenanteil von 76 Prozent. Bei den Berufen im Bereich Sprach-, Literatur-, Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medien, Kunst, Kultur und Gestaltung ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen.


Wo viele Frauen-Hände Arbeit leisten, halten sie nicht per se das Heft des Handelns in der Hand. Im Gesundheits- und Sozialwesen beispielsweise waren 2014 in Bremen 76 Prozent der  Beschäftigten weiblich. Aber nur 35 Prozent der Führungspositionen waren hier von Frauen besetzt. Ähnlich die Situation im Handel. Dort waren Bremerinnen zu einem Anteil von 44 Prozent beschäftigt, in leitender Stellung jedoch nur zu 21 Prozent. Lassen sich Frauen in ihren Beschäftigungsfeldern zu leicht die Butter vom Brot nehmen? Inwieweit geben sie Verantwortung an ihre männlichen Kollegen freiwillig oder unfreiwillig ab? Im vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebenen Dossier zu Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland ist die Rede von "tatsächlichen und mentalen Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen".

Entwicklungen im Schneckentempo

Generell vollziehen sich Entwicklungen hin zu mehr Gleichstellung im Arbeitsleben wahrlich im Schneckentempo. Der Gender Pay Gap, die Lohnlücke als prozentualer Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen zu dem der Männer, liegt in Deutschland seit stabil bei derzeit 21 Prozent. Da rührt sich wenig. In Bremen geht die Schere noch weiter auseinander; hier liegt die Lohnkluft aktuell bei 24 Prozent. Doch warum messen wir diese "unbereinigte Lohnlücke" überhaupt noch und beklagen sie Jahr für Jahr am Equal Pay Day, der eben immer noch Mitte März und nicht Anfang Februar oder gar im Januar liegt? Weil die statistische Lohnlücke der Kernindikator für die fortbestehende gesellschaftliche Ungleichbehandlung von Frauen im Erwerbsleben ist. In dieser Messgröße verdichten sich nahezu alle Facetten von Problemen, mit denen Frauen im Erwerbsleben permanent konfrontiert sind: ein verengtes Berufswahlspektrum, tradierte Rollenverständnisse, Erwerbsunterbrechungen, Hürden beim beruflichen Wiedereinstieg nach Zeiten der Kinderbetreuung oder Pflege.

Beschäftigung und Einkommen in Frauenberufen - Bremen

Betrachtet werden Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter (Beschäftigtenstatistik Stichtag 31.03.2015) und die monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (Stichtag 31.12.2013). Auf der Lohnabrechnung der Frau stehen monatlich durchschnittlich 2.726 Euro, auf der des Mannes 3.530 Euro.

Verkaufsberufe

In klassischen Verkaufsberufen liegt der Frauenanteil bei 72 Prozent. In Bremen sind etwa 13.150 Frauen und 5.230 Männer sozialversicherungspflichtig als Verkäuferinnen (mit und ohne Produktspezialisierung) oder als Kassiererinnen beschäftigt. Ihr Bruttoarbeitsentgelt liegt im Durchschnitt bei 1.981 Euro.

Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe

Als Tourismuskaufleute, Sport- und Fitnesskaufleute, Reiseleitungen sowie im Hotel- und Gastronomieservice arbeiten etwa 5.400 Bremerinnen und 3.090 Bremer. Die Beschäftigten sind zu 64 Prozent weiblich. Das Durchschnittseinkommen liegt für Frauen bei 1.791 Euro.

Berufe in Unternehmensführung und –organisation

In dieser Berufshauptgruppe liegt der Frauenanteil bei 62 Prozent. 23.840 Frauen und 14.600 Männer zählt die Statistik in den Geschäftsführungen, in der kaufmännischen und technischen Betriebswirtschaft, als Büro- und Sekretariatskräfte und in der Auskunft und Kundeninformation. Frauen verdienen durchschnittlich 2.881 Euro.

Berufe in Recht und Verwaltung

Stellen in Rechtsanwaltskanzleien und Notariaten, in Verwaltungen, Bibliotheken oder Archiven werden in Bremen zu 74 Prozent von Frauen besetzt. Hier sind etwa 8.600 Frauen und 3.000 Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelt liegt für Frauen in diesem Bereich bei 3.110 Euro.

Medizinische Gesundheitsberufe

Medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte, Ärzteschaft, Personal in den Apotheken, Physiotherapiepraxen und Laboratorien sowie Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege sind zu 84 Prozent Frauen. Sie verdienen im Durchschnitt 2.675 Euro. Mit 19.130 hier beschäftigten Bremerinnen sind medizinische Gesundheitsberufe eines der stärksten Beschäftigungsfelder für Frauen in der Region. 3.700 beschäftigte Männer sind dieser Berufshauptgruppe zugehörig.

Nichtmedizinische Gesundheitsberufe

Im Vergleich zum medizinischen Bereich fallen die Verdienste in nichtmedizinischen Gesundheitsberufen deutlich ab. Für die hier beschäftigten Frauen ist ein monatliches Bruttoarbeitsentgelt von durchschnittlich 1.877 Euro ausgewiesen. Der Frauenanteil unter den Beschäftigten liegt bei 79 Prozent. Etwa 6.000 Frauen und 1.530 Männer arbeiten in der Altenpflege, in der Gesundheitsberatung, im Wellnessbereich, in Friseursalons oder Kosmetikstudios, in der Medizintechnik, Orthopädie, Augenoptik oder Zahntechnik.

Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe

Kinderbetreuung, Erziehung und Sozialarbeit ist quasi von Haus aus Sache der Frauen. 80 Prozent beträgt ihr Anteil an den hier Beschäftigten. Bezahlt werden Frauen in diesen Berufen mit durchschnittlich 2.731 Euro. Etwa 12.250 Frauen und 3.000 Männer sind hier sozialversicherungspflichtig in Bremen beschäftigt.   

In keinem dieser Berufe erreichen Frauen das über alle Berufe gemessene durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelt von 3.221 Euro. Männer schon.

KontaktAKB003_Icon-Kontakt

Dr. Esther Schröder
Referentin für Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik

Am Wall 195
28195 Bremen

Tel.: 0421/36301-980
Fax: 0421/36301-996

E-Mail schreiben

Unsere Geschäftsstellen

Bremen-Stadt

Bürgerstraße 1
28195 Bremen

Tel. +49.421.36301-0

Beratungszeiten
Bremen-Nord

Lindenstraße 8
28755 Bremen

Tel. +49.421.669500

Beratungszeiten
Bremerhaven

Barkhausenstraße 16
27568 Bremerhaven

Tel. +49.471.922350

Beratungszeiten

Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2017 Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2017 Arbeitnehmerkammer Bremen