Was Frau über den Equal-Pay-Day wissen sollte

Gründe für die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen

01.03.2020

Was ist der Gender Pay Gap? Wie kommt er zustande? Und was lässt sich gegen die Lohnungleichheit unternehmen.

Text: Dr. Marion Salot
Foto: nito100/iStock

Was ist der Gender Pay Gap?
Der Gender Pay Gap beschreibt die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen und gibt
Auskunft, wie sich die Bruttostundenlöhne zwischen den Geschlechtern unterscheiden.
2019 haben die Frauen im Durchschnitt in Deutschland 20 Prozent weniger verdient, als
Männer.

Im Land Bremen liegt der Lohnabstand bei 23 Prozent. Während der Gender Pay
Gap in Deutschland zwischen 2018 und 2019 von 21 auf 20 Prozent gesunken ist, war in
Bremen ein Anstieg von 22 auf 23 zu verzeichnen.

Wie kommt der Gender Pay Gap zustande?
Zwei Drittel des Gender Pay Gaps lassen sich dadurch erklären, dassFrauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten als Männer, seltener in den gut bezahlten Leistungsgruppen oder Führungspositionen vertreten sind oder häufiger in Teilzeit arbeiten. Diese Verdienstlücke wird als unbereinigter Gender Pay bezeichnet.

Was ist der bereinigte Gender Pay Gap?
Werden die oben beschriebenen strukturellen Unterschiede in der Berufswahl und den
Erwerbsbiografien von Männern und Frauen außen vor gelassen, bleibt der sogenannte
bereinigte Gender Pay Gap von 6 Prozent.

Dieser Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen bleibt bestehen, auch wenn beide vergleichbare Tätigkeiten ausüben und eine vergleichbare Qualifikation nachweisen. Die Gründe für diese Lohnlücke sind vielfältig. So gibt es beispielsweise Studien die belegen, dass Frauen seltener nach Lohnerhöhungen fragen und ihnen auch seltener höhere Löhne angeboten werden.

Wie steht Bremen da?
Mit 23 Prozent liegt der Gender Pay Gap in Bremen über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Dies hängt damit zusammen, dass hier viele Industriearbeitsplätze beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt und der Automobilindustrie angesiedelt sind, in denen sehr gut verdient wird. In diesen Branchen arbeiten aber viel mehr Männer als Frauen.

In Berlin beispielsweise beträgt der Gender Pay Gap nur 14 Prozent und ist damit deutlich niedriger als in Bremen. Dies kommt zum einen dadurch zustande, dass die Männer dort weniger und die Frauen mehr verdienen, als hier. In Berlin ist aber auch der Frauenanteil unter den Vollzeitbeschäftigten im Bundesländervergleich am höchsten. Auch dies wirkt sich positiv auf den Gender Pay Gap aus.

Der Gender Pay Gap wächst mit dem Alter
Während der Verdienstabstand bei 30-jährigen Männern und Frauen „nur“ neun Prozent beträgt, verdreifacht er sich im Laufe der Jahre und beträgt bei 50-jährigen 28 Prozent.

Diese Entwicklung lässt sich dadurch erklären, dass viele Frauen ab 30, wenn dieFamilienphase  beginnt, ihre Arbeitszeit reduzieren, während Männer beruflich erst richtig durchstarten. Zwischen 30 und 49 steigen die Löhne der Männer im Durchschnitt um 1,8 Prozent pro Jahr, die der Frauen aber nur um 0,4 Prozent. Interessant ist, dass sich die Löhne von Frauen ohne familienbedingte Teilzeit fast identisch zu den Löhnen der Männer entwickeln.

Was ist zu tun?
Um den Gender Pay Gap zu schließen ist es wichtig, dass sich die Arbeitszeiten von Männern und Frauen stärker angleichen – vor allem in der für den Erwerbsverlauf wichtigen Phase zwischen 30 und 40. Dies geht aber nur dann, wenn auch die Sorgearbeit gerechter verteilt wird. Unternehmen sollten verstärkt das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ in den Fokus nehmen und auch Väter dazu ermutigen längere Elternzeit zu nehmen.

Zudem sollte nicht automatisch unterstellt werden, dass die Kinderpause einen Qualifikationsverlust zur Folge hat – auch in dieser Zeit werden Kompetenzen erworben, die wichtig für das Berufsleben sind. Familienphasen dürfen sich daher nicht automatisch negativ auf die Karriereplanung auswirken. Maßnahmen, die dazu beitragen, dass mehr Frauen die Chance auf eine Führungsposition haben, helfen ebenfalls dabei, die Lohnlücke zu schließen.

Schließlich müssen Berufe in den viele Frauen arbeiten, wie in der Pflege, im Gesundheitssektor und in der Erziehung, aufgewertet und besser bezahlten werden. Und auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung von Kindern ist und bleibt eine wichtige Stellschraube.

Unsere Geschäftsstellen

Bremen-Stadt

Bürgerstraße 1
28195 Bremen

Tel. +49.421.36301-0

Beratungszeiten
Bremen-Nord

Lindenstraße 8
28755 Bremen

Tel. +49.421.669500

Beratungszeiten
Bremerhaven

Barkhausenstraße 16
27568 Bremerhaven

Tel. +49.471.922350

Beratungszeiten

Arbeitnehmerkammer Bremen

© 2020 Arbeitnehmerkammer Bremen