Die Bremer Stahlindustrie – Eine Branche mit Schlüsselfunktion in schwieriger Gemengelage

Das Bremer Stahlwerk von ArcelorMittal gehört zu den zehn größten Arbeitgebern des Bundeslandes. Die seit Monaten schwierige Gemengelage am Stahlmarkt, unerwartete Produktionsschwierigkeiten an anderen Standorten des Konzerns und letztlich die Corona-Krise haben dazu geführt, dass Kurzarbeit erst geplant, zwischenzeitlich abgesagt und letztendlich doch eingeführt wurde. Für die langfristige Sicherung des Standorts ist politisches Handeln unabdingbar.

Foto: Kay Michalak

Aktuell sind etwa 3.200 Arbeitnehmer*innen direkt bei ArcelorMittal in Bremen beschäftigt. Unter Berücksichtigung von Beschäftigungseffekten bei Zulieferern und durch Vorleistungen sowie Konsumausgaben ergibt sich ein Gesamtvolumen von knapp 19.000 Vollzeitäquivalenten deutschlandweit. In den vergangenen Jahren lagen die Mengen an produziertem Rohstahl am Standort Bremen stets bei über 3 Mio. Tonnen. Im Jahr 2018 wurden sogar vier Millionen Tonnen erreicht. Zum Vergleich: 2018 wurden in Deutschland rund 42 Millionen Tonnen Rohstahl hergestellt. Knapp jede zehnte Tonne wurde demnach in Bremen produziert.

Innerhalb des Konzerns ‚ArcelorMittal‘ ist das Bremer Werk ein starker Standort. Als so genanntes „integriertes Hüttenwerk“ verfügt es über sämtliche für den gesamten Produktionsprozess relevanten Anlagen auf einem Gelände, von der Roheisenerzeugung bis zur Feinblechverarbeitung. Zudem haben die umfänglichen Investitionen der vergangenen Jahre – zum Beispiel in eine moderne Hochofenanlage – den Standort aufgewertet, so dass die Bremer Stahlwerke eine Schlüsselfunktion für zentrale Industriesektoren, wie die Automobilindustrie, die Produktion von Windkraftanlagen oder den Eisenbahnbau haben.

Insbesondere seit dem Jahr 2019 wird die Stahlbranche in Europa – und damit auch der Standort Bremen – mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Zu nennen sind etwa umweltpolitische Auflagen und steigende Kosten für den Erwerb von CO2-Zertifikaten, die bereits vor Eintreten der Corona-Krise rückläufige Produktion der Stahlverwender sowie massive Überkapazitäten und damit verbundenes Preisdumping.

Aufgrund dieser und weiterer Faktoren hatte ‚ArcelorMittal‘ bereits im Oktober 2019 für den Bremer Standort Kurzarbeit angekündigt. Da zum Jahreswechsel unerwartete Produktionsschwierigkeiten an anderen Standorten des Konzerns eintraten, die konzerninterne Produktionsplanung dennoch eingehalten werden musste, kam es zur Reaktivierung des zeitweise stillgelegten und in dieser Zeit sanierten Hochofens 3. Wegen der Corona-Krise wurde die Produktion Ende März 2020 dann doch heruntergefahren, beinahe sämtliche Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit.

Damit der Standort nach Überwindung der Corona-Krise eine langfristige Perspektive hat, ist es aus Sicht der Arbeitnehmerkammer wichtig, dass die Politik die Branche im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt, Investitionen zur Bewältigung der ökologische Wenden vorantreibt und zugleich Maßnahmen zur Reduzierung von Kosten- sowie Wettbewerbsnachteilen auf den Weg bringt. Politische Vorstöße aus Bremen, wie der im Oktober 2019 seitens der Landesregierung thematisierte ‚Zukunftsfonds für die Stahlindustrie‘, sind ausdrücklich zu begrüßen.

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  • Die Bremer Stahlindustrie: Zwischen Kostennachteilen und ökologischen Erfordernissen

    Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen 2020
    April 2020

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  • CO2-Bepreisung

    Begründung, Instrumente, Wirkungen Zertifikatehandel und/oder CO2–Steuer

    Präsentation zum Gastbeitrag von Prof. Dr. Rudolf Hickel vom 06.11.2019

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  • Krise der Stahlindustrie und mögliche Einführung einer CO2-Steuer

    Discussion-Paper (August 2019)

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  • Die regionalökonomische Bedeutung der Stahlindustrie in Bremen

    Studie im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen (2017)
    Center für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) des Instituts für Wirtschaftspolitik der Leibniz Universität Hannover

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