Alleinerziehende in Bremen

Eine Familienform hat sich etabliert: alleinerziehend. Menschen, die ohne Partner mit ihren Kindern zusammenleben, gehören wie Paare mit und ohne Trauschein, wie Singles oder gleichgeschlechtliche Paare zum normalen Gefüge unserer Gesellschaft. Auch und vor allem in Bremen.

Die Arbeitnehmerkammer wertet jährlich die von der Bundesagentur für Arbeit vorgelegte "Analyse des Arbeitsmarktes für Alleinerziehende" sowie die Angaben des Statistisches Landes- und Bundesamtes aus und vergleicht die Situation der in Bremen mit den in anderen Bundesländern lebenden Einelternfamilien. Aktuell (2017) leben 14.300 Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren in den Städten Bremen und Bremerhaven. Als alleinerziehend gelten auch Mütter und Väter mit volljährigen Kindern. Zählt man diese hinzu, so leben im Land Bremen 24.000 Alleinerziehende – 20.000 von ihnen sind Mütter. Gegenüber dem Vorjahr und auch gegenüber 2015 ist die Zahl der Alleinerziehenden zurückgegangen. Unter den westdeutschen Bundesländern ist die Quote gleichwohl in Bremen wie auch in Hamburg hoch. Der Anteil Alleinerziehender an allen Familien mit minderjährigen Kindern liegt hier bei 23 Prozent – im bundesdeutschen Durchschnitt sind es knapp 19 Prozent.

Erwerbstätigkeit

8.400 Alleinerziehende mit Kindern unter 18 sind als Erwerbstätige registriert, das heißt, fast 60 Prozent sind erwerbstätig. Im Jahr 2016 waren 6.000 davon teilzeitbeschäftigt – neuere Zahlen zur Art der Beschäftigung liegen leider nicht vor. Auch wenn die Quote von fast 60 Prozent hoch ist – im Bundesländervergleich ist sie die weitaus schlechteste. In Sachsen-Anhalt als zweitschlechtestem Bundesland liegt sie bei fast 66 Prozent, in Bayern bei über 80 Prozent. Alleinerziehenden gelingt es in Bremen also weit schlechter als anderswo, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Allein dieser Befund macht politische Intervention mehr als nötig – denn wie eine Befragung Alleinerziehender zeigt, sind diese in besonderem Maße bestrebt, ihr Leben auch finanziell unabhängig und als ein Vorbild für ihre Kinder zu führen.

Knapp 10 Prozent aller Arbeitslosen im Land Bremen sind Alleinerziehende – insgesamt 3.465 Personen – über 90 Prozent sind weiblich. Die meisten arbeitslosen Alleinerziehenden sind beim Jobcenter gemeldet, also im sogenannten Regelkreis des SGB II. Nur 234 alleinerziehende Menschen sind im SGB III, also bei der Agentur für Arbeit, als arbeitslos gemeldet. 

Hilfebedürftigkeit

Mit der unterdurchschnittlichen Erwerbsbeteiligung passt zusammen, dass im Land Bremen die Quote derer, die auf Hilfe nach dem SGB II angewiesen sind, besonders hoch ist. Im Land Bremen gibt es gut 9.500 alleinerziehende Bedarfsgemeinschaften – Familien also, die Leistungen aus der Grundsicherung beziehen. In Ihnen leben, die Kinder mitgezählt, über 25.000 Menschen. Anders ausgedrückt heißt das,  hierzulande sind über 67 Prozent aller alleinerziehenden Haushalte auf Hilfe angewiesen – mindestens ergänzend zu ihrem nicht ausreichenden Einkommen aus Arbeit. Gegenüber dem Vorjahr 2016 hat sich die Quote noch einmal um über 6 Prozent erhöht – also verschlechtert. Mit sehr großem Abstand folgt hinter Bremen mit knapp 48 Prozent das Bundesland Berlin.

Warum sind die Daten so viel schlechter als anderswo? 

Hilfebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit, Erwerbstätigkeit – im Bundesland Bremen sind die Zahlen durchweg und teils deutlich schlechter als in anderen Bundesländern. Warum das so ist, ist nicht leicht zu beantworten. Die Statistik gibt drei Hinweise auf mögliche Ursachen. 

So ist der Arbeitsmarkt für Frauen in Bremen insgesamt schwerer erreichbar als anderswo. Im Bundesland Bremen liegt die Frauenerwerbstätigenquote bei 67,3 Prozent. Somit ist ein Drittel der Bremerinnen im erwerbsfähigen Alter nicht berufstätig. Auch diese Zahl liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt und auch unter der Erwerbsbeteiligung von Frauen in den anderen Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Zum Vergleich: In Hamburg beträgt die Erwerbstätigenquote von Frauen 72,4 Prozent, in Berlin 68,9 Prozent. 

Auch beim Bundesländervergleich der Arbeit von Frauen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen ist Bremen Schlusslicht. Lediglich 44,1 Prozent der sozial abgesicherten Arbeitsplätze waren Ende des Jahres 2017 an der Weser weiblich besetzt.

Einen weiteren Hinweis auf Hürden beim Einstig Alleinerziehender in den Arbeitsmarkt findet sich in den bremischen Kinderbetreuungsquoten: Zum 1. März 2017 lag die Betreuungsquote bei den bremischen Kindern zwischen 3 und 6 Jahren bei 87,5 Prozent. Dies ist – da Bremen noch immer in einer nachholenden Entwicklung steckt – der niedrigste Wert aller Bundesländer. In Hamburg liegt die Betreuungsquote bei 90,5 Prozent, in Berlin bei 93,6 Prozent. Die Verfügbarkeit von Betreuungsmöglichkeiten ist natürlich eine der wichtigsten Voraussetzungen für Aufnahme von Arbeit oder die Aufstockung der wöchentlichen Arbeitszeit. 

Last not least, und hier sieht die Arbeitnehmerkammer enormen Handlungsbedarf, hatten fast 70 Prozent der alleinerziehenden Arbeitslosen keinen Berufsabschluss. Sie sind damit zum einen von den meisten heute angebotenen Stellen ausgeschlossen. Sollten sie doch, zum anderen, auf dem Arbeitsmarkt landen, wäre der Lohn mit Sicherheit nicht existenzsichernd. Erst recht nicht, wenn ein Kind oder Kinder zu versorgen sind. Als ersten Ansatzpunkt für die bremische Politik schlägt die Arbeitnehmerkammer daher eine Qualifizierungsoffensive vor, mit der möglichst viele Alleinerziehende ein Berufsabschluss ermöglicht wird. 

DownloadsAKB003_Icon-Download

  • Alleinerziehend – ein Kaleidoskop von Lebens- und Arbeitssituationen

    Eine Befragung von alleinerziehenden erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Land Bremen, August 2017

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  • Alleinerziehende

    Augenmerk auf eine politische Zielgruppe in Bremen
    Kammer kompakt, Mai 2014

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  • Alleinerziehend in Bremen?

    Finanzielle Hilfen im Überblick, hrsg. v.: ZGF und Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, November 2016

    Donwload PDF (Website ZGF)
  • Entwurf zu einem "Gesetz zur Beschäftigungsförderung durch Arbeitsumverteilung – BFAU"

    Herausgeber: Forum für Arbeit Bremen, März 2014

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