Arbeiten in der Weihnachtszeit

Urlaubssperre, Feiertagsdienst, Weihnachtsfeier - unsere Rechtstipps zur schönsten Zeit des Jahres

Die Weihnachtszeit ist für viele Beschäftigte alles andere als besinnlich: In etlichen Branchen wird es dann erst richtig hektisch und arbeitsintensiv, gerade im Handel. Doch auch in den ruhigeren Betrieben tauchen zur Weihnachtszeit viele Fragen auf. Hier ein paar Hinweise, worauf Beschäftigte während der Weihnachtszeit achten sollten.

Sind Überstunden Pflicht?

Grundsätzlich können Überstunden nur in Notfällen oder außergewöhnlichen Fällen angeordnet werden, deren Folgen nicht anders verhindert werden können. Etwas anderes gilt, wenn die Verpflichtung zur Leistung von Überstunden tarif- oder arbeitsvertraglich festgeschrieben wurde. In diesem Fall können Überstunden bis zur Grenze der gesetzlich zulässigen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden angeordnet werden.

Die zulässige tägliche Höchstarbeitszeit darf auch bei Überstunden nicht überschritten werden, es sei denn, es liegen tarifvertragliche Sonderregelungen oder nicht anders abwendbare Notfälle vor.

Auch zwischen den Schichten muss genügend Zeit für Erholung sein: Die gesetzlich vorgesehene Ruhezeit beträgt mindestens elf Stunden zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn. Lediglich in einigen Branchen wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, den Krankenhäusern oder Rettungsdiensten darf die Ruhezeit auf zehn Stunden verkürzt werden. 

Darf der Arbeitgeber eine Urlaubssperre verhängen?

Eine verhängte Urlaubssperre ist nur selten wirksam, denn es müssen dafür dringende betriebliche Erfordernisse dem Urlaubswunsch entgegenstehen. Das kann etwa bei Saisonbetrieben (Stollenbäcker oder der Buchhandel im Weihnachtsgeschäft) der Fall sein. Allein die Tatsache, dass es mit dem Personal eng wird, reicht nicht aus. Und einmal gewährter Urlaub kann nur in wenigen Ausnahmefällen widerrufen werden, wobei sich dann auch immer die Frage nach Schadensersatz (die Reise war schon gebucht) stellt. 

Nebenjob auf dem Weihnachtsmarkt?

Grundsätzlich ist ein Nebenjob überall möglich, wenn es sich nicht um eine Konkurrenztätigkeit zum Hauptjob handelt. Der Arbeitgeber darf eine Nebentätigkeit im Arbeitsvertrag nicht untersagen. Hat er dies doch in den Vertrag aufgenommen, ist eine solche Klausel oft unwirksam.

Das Bundesarbeitsgericht geht davon aus, dass nur dann eine Zustimmung des Arbeitgebers notwendig ist, wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers beeinträchtigt sind. So darf durch die Ausübung der Nebentätigkeit die gesetzlich zulässige Höchstarbeitszeit nicht überschritten werden. Wer also bereits 40 Stunden die Woche arbeitet, darf eine Nebentätigkeit nur noch im Umfang von acht Stunden wöchentlich ausüben.

Vorsicht ist auch geboten, wenn Nebentätigkeiten im Urlaub oder bei Krankheit ausgeübt werden. Auch ein Blick in einen geltenden Tarifvertrag ist hilfreich, da auch dort Regelungen zu Nebentätigkeiten vorhanden sein könnten. Die Tätigkeit „geheim“ zu halten, kann ernste Konsequenzen haben. Eine Nebentätigkeit muss dem Arbeitgeber mitgeteilt werden. Andernfalls droht eine Abmahnung. Außerdem ist es für das Betriebsklima sicher besser, ehrlich zu sein. Schließlich könnte der Chef ja auch plötzlich am Stand auf dem Weihnachtsmarkt auftauchen. 

Muss ich an einer betrieblichen Weihnachtsfeier teilnehmen?

Alle Weihnachtsfeiern außerhalb der Arbeitszeit sind Privatvergnügen - und die Freizeit ist Sache des Arbeitnehmers. Wer teilnimmt sollte dennoch bedenken, dass auch hier die Grenzen des guten Geschmacks nicht überschritten werden und dass bei Fehlverhalten auch Konsequenzen drohen. Wer sich beispielsweise daneben benimmt und Kollegen oder Vorgesetzte beleidigt, kann nicht nur strafrechtlich belangt werden. Ein solches Verhalten kann auch Konsequenzen im Arbeitsverhältnis zur Folge haben. 

Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Zwar gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Zahlung von Weihnachtsgeld, aber wenn der Arbeitgeber mindestens drei Jahre in Folge Weihnachtsgeld ohne Vorbehalt gezahlt hat, können Beschäftigte auch für das folgende Jahr Weihnachtsgeld verlangen. In vielen Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen ist das Weihnachtsgeld zudem festgeschrieben und damit ebenfalls einklagbar.

Kündigungen zu Weihnachten unzulässig?

Auch zur Weihnachtszeit, etwa an Heiligabend, darf der Arbeitgeber nach den ganz normalen Regeln kündigen. Es sollte jedoch auf jeden Fall geprüft werden, ob die Kündigung der Form, der Frist und den Mitbestimmungsregeln entspricht und Gründe für die Kündigung vorliegen. Dazu sollte schnell fachkundiger Rat eingeholt werden – etwa bei der Arbeitnehmerkammer –, denn die Fristen, beispielsweise gegen eine Kündigung vorzugehen (drei Wochen bis zur Klage) laufen auch über die Festtage weiter. 

Arbeiten an Sonn- und Feiertagen

Am 25. und 26. Dezember gilt ebenso wie am 1. Januar das gesetzliche Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Branchen, etwa für das Hotel- und Gaststättengewerbe, für Krankenhäuser und andere Pflegeeinrichtungen, Verkehrsbetriebe oder Not- und Rettungsdienste. Wer an einem Sonn- oder Feiertag arbeitet, dem muss der Arbeitgeber einen Ersatzruhetag einräumen. Zuschläge sind gesetzlich nicht festgeschrieben, können aber im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt sein.

Rechtsirrtum: Heiligabend und Silvester frei

Einer der häufigsten Rechtsirrtümer zur Weihnachtszeit ist die Annahme, auch Heiligabend und Silvester seien arbeitsfrei. Aber: Der 24. und 31. Dezember sind ganz normale Werktage und damit Arbeitstage. Dass viele Beschäftigte die beiden Tage mit Feiertagen verbinden, liegt an den häufig besseren Regelungen in den meisten Tarifvereinbarungen. 

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Wie Sie Ihre Urlaubstage 2018 besonders geschickt legen, lesen Sie hier.

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