Zuzahlungen und Belastungsgrenzen

Wer krank ist oder gesund bleiben will, hat oft finanzielle Belastungen zu tragen – und das auch in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei wird zwischen Eigenanteilen und Zuzahlungen unterschieden, denn nur die Zuzahlungen werden bei der sogenannten Belastungsgrenze berücksichtigt. In jedem Fall lohnt es sich, die Belege zu sammeln. Weitere Tipps und die wichtigsten Informationen im Überblick.

In der gesetzlichen Krankenversicherung müssen die Versicherten bestimmte Zuzahlungen leisten. Am bekanntesten ist die Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente oder stationäre Behandlungen im Krankenhaus. Doch auch andere Leistungen, zum Beispiel bei Krankengymnastik oder bei Kuren beinhalten Zuzahlungen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fallen keine Zuzahlungen an.

Nicht mit der Zuzahlung zu verwechseln ist der Eigenanteil (auch Selbstbeteiligung genannt). Damit gemeint ist der Betrag, den Sie zu den Kosten eines Hilfsmittels (zum Beispiel bei orthopädischen Schuhen oder Zahnersatz) dazu zahlen müssen.

Informationen zur Belastungsgrenze

Wie hoch können die Zuzahlungen werden?

Es gilt eine individuelle Belastungsgrenze von zwei Prozent des zur Verfügung stehenden Bruttoeinkommens zum Lebensunterhalt. Bei chronisch Kranken liegt die Grenze bei einem Prozent.

Welche Zuzahlungen werden bei der Belastungsgrenze angerechnet?

  • Kosten für Arznei- und Verbandmittel,
  • Zuzahlungen zu Heil- und Hilfsmitteln, wie etwa Hörhilfen, Rollstühlen oder Gehhilfen,
  • Zuzahlungen bei Krankenhausaufenthalten, bei der stationären Vorsorge oder Rehabilitation, bei einer Soziotherapie, bei Inanspruchnahme häuslicher Krankenpflege oder bei einer Haushaltshilfe.

Nicht berücksichtigt werden etwa Zahnersatz oder Arzneimittel.

Auch Kosten, die gar nicht mehr im Leistungskatalog der Krankenversicherung zu finden sind, werden nicht mitgezählt. Dazu zählen etwa eine neue Brille, nicht verschreibungspflichtige Medikamente, wie Schnupfen- oder Grippe mittel oder Verhütungsmittel für Frauen.

So berechnet sich die Belastungsgrenze

Maßgeblich sind die Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt aller in einem Haushalt lebenden Personen. Dazu gehören unter anderem

  •  der Lohn oder die Rente,
  •  Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung,
  •  Abfindungen,
  •  Betriebsrenten,
  •  Sozialhilfe
  •  Unterhaltszahlungen (alle wiederkehrenden Bezüge und geldwerten Zuwendungen). Davon werden Freibeträge für Kinder und Ehe- oder Lebenspartner abgezogen.

Die Freibeträge können sich jedes Jahr ändern

Freibeträge20172018
Je Kind7.356 Euro7.428 Euro
Ehe-/Lebenspartner5.355 Euro5.481 Euro

 

 

 

AKB_IconAchtung

 

Die Belastungsgrenze gilt für alle mitversicherten Familienmitglieder, abzüglich der Freibeträge.

Sie gilt auch, wenn diese bei einer anderen gesetzlichen Krankenkasse versichert sind.

 

Berechnungsbeispiele

Beispiel 1 – Berechnung für 2017
Familienhaushalt

Zwei Kinder, jährliche Bruttoeinnahmen aus zwei Erwerbseinkommen insgesamt
in Höhe von 58.000 Euro, keine chronischen Erkrankungen.

58.000 Euro - 5.355 Euro - 14.712 Euro= 37.933 Euro
(Jährliches Familieneinkommen minus Freibetrag Ehepartner minus Freibetrag Kinder x 2)
Zwei Prozent von 37.933 = 758,66 Euro (jährliche Belastungsgrenze)

Beispiel 2 – Berechnung für 2017
Singlehaushalt

Jährliche Bruttoeinnahmen in Höhe von 40.000 Euro, keine chronischen Erkrankungen.
Zwei Prozent von 40.000 Euro = 800 Euro (jährliche Belastungsgrenze)

Beispiel 3 – Berechnung für 2017 / 2018
Haushalt mit Bezug Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld

Für Versicherte, die Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beziehen, wird als Belastungsgrenze der Regelsatz des Haushaltsvorstands für die Berechnung berücksichtigt.

2017: 98,16 Euro / 2018: 99,84 Euro(jährliche Belastungsgrenze bei zwei Prozent)

Für schwerwiegend „chronisch Kranke“ liegt die jährliche Belastungsgrenze
2017: 49,08 Euro / 2018: 49,92 Euro (bei einem Prozent)

Tipps für gesetzlich Versicherte

Medikamenten-Preise vergleichen

Bei rezeptpflichtigen Medikamenten hängt die Höhe der Zuzahlung vom Preis des Medikaments ab. In der Regel beträgt die Zuzahlung zehn Prozent. Mindestens fünf Euro und maximal zehn Euro müssen jedoch immer bezahlt werden.

Zögern Sie nicht, Ihren Arzt oder Apotheker nach preiswerteren vergleichbaren Medikamenten zu fragen. Für einige Medikamente gibt es zuzahlungsfreie Alternativen.

Belege immer aufbewahren

Sammeln Sie alle Zuzahlungsbelege, die anfallen, und gleichen Sie die Summe mit Ihrer persönlichen Belastungsgrenze ab.  Sie sollten darauf achten, dass Ihre Zuzahlungsbelege folgende Angaben enthalten: 

  • den Vor- und Zunamen des Versicherten,
  • die Art der Leistung (zum Beispiel Arzneimittel, Hilfsmittel),
  • den Zuzahlungsbetrag,
  • das Datum der Abgabe,
  • die abgebende Stelle (zum Beispiel Apotheke).

Bei der genauen Ermittlung der für Sie geltenden Belastungsgrenze hilft Ihnen Ihre Krankenkasse. Einen Zuzahlungsrechner zur Ermittlung Ihrer Belastungsgrenze bieten etliche Krankenkassen online an – zum Beispiel der AOK Bundesverbandes

Befreiung – Antrag während des Kalenderjahres stellen

Haben Sie Ihre Belastungsgrenze erreicht oder bereits überschritten, können Sie sich bei Ihrer Krankenkasse auf Antrag von weiteren Zuzahlungen im laufenden Kalenderjahr befreien lassen. Einige Krankenkassen bieten eine „Befreiungskarte“ an oder stellen einen „Befreiungsausweis“ aus.

Ihre Krankenkasse informiert Sie nicht automatisch, wenn Sie Ihre Zuzahlungsgrenze erreicht haben! Außerdem gilt der Bescheid nur für das laufende Kalenderjahr. Wenn die addierten Zuzahlungen bereits oberhalb Ihrer Belastungsgrenze liegen, erstattet Ihnen die Krankenkasse den zu viel gezahlten Betrag zurück.

Die Belastungsgrenze gilt für alle mitversicherten Familienmitglieder, abzüglich der Freibeträge.

Sie gilt auch, wenn diese bei einer anderen gesetzlichen  Krankenkasse versichert si

Tipps für die Rückerstattung

Sinnvoll ist es, den Antrag auf Rückerstattung im Folgejahr zu stellen, wenn Sie alle Belege gesammelt und zusammengerechnet haben. Wer im vergangen Jahr zu viel gezahlt hat, erhält den überschüssigen Betrag von der Krankenkasse zurück.

Der Antrag kann für maximal vier Jahre rückwirkend gestellt werden. Über Bonusprogramme der gesetzlichen Krankenkassen können Versicherte für gesundheitsbewusstes Verhalten finanziell belohnt werden und Ermäßigungen bei den Zuzahlungen oder Beiträgen erhalten.

Regelungen für chronisch Kranke

Wer als „chronisch krank“ gilt, muss gleich mehrere Bedingungen erfüllen.  Sie müssen mindestens ein Jahr lang einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit nachweisen. Zudem müssen Sie zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllen: 

  • Entweder es liegt eine Pflegebedürftigkeit des Pflegegrads 3 oder höher vor,
  • oder es liegt ein Grad der Behinderung oder eine Erwerbsminderung von mindestens 60 Prozent vor,
  • oder es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung notwendig, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.

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Weitere Informationen AKB003_IconInfo

Fragen zur steuerlichen Anrechnung des Zusatzbeitrags: Arbeitnehmerkammer Bremen

  • Bremen: 0421/36301-40
  • Bremen-Nord: 0421/66950-0
  • Bremerhaven: 0471/92235-0

Beratungsangebote zum Krankenkassenwechsel: Verbraucherzentrale Bremen

  • Bremen: 0421/1607770421) 160 777
  • Bremerhaven: 0471-261940471) 26 19 4

Für alle Fragen rund um die gesetzliche Krankenversicherung hat das Bundesgesundheitsministerium ein Bürgertelefon eingerichtet:

  • 030/3406066-01
  • (Gebärdentelefon ISDN Bildtelefon: 030/3406066-08)

Informationen zu Tarifen und Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sowie einen Krankenkassen-Vergleichsrechner finden sie auf www.krankenkassen.de

 

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