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Gegen die soziale Spaltung der Stadt


Stadtteile fördern und die Bewohner stärker beteiligen.

Die soziale Stadtentwicklung muss ein Schwerpunkt auch der künftigen Landesregierung sein, wenn sie den sozialen Zusammenhalt in Bremen stärken und die Spaltung in arme und reiche Stadtteile bremsen will. "Wir können es uns nicht leisten, einen großen Anteil der Menschen einfach abzuhängen und damit hinzunehmen, dass sie sich nicht mehr mit ihrer Stadt und ihrem Gemeinwesen identifizieren, betonte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, heute angesichts der Tagung "Gegen die soziale Spaltung der Stadt". Mehr als 100 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet waren zu der Veranstaltung gekommen.

Bundesregierung kürzt Förderungen
In den vergangenen Jahren konnte Bremen auf Programme wie die "Soziale Stadt" und "Wohnen in Nachbarschaften" aufbauen und so die Quartiersentwicklung voranbringen. Auch die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner hat dazu geführt, dass sich die Wohn- und Lebensbedingungen in den benachteiligten Quartieren positiv entwickelt haben - mit Hilfe eines Modells übrigens, das selbst in Tokio als anerkanntes Beispiel gilt, wie Professor Nawata von der Hosei University in seinem Beitrag bestätigte. Doch in Bremen könnte es künftig eng werden für solche Pojekte und Modelle, denn die Bundesregierung hat die Mittel der Städtebauförderung gekürzt. Gerade die in Bremen besonders erfolgreichen Strategien zur Stabilisierung des sozialen Zusammenhalts in den Quartieren stehen dadurch zur Disposition. Auf der Tagung wurden deshalb Wege und Lösungen vorgestellt und debattiert, um auch künftig den sozialen Zusammenhalt in den Stadtteilen fördern zu können.

Klaus Peter Strohmeier, Soziologieprofessor an der Ruhr-Universität Bochum (These: Segregation und Integration sind die demografische und soziale Herausforderung der Stadtgesellschaft, ppt, 4 MB), machte gleich zu Beginn der Tagung deutlich: "Großstädte wie Bremen müssen den politischen Anspruch aufrechterhalten, die massiven sozialen Unterschiede zwischen armen und reichen Quartieren tendenziell auszugleichen. "Dazu müssten ungleiche Lebensbedingungen in den Quartieren auch ungleich behandelt werden. Notwendig sind nach Auffassung Strohmeiers außerdem breite Bündnisse - sowohl der Akteure in den (Groß-)Städten als auch der Akteure zwischen den (Groß-) Städten. "So gibt es einen Erfahrungsaustausch und die Beteiligten können voneinander lernen", betonte Strohmeier.

Dr. Karl Bronke, Abteilungsleiter bei der Sozialsenatorin (Die soziale Spaltung Bremens - Sozialräumliche Gegenstrategien, ppt, 7 MB): "Weil in benachteiligten Quartieren das Misstrauen gegenüber Politik und Verwaltung groß ist, müssen beispielsweise die Quartiersmanager kontinuierliche und vertraute Ansprechpartner sein. Das schafft außerdem die Grundlage zur Stärkung der Identität der Quartiere." Zur positiven Entwicklung von Quartieren seien sogenannte „Leitprojekte" erforderlich. Das könnten beispielsweise die derzeit zu entwickelnden Quartierszentren sein oder auch Projekte wie „Lernen vor Ort". Wenn an deren Entwicklung die Bewohner von Beginn an beteiligt sind sowie ressortübergreifend geplant würde, stärkten solche Projekte den Zusammenhalt und die Identität der Quartiersbewohner.

Joachim Barloschky, Quartiersmanager in Bremen-Tenever (Schlussfolgerungen aus 20 Jahren Quartiersmanagement, pdf, 150 KB): "Tenever konnte die Abwärtsspirale, in der sich der Stadtteil seit Ende der 1980er befand, vor allem durch die Sanierungen im Wohnungs- und Städtebau stoppen und wenden." Entscheidend für den Erfolg von Quartiersarbeit ist nach den Erfahrungen Barloschkys der politische Wille, tatsächlich die alltäglichen Probleme der Menschen anzugehen. "Dafür ist aber auch Geld nötig - in Tenever waren das allein 30 Millionen Euro." Ohne flankierende Programme des Bundes und der Europäischen Union seien langfristige Projekte wie in Tenever nicht zu stemmen. Zentral für die Entwicklung der Quartiere sei die Beteiligung der Bewohner. "Hier wird keine Entscheidung am 'grünen Tisch' getroffen, sondern gemeinsam ausgehandelt - immer im Konsens."

Die Arbeitnehmerkammer fordert den Bremer Senat auf,

  • die bisher zur Verfügung stehenden Mittel für die erfolgreichen Programme "WiN" und "die Soziale Stadt" zumindest im bisherigen Umfang auch in Zukunft zu sichern (so wie auch andere Städte dies tun, etwa Berlin).
  • finanzielle und personelle Ressourcen zugunsten derjenigen Wohnquartiere und Ortsteile umzusteuern, in denen in einem besonderen Maße soziale Integrationsleistungen für die Gesamtstadt erbracht werden,
  • einen Quartiers- bzw. Ortsteilfonds einzusetzen, um ressortübergreifend die notwendigen Investitionen in den jeweiligen Quartieren zu ermöglichen. Dabei sollte die in einigen Bremer Ortsteilen bereits sehr erfolgreich praktizierte Bewohnerbeteiligung konsequent weiterentwickelt und auch in anderen Gebieten gefördert werden.
  • preisgünstigen Wohnungsneubau in zentrumsnahen Lagen zu realisieren - angesichts der bereits bestehenden Wohnungsnot im unteren und mittleren Mietpreissegment (z.B. im Bremer Osten).

Darüber hinaus bekräftigt die Kammer ihre Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn. "Nur so lässt sich die weitere Erosion der Löhne und Einkommen bremsen, was gerade in den benachteiligten Quartieren das Zusammenleben massiv erschwert", betont Hauptgeschäftsführer Ingo Schierenbeck abschließend.

Weitere Vorträge:

 


Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Arbeitnehmerkammer Bremen und:

  • Soziale Stadt Bremen, Tenever
  • win
  • GEWOBA
  • Die Senatorin fürArbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales
  • vdw
  • bisa+e


Dienstag, 5. April 2011
10-17

 

Kultursaal der Arbeitnehmerkammer Bremen
Bürgerstr. 1
28195 Bremen




Thomas Schwarzer
Politikberatung
Bürgerstraße 1
28195 Bremen
Tel: 0421-36301-976
E-Mail: schwarzer@arbeitnehmerkammer.de








Weitere Informationen:
 

BLOCK I

10 Uhr
Begrüßung
Ingo Schierenbeck (Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen)

10:15 Uhr
Die soziale Spaltung der Stadt in Zeiten des sozialstaatlichen Umbaus - aus der Perspektive benachteiligter Quartiere
Prof. Klaus Peter Strohmeier (Ruhr-Universität Bochum / ZEFIR)

10:50 Uhr
Die soziale Spaltung Bremens - Sozialräumliche Gegenstrategien
Dr. Karl Bronke (von der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales)

11:15 Uhr
Debatte - Nachfragen, Diskussion

11:35 Uhr
Kaffeepause

BLOCK II
Quartiersentwicklung - lokale und sozialpolitische Herausforderungen

11:50 Uhr
Position I: Gemeinwesenarbeit, Quartiersmanagement und Politik

Maren Schreier (bisa)

12:10 Uhr
Position II: Wohnungsgesellschaften - Akteure einer Quartiers- und Stadtentwicklungspolitik

Manfred Sydow (GEWOBA)

12:30 Uhr
Statements aus dem Publikum

12:45 Uhr
Debatte: Möglichkeiten und Grenzen der Quartiersentwicklung

13 Uhr
Mittagsimbiss

BLOCK III
Beteiligung als zentrales Prinzip von Quartiersarbeit

13:45 Uhr
Position I: Das Konsens-Prinzip als Beteiligungsinstrument
Prof. Yoshihiko Nawata (Hosei University)

14 Uhr
Position II: Wie Beteiligung in benachteiligten Quartieren gelingen kann
Dr. Miriam Fritsche (bisa)

14:15 Uhr
Statements aus dem Publikum

14:30 Uhr
Beteiligung praktisch - Beteiligung als durchgängiges Arbeitsprinzip
Dr. Maria Lüttringhaus (DGCC)

15:30 Uhr
Kaffeepause

15:45 Uhr
Diskussion und Forderungen


Forderungen I: Schlussfolgerungen aus 20 Jahren Quartiersmanagement
Joachim Barloschky (Leiter der Pojektgruppe Tenever)

Forderungen II: Ausblick zur Quartiersentwicklung durch die Wohnungswirtschaft
Bernd Meyer (Verbandsdirektor des vdw Niedersachsen, Bremen)

Forderungen III: an die Stadt-(teil-)politik
Thomas Schwarzer (Arbeitnehmerkammer Bremen)

17 Uhr
Ende der Veranstaltung