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21.12.2016

Teilzeitbeschäftigte profitieren besonders

Über höhere Verdienste können sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen freuen: So legten die Einkommen im Jahr 2015 um nominal 2,6 Prozent zu und lagen bei durchschnittlich 3.709 Euro brutto im Monat. Auch real hatten die Beschäftigten deutlich mehr Geld im Portemonnaie, da die Inflation nahe null Prozent lag. 2015 war somit das Jahr mit dem stärksten realen Anstieg der Arbeitnehmereinkommen seit fünf Jahren. Das Besondere an der Entwicklung: Vor allem Teilzeitkräfte und Ungelernte haben vom Lohnplus profitiert. „Das ist für uns ein deutliches Zeichen, dass der gesetzliche Mindestlohn wirkt und er weiter angepasst werden muss“, betonte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Die ab Januar 2017 geplante Erhöhung auf 8 Euro 84 sei dringend nötig, aber noch zu niedrig. „Wenn das Ziel eine armutsfeste Rente ist, muss der Mindestlohn mehr als elf Euro betragen“, betonte Schierenbeck.

Verdienste-Ranking: Bremen auf Platz sechs
Die Auswertung für das gesamte Jahr 2015 hat die Arbeitnehmerkammer auf der Grundlage von Zahlen des Statistischen Landesamtes sowie der Bundesagentur für Arbeit vorgenommen. Danach liegt Bremen im Ranking mit den anderen Bundesländern hinter Hamburg, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen auf dem sechsten Platz und damit über dem Bundesdurchschnitt. Deutlich besser schneidet Bremen ab bei einem Vergleich der Verdienste der Facharbeiter: Sie erhielten 2015 im Durchschnitt 3.214 Euro brutto monatlich und landen im bundesweiten Vergleich so auf Platz drei hinter Baden-Württemberg und Hamburg. Grund für die positive Entwicklung waren neben der Einführung des Mindestlohns nach wie vor das stabile Wirtschaftswachstum, stabile Verbraucherpreise und Tarifabschlüsse deutlich über der Inflationsrate.

Mindestlohn wirkt – auch im Gastgewerbe
Lohnunterschiede zeigen sich auch bei den Beschäftigungsformen. Besonders profitiert haben hier 2015 Teilzeitbeschäftigte, die mit einem Lohnzuwachs von 3,1 Prozent über dem Durchschnitt liegen. Dass insbesondere der Mindestlohn sein Ziel erreicht hat, bestätigt sich auch, wenn man die Branche betrachtet, in der für gewöhnlich geringe Löhne erzielt werden: das Gastgewerbe. Eine Auswertung der Stundenlöhne zeigt, dass Teilzeitbeschäftigte hier einen Lohnzuwachs von 8,7 Prozent im Jahr 2015 erzielten. Hier wurden auch vielfach Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt.

Zudem profitierten über alle Branchen hinweg insbesondere ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Sie erzielten 3,0 Prozent mehr Lohn statt der durchschnittlichen 2,6 Prozent. Da davon auszugehen ist, dass gerade Ungelernte häufig im unteren Einkommensbereich zu finden sind, ist dies ein deutlicher Aufwärtstrend.

Und trotzdem: Niedriglohnsektor bleibt ein Problem
Diese positiven Entwicklungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausbreitung geringer Löhne (Niedriglöhne) nach wie vor ein Problem des Bremer Arbeitsmarktes darstellt. Nach der Definition der OECD gilt als Beschäftigter im „unteren Entgeltbereich“, wer bei einer Vollzeittätigkeit weniger als zwei Drittel des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten erzielt. Für Westdeutschland liegt er für das Jahr 2015 bei 2.146 Euro brutto monatlich. Zum Vergleich: Mit dem aktuell geltenden Mindestlohn von 8 Euro 50 erhält ein Vollzeitbeschäftigter bei einer 40-Stunden-Woche brutto 1.473 Euro.

So wundert es nicht, dass trotz positiver Wirkung des Mindestlohns der Niedriglohnsektor im Land Bremen bei immer noch 19,9 Prozent liegt. Er ist damit gegenüber Westdeutschland leicht überdurchschnittlich. Rund 40.000 Vollzeitbeschäftigte, und damit jeder fünfte Arbeitnehmer im Land Bremen, arbeiteten 2015 für einen Niedriglohn. Ein besonders hohes Niedriglohn-Risiko haben Beschäftigte ohne Berufsabschluss – mehr als 45 Prozent sind betroffen. Und gut die Hälfte aller Beschäftigten in Helfertätigkeiten erhalten trotz Vollzeit nur einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Unter den einzelnen Branchen ist nach wie vor das Gastgewerbe besonders auffällig: In der Gastronomie arbeiten rund 2.200 der insgesamt rund 2.900 Vollzeitbeschäftigten für einen Niedriglohn (75,4 Prozent). Aber auch in der Leiharbeit sind 6.700 der insgesamt 10.300 Vollzeitbeschäftigten (65,2 Prozent) von einem niedrigen Lohn betroffen. Eine weitere Branche ist das Gesundheitswesen: Jede/jeder Fünfte arbeitet hier für einen Niedriglohn.

Bremer Arbeitsmarkt gespalten – die Ränder sind stärker als die Mitte
Insgesamt ist der Bremer Arbeitsmarkt damit weiterhin einer deutlichen Spaltung unterworfen. Betrachtet man die Bruttolöhne nach den sogenannten Entgeltklassen, so zeigt sich, dass Bremen gegenüber dem westdeutschen Schnitt bei den geringen Einkommen, aber auch bei denen über 4.000 Euro brutto überdurchschnittlich ist.

Rund jeder Dritte verdiente mehr als 4.000 Euro – rund vier Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. 19,8 Prozent verdienten sogar mehr als 5.000 Euro. Weniger als die Hälfte der Bremer Beschäftigten erzielte ein Einkommen zwischen 2.000 und 4.000 Euro, während es in Westdeutschland insgesamt fünf Prozent mehr sind. Ausschlaggebend für die besonders hohen Löhne sind Bremens starke Branchen wie das verarbeitende Gewerbe, der Fahrzeugbau, die Luft- und Raumfahrt. Aber auch der Bereich Verkehr und Lagerei liegt dank tarifgebundener Arbeit im Hafen um rund 20 Prozent über dem westdeutschen Schnitt.


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