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29.11.2016

Arbeitnehmerkammer zur Vorstellung des Weißbuchs "Arbeiten 4.0" des Bundesarbeitsministeriums

Heute wurde im Bundesministerium für Arbeit und Soziales das Weißbuch "Arbeiten 4.0" vorgestellt. Damit ist ein weiterer Meilenstein in der politischen Diskussion zur Zukunft der Arbeit gesetzt. Die Arbeitnehmerkammer Bremen hat sich an diesem Prozess – unter anderem mit einer Stellungnahme zum Grünbuch 4.0 – ebenfalls beteiligt.

Arbeit oder Industrie 4.0 geht in der öffentlichen Debatte oft einher mit entweder Szenarien von deutlichen Beschäftigungsverlusten oder Glücksversprechen von frei wählbaren Arbeitszeiten. "Diese Diskussionen sind wenig zielführend", so Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. "Wir brauchen eine möglichst genaue Kenntnis der Auswirkung von Digitalisierung in den Bremer Branchen. Hier muss auch die Bremer Politik einen Schwerpunkt setzen, um Potenziale nutzen zu können, aber auch vorausschauende Beschäftigungspolitik zu betreiben."

Qualifizierungsoffensive ist nötig
Wenn etwa Prognosen richtig sind, nach denen viele Einfachtätigkeiten wegfallen könnten, ist es im Land Bremen mit bereits hoher Langzeitarbeitslosigkeit umso wichtiger, eine Qualifizierungsoffensive in den betreffenden Branchen, etwa der Logistik mit rund 30.000 Beschäftigten zu starten. Hierfür muss auch ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, der Arbeitnehmern jeder Qualifikationsstufe erlaubt, sich weiterzubilden. Hier sind Ideen sehr zu begrüßen, die die Agentur für Arbeit wieder stärker in betriebliche Qualifizierungsprozesse einbindet.

Vorschläge für Branchen mit älteren Belegschaften
Vorschläge sind auch gefragt für jene Branchen, die in Bremen einen hohen Anteil an älteren Belegschaften aufweisen wie etwa die Automobilindustrie, die Stahlindustrie oder die Hafenlogistik. Sonst ist die Gefahr groß, dass hier viele Arbeitnehmer keinen Anschluss an die bevorstehenden Digitalisierungsschübe finden werden.

Es muss nun darum gehen, tragfähige Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu finden, etwa zur Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort oder dem Einsatz neuer digitaler Medien. Aktuell geht der Einsatz digitaler Medien häufig zulasten von Arbeitnehmern, die etwa Arbeitszeit zu Hause nicht angerechnet bekommen. "Wir brauchen Standards für mobiles Arbeiten, sonst bezahlen Beschäftigte die Digitalisierung mit ihrer Gesundheit und ihrer Freizeit", so Schierenbeck. Was die Arbeitszeitdebatte angeht, so vertritt die Arbeitnehmerkammer seit langem die Position, dass das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit gesetzlich verankert werden muss.

Der von Bundesministerin Nahles eingeforderte "Flexibilitätskompromiss" muss aber auch dem großen Ausmaß von entgrenzter Arbeit wirksam entgegenwirken. Beispiel Einzelhandel: Hier arbeiten in Bremen rund 20.000 Beschäftigte und viele von ihnen können sich nicht auf Schichten verlassen oder müssen quasi auf Abruf zur Verfügung stehen. Und auch in hoch qualifizierten Branchen wie der IT-Branche mit rund 6.000 Beschäftigten finden wir "entgrenzte" Verhältnisse, wenn Projekte termingerecht fertiggestellt werden müssen ohne dass danach gefragt wird, wieviel Zeit ein Beschäftigter dafür aufwenden muss.