Sie befinden sich auf dem Internetangebot der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Arbeitnehmerkammer auf Twitter

english summaryTürkçe özet i.S.v.русский язык - краткое изложениеPodsumowanie w j. polskim

24.05.16

Schulisches Praktikum ist der beste Einstieg in Ausbildung

Zu den vollständigen Ergebnissen der Befragung

Pressemitteilung

Auszubildende und Betriebe kommen am besten über ein Praktikum  zueinander. Das bestätigten Bremer und Bremerhavener Betriebsräte in einer aktuellen Befragung der Arbeitnehmerkammer. Demnach nutzen die Betriebe zwar mehrere Wege, um passende Auszubildende zu finden. Das gegenseitige Kennenlernen über ein Praktikum in der Berufsorientierung hat nach Angaben der Betriebsräte jedoch den größten Erfolg. „Das unterstreicht noch einmal, wie wichtig es ist, dass Jugendliche schon während der Schulzeit ausreichend Gelegenheit bekommen, über ein Praktikum den Beruf und auch einen Berieb kennenzulernen“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. „Die Vorteile des gegenseitigen Kennenlernens müssen von beiden Seiten noch stärker wahrgenommen werden als bisher.“

Mitbestimmte Betriebe stark an Ausbildung interessiert

Die Situation am Bremer und Bremerhavener Ausbildungsmarkt ist seit vielen Jahren davon geprägt, dass die Lücke zwischen dem Ausbildungsangebot und den interessierten Jugendlichen groß ist. Laut jüngster Statistik stehen 400 unbesetzte Ausbildungsstellen 870 jungen Menschen gegenüber, deren Bewerbungen erfolglos geblieben sind. Die diesjährige Betriebsrätebefragung hat deshalb noch einmal gesondert nach der Ausbildungssituation gefragt. Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse, dass die Ausbildungsbereitschaft und die Ausbildungsqualität in Unternehmen mit einem Betriebsrat, also in so genannten mitbestimmten Betrieben, deutlich höher ist. Während von den ausbildungsberechtigten Betrieben im Land Bremen nur rund 54 Prozent auch tatsächlich ausbilden, sind es bei den befragten mitbestimmten Betrieben immerhin 86 Prozent.

Betriebsräte sorgen für gute Ausbildungsbedingungen

Hinter dem Ausbildungsengagement ihrer Unternehmen steckt nach Einschätzung der Betriebsräte das Interesse, den eigenen Fachkräftebedarf zu decken. Nur ein kleinerer Teil gab an, ihr Unternehmen denke vorrangig an wirtschaftliche Vorteile. Die Ausbildungsqualität bewerten die Betriebsräte in ihren Unternehmen als hoch. So stehen den Angaben zufolge in der Regel ausreichend Ausbilder zur Verfügung, die Ausbildungspläne würden eingehalten und die Azubis in Prüfungsphasen durchaus vom Betrieb unterstützt. Diese positive Einschätzung der Ausbildungssituation deckt sich mit der Wahrnehmung der Azubis, wie der jährliche Ausbildungsreport des DGB zeigt. Demnach sind Auszubildende in mitbestimmten Betrieben deutlich zufriedener mit ihrer Ausbildung. „Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig eine gut funktionierende Mitbestimmung im Betrieb ist – sie wirkt sich nicht nur positiv auf die Situation der Beschäftigten aus, sondern fördert auch das Ausbildungsengagement der Unternehmen.“

Betriebsräte: Wirtschaftliche Lage im Land Bremen stabil

Neben der Sonderbefragung zum Thema Ausbildung wurden die Betriebsräte wie jedes Jahr nach ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Lage gefragt. Betriebsräte genießen vielfältige Möglichkeiten der wirtschaftlichen Mitbestimmung, sie müssen auch bei Personalentscheidungen beteiligt werden. Insofern können sie kompetent Auskunft geben über die Entwicklungen in ihrem Unternehmen. Die meisten Betriebsräte blicken sogar positiver in die Zukunft als im Jahr zuvor. Nur noch 17 Prozent der Betriebsräte (Vorjahr: 25 Prozent) befürchten einen „Beschäftigungsabbau“  in 2016, knapp 19 Prozent rechnen dagegen mit mehr Beschäftigung und knapp 65 Prozent mit einem gleichbleibenden Niveau.

Auch wenn die Zahl der Betriebe, in denen Leiharbeitnehmer eingesetzt werden, nach Jahren eines kontinuierlichen Aufwärtstrends leicht abnahm, kommen immer noch in rund 49 Prozent aller Betriebe Leiharbeitnehmer zum Einsatz. Nach Einschätzung der Betriebsräte führt Leiharbeit zu einer Zwei-Klassengesellschaft im Betrieb: Als häufigste Motive für den Einsatz von Leiharbeitnehmern wird „Ersatz für Stammbelegschaft“ oder „Ergänzung der Stammbelegschaft“ genannt.

Die Betriebsräte wurden zudem gefragt, ob Leiharbeit in ihrem Unternehmen ein Sprungbrett hin zu einer regulären Festeinstellung sei. Die Antwort bleibt ernüchternd: Von Einzelfällen abgesehen ist das eher die Ausnahme. Nur in jedem fünften Unternehmen kommt eine Übernahme von Leiharbeitnehmern häufiger vor, in rund 31 der Unternehmen gar nicht. Dabei muss man davon ausgehen, dass sich die Situation für Leiharbeitnehmer in mitbestimmten Betrieben noch besser darstellt als in denen ohne Betriebsrat.

Vor diesem Hintergrund wertet die Arbeitnehmerkammer den nun vorliegenden Gesetzesentwurf zur Reform der Leiharbeit als unzureichend. Der Dauerentleihe ist kein Riegel vorgeschoben. Denn die neue Überlassungshöchstgrenze von 18 Monaten bezieht sich auf die Leiharbeitsbeschäftigten, nicht auf den Arbeitsplatz beim entleihenden Unternehmen. Schon heute sind außerdem die Einsatzzeiten von Leiharbeitnehmern viel kürzer. Etwa jedes zweite Leiharbeitsverhältnis hält nicht einmal drei Monate. Deshalb werden die meisten Betroffenen auch kaum in den Genuss der neuen Equal-Pay-regelung kommen, die frühestens nach neun Monaten greift.

Die Befragung

Für die Befragung wurden 491 Betriebsräte in Bremen und Bremerhaven angeschrieben. Der Rücklauf von 148 gültigen Fragebögen entspricht einer Quote von 30,1 Prozent - ein Wert, der deutlich höher liegt als bei vergleichbaren Befragungen. Die Größe der Befragung und die Zusammensetzung nach Branchen gewährleisten ein hohes Maß an Aussagekraft.