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06.04.16

Beschäftigung im Land Bremen legt erneut zu

Kammer legt Bericht zur Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land Bremen vor

Die Beschäftigung hat im Land Bremen 2015 mit einem Plus von mehr als 4.700 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen erneut zugenommen. Davon sind in Bremen 4.212 (+1,6 Prozent) und in Bremerhaven 517 (+1,04 Prozent) entstanden. "Wir begrüßen diesen anhaltend positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt", so Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, "zumal wir auch bei den Löhnen im Verhältnis zum Bund wieder überdurchschnittlich abschneiden und in allen Bereichen Reallohngewinne verzeichnen." Der Lagebericht der Arbeitnehmerkammer (Download, pdf) wirft in über 20 Kapiteln einen genauen Blick auf diese Entwicklungen.

Leiharbeit nimmt in Bremen weiter zu, verarbeitendes Gewerbe verliert
Es zeigt sich dabei, dass die positive Gesamtbilanz einige Schönheitsfehler aufweist. Das Beschäftigungsplus ging im vergangenen Jahr vor allem auf das Konto der Stadt Bremen. Neben dem Baugewerbe und Dienstleistungen im sozialen und im Gesundheitsbereich war es aber vor allem die Leiharbeit, die in der Stadt Bremen mit über 1.400 zusätzlichen Arbeitsplätzen ein Drittel des Beschäftigungszuwachses ausmacht. "Das ist bedenklich, weil Leiharbeit für die Beschäftigten oft ein Schleudersitz ist und in vielen Fällen nur eine unsichere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt bietet", so Schierenbeck. Rückfragen bei Betrieben zeigten außerdem, dass Arbeitgeber zunehmend auf Werkverträge im tariflosen Raum ausweichen. "Wer die Leiharbeit gesetzlich wieder ein Stück weit regeln will, muss zwingend auch den ausufernden Einsatz von Werkverträgen begrenzen", betonte Schierenbeck.

Als wiederum sehr positiv wertet die Arbeitnehmerkammer die fast 800 neuen Arbeitsplätze im Gastgewerbe, die in der Stadt Bremen entstanden sind – ein wichtiger Effekt des gesetzlichen Mindestlohns, der seit Anfang 2015 in Kraft ist. Hier wurden aus Minijobs, die in beiden Städten leicht rückläufig sind, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. "Bislang haben im Gastgewerbe die Minijobs überwogen. Wenn der Mindestlohn dazu führt, dass hier wieder vermehrt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen, ist das eine gute Entwicklung", betonte Schierenbeck.

Bremerhaven: Gebremstes Wachstum, Beschäftigungsplus bei Frauen
Bremerhaven hat durch die positiven Entwicklungen in der Windkraft-Industrie und auch im Hafen lange für das Beschäftigungsplus im Land Bremen gesorgt. Diese Entwicklung ist seit zwei Jahren ausgebremst. Zwar nehmen die sozialversicherungspflichtigen Jobs noch zu, doch profitieren im Gegensatz zu früher die Frauen. Männerdominierte Branchen wie die Windenergie stagnieren, Frauen gewinnen im Einzelhandel, im Sozialwesen und der Gastronomie. "Und auch in Bremerhaven beobachten wir – mehr noch als in Bremen – einen Rückgang der Minijobs", so Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer. "550 Minijobs oder 4,9 Prozent weniger, das ist sicher auch ein Effekt des gesetzlichen Mindestlohns." Aus bundesweiten Studien ist bekannt, dass der Mindestlohn in der Vergangenheit hauptsächlich in den Minijobs unterschritten wurde. Ein Treiber für die Bremerhavener Beschäftigung aber auch die Stadtentwicklung ist die Wissenschaft: Er ist in den vergangenen Jahren (2007 bis 2014) der dynamischste Sektor mit einem Plus von 85 Prozent gewesen. "Das ist ein Pfund für Bremerhaven, das unbedingt weiter gefördert werden muss", so Heyduck. "Die Hochschule und die Forschungseinrichtungen tragen maßgeblich zum Imagewandel Bremerhavens bei."

Wissensintensive Dienstleistungen fördern
Ein besonderes Augenmerk hat die Arbeitnehmerkammer in dem vorgestellten Bericht daher auf die sogenannten wissensintensiven Dienstleistungen gerichtet. Wissensarbeit ist weniger durch Routinen, als vielmehr durch Vielfalt und Ausnahmen geprägt, sie umfasst Tätigkeiten wie Forschen, Entwickeln, Werben und Beraten. Oder in Wirtschaftsbereichen und Berufen: Ingenieurs- und Forschungsbüros, IT-Experten, Rechts- und Unternehmensberater, Kommunikationsdienstleister. "Als Innovationstreiber und Anbieter von speziellem Wissen sind sie quasi das Salz in der Suppe einer zukunftsfähigen Wirtschaftsstruktur", so Ingo Schierenbeck. "Und: Sie sind Wachstumstreiber." Seit 2007 wurden hier im Land Bremen 11.000 neue Stellen geschaffen. Das ist ein Plus von 20,3 Prozent und damit ein doppelt so hohes Wachstum im Vergleich zur Entwicklung der Gesamtbeschäftigung. Überdurchschnittlich sind ebenso der Anteil der hoch qualifizierten Beschäftigten, die Vollzeitquote und die Löhne. Der Lagebericht der Arbeitnehmerkammer zeigt gleichwohl: Hier gibt es Luft nach oben, da in anderen Großstädten der Anteil der Beschäftigten in diesen Bereichen schon deutlich höher ist. "Wir plädieren erneut dafür, die Dienstleistungen auch in der Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung als eigenständige Größe in den Blick zu nehmen und einen Masterplan Dienstleistungen zu entwickeln", betont Schierenbeck.

Frauen unterm Durchschnitt
Und dies nicht nur für die Wissensarbeiter. „Die Verdienste der Frauen in den personennahen Dienstleistungen sind und bleiben die Achillesferse des Bremer Lohngefüges“, so Elke Heyduck. Der Gender Pay Gap im Land ist unverändert hoch bei rund 25 Prozent. "Was uns aber doch unangenehm überrascht hat, ist, dass Frauen in den typisch weiblichen Berufen der Erziehung, Pflege und Sozialarbeit nicht einmal den über alle Berufe gemessenen Lohndurchschnitt bekommen." Männer schon. Sie verdienen 32 Prozent mehr in medizinischen Gesundheitsberufen und 16 Prozent mehr in Erziehungs- und Sozialberufen. Heyduck: "Diese Erkenntnis sollte der Bremer Politik zu denken geben, ist sie doch in vielen Fällen mit verantwortlich für das Lohngefüge dieser Branchen."

Beschäftigungsentwicklung in der Stadt Bremen nach Wirtschaftsabschnitten (Juni 2014 - 2015)
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Beschäftigungsentwicklung in der Stadt Bremerhaven nach Wirtschaftsabschnitten und Geschlecht (Juni 2014 - 2015)
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Mehr als 97.000 Rechts- und Steuerberatungen hat die Arbeitnehmerkammer an ihren drei Standorten in der Bremer Innenstadt, in Bremen-Nord und in Bremerhaven in 2014 durchgeführt. Damit ist die Nachfrage noch einmal deutlich gestiegen und liegt so hoch wie nie zuvor. Diese Entwicklung bestätigt den Trend aus dem Vorjahr, dass trotz guter Konjunktur der Beratungsbedarf vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern weiter wächst. „Die Lage am Arbeitsmarkt ist auf den ersten Blick zwar gut, der zweite Blick offenbart aber deutliche Schwächen: Viele unserer Mitglieder arbeiten in Minijobs, befristeten Beschäftigungsverhältnissen, zu Niedriglöhnen oder ohne Tarifbindung. Diese Mitglieder sind zunehmend auf rechtliche Unterstützung und Beratung angewiesen“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

 

Gehaltsfragen nehmen deutlich zu

Die arbeitsrechtlichen Beratungen sind 2014 im Vergleich zum Vorjahr um fast 2.500 auf mehr als 41.000 Beratungen gestiegen. Top-Thema mit einem deutlichen Anstieg waren Fragen zum Gehalt. Mittlerweile sind die Beratungen hier auf mehr als 6.000 gestiegen. Inhaltlich geht es oft um angemessene Vergütungen, Ansprüche auf Zuschläge und jährliche Gehaltsanpassungen oder die gleiche Bezahlung von Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten. Schierenbeck: „Neue Arbeitsplätze entstehen vor allem im Dienstleistungsbereich. Hier sind oft noch keine Tarifverträge vorhanden und es fehlen betriebliche Interessenvertretungen. Die Gehaltsstrukturen sind deshalb intransparent und zum Teil ungerecht. Dies beinhaltet zunehmend Konfliktpotenzial und führt zu einem erhöhten Beratungsaufkommen.“

 

Wegen des seit Anfang 2015 geltenden gesetzlichen Mindestlohns geht die Arbeitnehmerkammer davon aus, dass kurzfristig noch mehr Beschäftigte auf Beratung in Sachen Lohn und Gehalt angewiesen sind. „Wir bieten unseren Mitgliedern deshalb ab sofort einen Mindestlohn-Check an“, so Schierenbeck. Hier können sich alle Beschäftigten in Bremen und Bremerhaven informieren, ob der Mindestlohn auch für sie gilt, wie sich der Mindestlohn berechnet und was sie tun können, wenn der Arbeitgeber die neuen Vorschriften nicht einhält.

 

Ebenfalls zugelegt haben Beratungen zu Zeugnis- und Vertragsfragen und zu Eigenkündigungen. „Daran wird deutlich, dass ein Teil der Arbeitnehmer die gute Konjunktur für sich nutzt und neue Beschäftigungschancen sucht“, so Claudius Kaminiarz, Leiter der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer Bremen. Die Arbeitgeber wiederum greifen offenbar etwas seltener zum Mittel der Kündigung. So sind erstmals seit Jahren die Beratungen zu arbeitgeberseitigen Kündigungen nicht weiter angestiegen, sondern verharrten auf hohem Niveau von rund 5.000 Beratungen.  

 

Auf die Beratungszahlen ausgewirkt haben sich auch die neuen Regelungen zur Rente mit 63, die zum 1. Juli 2014 eingeführt wurden. In vielen der mehr als 1.200 Beratungen zum Rentenrecht ging es um die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um früher in Rente zu gehen. „Die derzeitige Diskussion, es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu ermöglichen, auch über das Renteneintrittsalter hinaus bis zum 70. Lebensjahr zu arbeiten, spielt in unserer Beratung keine Rolle“, so Kaminiarz. Zudem sei es auch schon heute möglich, nach dem Renteneintritt weiter zu arbeiten, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich einig seien: „Diese Flexibilität gibt es schon heute. Ein früheres Ausscheiden aus dem Betrieb ist dagegen für die meisten kaum möglich – daran hat auch die Rente mit 63 leider wenig geändert.“

 

Kompliziertes Steuerrecht
Deutlich angestiegen ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach steuerrechtlicher Beratung, deren Zahl sich 2014 auf mehr als 41.500 erhöhte. Hierbei standen vor allem Fragen zur Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten, zu Kindergeld und Kinderfreibeträgen im Mittelpunkt. Zugenommen haben auch Fragen zum neuen Umgang mit Reisekosten. Dies war vor allem für Arbeitnehmer von Bedeutung, die von ihrem Arbeitgeber häufig an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden. Auch die Frage, inwieweit sich haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich anrechnen lassen, spielte in der Beratung eine große Rolle. Die Arbeitnehmerkammer erstellte 2014 allein rund 28.800 Steuererklärungen.

 

Öffentliche Rechtsberatung
Die Öffentliche Rechtsberatung, die die Arbeitnehmerkammer im Auftrag des Landes Bremen für Bürger mit geringem Einkommen durchführt, umfasst eine Vielzahl von Rechtsgebieten, etwa das Miet-, Familien-, Erb- und Vertragsrecht. 2014 hat die Arbeitnehmerkammer hier mehr als 14.600 Beratungen durchgeführt. Deutlich zugenommen haben hier die Anfragen zum Mietrecht, wobei die Nebenkostenabrechnungen nach wie vor im Mittelpunkt stehen. Aber auch Streitigkeiten über Schönheitsreparaturen oder zur Kaution sorgen immer wieder für Beratungsbedarf auf Seiten der Mieter.

 

Ein Dauerthema in der Öffentlichen Rechtsberatung sind Internet- und Telefonverträge – insbesondere in Zusammenhang mit einem Anbieterwechsel oder wenn der bestehende Anbieter Preise und Leistungen ändert. Auch Online-Käufe und der Abschluss von Verträgen über das Medium Internet führen häufig zu Schwierigkeiten.