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21.01.16

Löhne der Fachkräfte in Bremen besonders hoch

Aktuelles „Kammer kompakt“ zur Entwicklung der Einkommen

Die Löhne im Land Bremen sind 2015 erneut gestiegen. Im Bundesländervergleich liegt Bremen mit einem monatlichen Durchschnittsverdienst von 3.776 Euro brutto gleich hinter Hamburg, Hessen und Baden-Württemberg an vierter Stelle. Das geht aus dem aktuellen „Kammer kompakt“ hervor, dass die Arbeitnehmerkammer Bremen am 21. Januar vorgestellt hat. Besonders gut sieht es bei den Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung aus, die in Bremen so viel verdienen wie in kaum einem anderen Bundesland. Ungelernte und angelernte Beschäftigte erhalten dagegen deutlich niedrigere Löhne. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich eine gute Berufsausbildung auch heute noch rechnet und sich am Arbeitsmarkt bezahlt macht“, betonte Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Gute Verdienste in der Industrie
Hinter den Durchschnittsgehältern verbergen sich deutliche Unterschiede bei den Einkommen je nach Leistungsgruppe, also der Aufgabe im Betrieb: Arbeitnehmer in leitender Stellung verdienen beispielsweise 6.323 Euro und damit mehr als dreimal so viel wie ungelernte Arbeitnehmer, die im Schnitt 2.079 Euro erzielen. Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung verdienen im Land Bremen im Durchschnitt 3.289 Euro brutto monatlich – mehr Geld erhalten nur Fachkräfte in Baden-Württemberg. Im Bundesländerranking spielt – neben einem Ost-West-Gefälle – vor allem der industrielle Anteil der Wirtschaft und die Exportstärke eine Rolle. „Bremens Position im Bundesländervergleich spiegelt ganz deutlich die industrielle Stärke wider mit den Großunternehmen im Autobau sowie der Luft- und Raumfahrttechnik“, erläuterte Schierenbeck.

Noch immer verdienen die Beschäftigten in der Industrie deutlich mehr als im Dienstleistungssektor. So liegt der Bruttomonatsverdienst für Fachkräfte im verarbeitenden Gewerbe bei 3.889 Euro brutto und damit rund 25 Prozent über dem der Fachkräfte im gesamten Dienstleistungsbereich. Ein genauer Blick auf die Branchen zeigt: Neben dem Fahrzeugbau findet sich der Maschinenbau an der Spitze der Branchen, gefolgt von einzelnen Dienstleistungsbranchen: Die Kommunikationsbranche, das Verlagswesen und der Finanzdienstleistungsbereich sind Beispiele für „markbestimmte“ Dienstleistungsbranchen mit guten Einkommen. Im Gastgewerbe und im Einzelhandel fallen die Löhne nach wie vor gering aus und liegen am unteren Ende der Skala.

Mehr Geld im Portemonnaie: Reallöhne steigen
Seit 2010 steigen im Land Bremen und bundesweit die realen Löhne, das heißt, sie steigen auch, wenn man die Inflation berücksichtigt. Die Beschäftigten haben also tatsächlich wieder mehr Geld in der Tasche. Nach Schätzung der Arbeitnehmerkammer ist im Jahresdurchschnitt 2015 mit einem Anstieg der realen Löhne von mindestens zwei Prozent zu rechnen.

Der Anstieg der Reallöhne fällt dabei – wie zu erwarten – im produzierenden Gewerbe etwas stärker aus als im Dienstleistungsbereich. „Endlich steigen aber auch die Einkommen derer, die sich mit Pflege, Gesundheit, Erziehung und vergleichbar wichtigen Dingen beschäftigen“, so Elke Heyduck, Geschäftsführerin. Diese sogenannten nicht-marktbestimmten Dienstleistungen, konnten erstmals seit 2010 ein reales Plus verzeichnen.

Mindestlohn wirkt sich positiv auf Verdienste aus
Auch im Niedriglohnbereich sind die realen Löhne im vergangenen Jahr gestiegen. Bundesweit haben vor allem die geringfügig Beschäftigten beziehungsweise die ungelernten Arbeitnehmer profitiert. Allerdings haben auch schon im Vorfeld der Mindestlohngesetzgebung Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände in einer ganzen Reihe von Branchen Mindestlohntarifverträge abgeschlossen. Zudem hat es im Land aber auch Arbeitsplatzgewinne gegeben, die sich auf den Mindestlohn zurückführen lassen, wie etwa im Gastgewerbe: Allein im Arbeitsamtsbezirk Bremen-Bremerhaven war in dieser Branche Mitte des Jahres ein Plus von mehr als 900 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen; der Trend im Bund ist ähnlich. „Der Schluss liegt nahe, dass hier Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt wurde. Das wäre eine echte Trendwende“, freute sich Elke Heyduck.  

 


Mehr als 97.000 Rechts- und Steuerberatungen hat die Arbeitnehmerkammer an ihren drei Standorten in der Bremer Innenstadt, in Bremen-Nord und in Bremerhaven in 2014 durchgeführt. Damit ist die Nachfrage noch einmal deutlich gestiegen und liegt so hoch wie nie zuvor. Diese Entwicklung bestätigt den Trend aus dem Vorjahr, dass trotz guter Konjunktur der Beratungsbedarf vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern weiter wächst. „Die Lage am Arbeitsmarkt ist auf den ersten Blick zwar gut, der zweite Blick offenbart aber deutliche Schwächen: Viele unserer Mitglieder arbeiten in Minijobs, befristeten Beschäftigungsverhältnissen, zu Niedriglöhnen oder ohne Tarifbindung. Diese Mitglieder sind zunehmend auf rechtliche Unterstützung und Beratung angewiesen“, betont Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

 

Gehaltsfragen nehmen deutlich zu

Die arbeitsrechtlichen Beratungen sind 2014 im Vergleich zum Vorjahr um fast 2.500 auf mehr als 41.000 Beratungen gestiegen. Top-Thema mit einem deutlichen Anstieg waren Fragen zum Gehalt. Mittlerweile sind die Beratungen hier auf mehr als 6.000 gestiegen. Inhaltlich geht es oft um angemessene Vergütungen, Ansprüche auf Zuschläge und jährliche Gehaltsanpassungen oder die gleiche Bezahlung von Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten. Schierenbeck: „Neue Arbeitsplätze entstehen vor allem im Dienstleistungsbereich. Hier sind oft noch keine Tarifverträge vorhanden und es fehlen betriebliche Interessenvertretungen. Die Gehaltsstrukturen sind deshalb intransparent und zum Teil ungerecht. Dies beinhaltet zunehmend Konfliktpotenzial und führt zu einem erhöhten Beratungsaufkommen.“

 

Wegen des seit Anfang 2015 geltenden gesetzlichen Mindestlohns geht die Arbeitnehmerkammer davon aus, dass kurzfristig noch mehr Beschäftigte auf Beratung in Sachen Lohn und Gehalt angewiesen sind. „Wir bieten unseren Mitgliedern deshalb ab sofort einen Mindestlohn-Check an“, so Schierenbeck. Hier können sich alle Beschäftigten in Bremen und Bremerhaven informieren, ob der Mindestlohn auch für sie gilt, wie sich der Mindestlohn berechnet und was sie tun können, wenn der Arbeitgeber die neuen Vorschriften nicht einhält.

 

Ebenfalls zugelegt haben Beratungen zu Zeugnis- und Vertragsfragen und zu Eigenkündigungen. „Daran wird deutlich, dass ein Teil der Arbeitnehmer die gute Konjunktur für sich nutzt und neue Beschäftigungschancen sucht“, so Claudius Kaminiarz, Leiter der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer Bremen. Die Arbeitgeber wiederum greifen offenbar etwas seltener zum Mittel der Kündigung. So sind erstmals seit Jahren die Beratungen zu arbeitgeberseitigen Kündigungen nicht weiter angestiegen, sondern verharrten auf hohem Niveau von rund 5.000 Beratungen.  

 

Auf die Beratungszahlen ausgewirkt haben sich auch die neuen Regelungen zur Rente mit 63, die zum 1. Juli 2014 eingeführt wurden. In vielen der mehr als 1.200 Beratungen zum Rentenrecht ging es um die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um früher in Rente zu gehen. „Die derzeitige Diskussion, es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu ermöglichen, auch über das Renteneintrittsalter hinaus bis zum 70. Lebensjahr zu arbeiten, spielt in unserer Beratung keine Rolle“, so Kaminiarz. Zudem sei es auch schon heute möglich, nach dem Renteneintritt weiter zu arbeiten, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich einig seien: „Diese Flexibilität gibt es schon heute. Ein früheres Ausscheiden aus dem Betrieb ist dagegen für die meisten kaum möglich – daran hat auch die Rente mit 63 leider wenig geändert.“

 

Kompliziertes Steuerrecht
Deutlich angestiegen ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach steuerrechtlicher Beratung, deren Zahl sich 2014 auf mehr als 41.500 erhöhte. Hierbei standen vor allem Fragen zur Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten, zu Kindergeld und Kinderfreibeträgen im Mittelpunkt. Zugenommen haben auch Fragen zum neuen Umgang mit Reisekosten. Dies war vor allem für Arbeitnehmer von Bedeutung, die von ihrem Arbeitgeber häufig an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden. Auch die Frage, inwieweit sich haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich anrechnen lassen, spielte in der Beratung eine große Rolle. Die Arbeitnehmerkammer erstellte 2014 allein rund 28.800 Steuererklärungen.

 

Öffentliche Rechtsberatung
Die Öffentliche Rechtsberatung, die die Arbeitnehmerkammer im Auftrag des Landes Bremen für Bürger mit geringem Einkommen durchführt, umfasst eine Vielzahl von Rechtsgebieten, etwa das Miet-, Familien-, Erb- und Vertragsrecht. 2014 hat die Arbeitnehmerkammer hier mehr als 14.600 Beratungen durchgeführt. Deutlich zugenommen haben hier die Anfragen zum Mietrecht, wobei die Nebenkostenabrechnungen nach wie vor im Mittelpunkt stehen. Aber auch Streitigkeiten über Schönheitsreparaturen oder zur Kaution sorgen immer wieder für Beratungsbedarf auf Seiten der Mieter.

 

Ein Dauerthema in der Öffentlichen Rechtsberatung sind Internet- und Telefonverträge – insbesondere in Zusammenhang mit einem Anbieterwechsel oder wenn der bestehende Anbieter Preise und Leistungen ändert. Auch Online-Käufe und der Abschluss von Verträgen über das Medium Internet führen häufig zu Schwierigkeiten.