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08.06.2009

Die Gesundheitswirtschaft gilt als einer der Wachstumsmärkte der Zukunft. Sie verzeichnete über Jahre einen Beschäftigungszuwachs, Prognosen gehen von zusätzlichen Arbeitsplätzen aus. Dies gilt auch für das Land Bremen. Die Arbeitnehmerkammer hat daher eine Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben, um die Entwicklung der Beschäftigung in den verschiedenen Bereichen der Gesundheitswirtschaft zu erheben.

Gesundheitswirtschaft in Bremen
Rund 33.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten in den verschiedenen Branchen der Gesundheitswirtschaft im Land Bremen. Hinzu kommen niedergelassene Ärzte, Selbstständige in Apotheken, Krankengymnasten oder andere Dienstleistungsberufe. Rund jeder Zehnte im Land Bremen dürfte in der Gesundheitsbranche tätig sein. Von den Beschäftigten sind rund 40 Prozent in Krankenhäusern tätig, 17 Prozent in Arztpraxen, 19 Prozent in Pflegeheimen und 9 Prozent in ambulanten Pflegediensten. Gegenüber 2002 ist für 2007 ein Rückgang der Vollzeitstellen um 3,2 Prozent zu verzeichnen. Die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten wird mit 34 Prozent ausgewiesen und erhöhte sich im genannten Zeitraum um  9,9 Prozent. Mit mehr als 80 Prozent ist die Gesundheitsbranche ein wichtiger Beschäftigungsbereich für Frauen.

„Einen Beschäftigungszuwachs hat es insbesondere in den letzten Jahren in dem Bereich der Altenpflege gegeben. Dagegen ist in der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung sowie in der Rehabilitation bei den Vollzeit-Pflegekräften ein Beschäftigungsrückgang zu verzeichnen", so die Autoren der Publikation Dr. Bernard Braun und Dr. Joachim Larisch vom Zentrum für Sozialpolitik (ZeS). Der Anstieg der Beschäftigung wäre ohne die Pflegeversicherung nicht möglich gewesen - finanziert durch alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zudem sind heute nicht unerhebliche Anteile zusätzlich privat finanziert.

Jobmotor Gesundheit? - Kein vorschneller Jubel!
Auch wenn die Gesundheitswirtschaft mit Wachstumsraten von etwa vier Prozent jährlich zwischen 1996 und 2004 deutlich über dem jährlichen Wachstum aller Wirtschaftsbereiche von 1,7 Prozent lag, so sind diese - trotz möglicher Bedarfe - nicht einfach fortzuschreiben. Die Wissenschaftler des Zentrums für Sozialpolitik warnen daher auch vor einer unkritischen Propagierung der Gesundheitswirtschaft als „Jobmotor"und falschen Hoffnungen in Zeiten der Krise.

Die gesundheitspolitische Diskussion und die Steuerung des Gesundheitswesens wird über Kostenfaktoren bestimmt, die nicht erst im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise Gegenstand politischer und standesorganisatorischer Kontroversen sind. Hier gilt es, den Bereich nicht nur unter Kostengesichtspunkten, sondern in seiner Bedeutung für die Beschäftigung und Versorgung mitzudenken.

Auch wenn bezüglich der weiteren Entwicklung der Gesundheitswirtschaft vor ungebremstem Optimismus zu warnen ist, so stellt dieser Bereich doch ein wichtiges Interventionsfeld für regionalwirtschaftliche Ansätze dar. Schließlich handelt es sich in der Gesundheitsbranche weitgehend um standortgebundene Dienstleistungen mit einem Beschäftigungsanteil von sieben bis neun Prozent an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen und einem geschätzten Anteil von etwa sechs bis neun Prozent an der Bruttowertschöpfung. Es ist notwendig und sinnvoll, die gesundheitliche Versorgung als Wirtschaftsfaktor auch im Rahmen regionaler wirtschaftspolitischer Strategien zu berücksichtigen.

Qualität der Versorgung und der Arbeitsplätze im Auge behalten
„Wir dürfen nicht nur an der Kostenschraube drehen, sondern müssen auch die Situation der Beschäftigten und die Qualität der Versorgung der Patienten im Blick behalten", so Dr. Hans Endl, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Förderung darf daher nicht nur in die Entwicklung von Medizintechnik gehen. „Wir brauchen auch beschäftigungspolitische Initiativen und Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungsqualität. Dazu gehören Qualifizierungsangebote für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Entwicklung neuer Angebote im Dienstleistungsbereich", betont Endl. Das bedeutet auch, sich mit Finanzierungsfragen im Rahmen der Sozialversicherungen auseinanderzusetzen und die Sozialgesetzgebung entsprechend anzupassen. „Wer heute keinen Tariflohn erhält, in prekären Arbeitsverhältnissen steht, arbeitslos ist oder sich teure Zusatzversicherungen nicht leisten kann, der wird später einmal auch keine ausreichenden finanziellen Mittel für Pflege haben. Gesundheitsversorgung ist Teil der Daseinsvorsorge und muss auf einem hohen Niveau sichergestellt werden. Arbeitsverdichtung, Personalabbau und Reallohnverlust sowie hohe Krankheitsraten unter den Beschäftigten zeigen, dass das komplexe Gesundheitssystem selbst in der Krise ist. Bremische Initiativen auf Bundesebene sind hier möglich und notwendig", so der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer.



Weitere Informationen:
 

Gesundheitswirtschaft und Beschäftigung in Bremen (pdf, 973 KB)