Auch für das Land Bremen gilt die Gesundheitswirtschaft als einer der Wachstumsmärkte der Zukunft. Hier arbeitet jedes neunte unserer Kammermitglieder. Mit den Gesundheits- und Sozialreformen wurde ein erheblicher Spardruck aufgebaut. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen, der Unterfinanzierung der Krankenhäuser und der Alten- und Krankenpflege verschärfen sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den Pflegeberufen seit Jahren. Der Anteil von Teilzeitarbeit und prekärer Beschäftigung nimmt zu, Vollzeitarbeitsplätze werden abgebaut. Der so genannte Fachkräftemangel in der Pflege ist zu einem Großteil auf die schlechten Rahmenbedingungen für Pflegeberufe zurückzuführen: Dumpinglöhne, belastende Arbeit, mangelnde Finanzierung der Ausbildung sowie unzureichende Fort- und Weiterbildung.
Nach Ansicht der Arbeitnehmerkammer muss die Gesundheitsversorgung als Teil der Daseinsvorsorge auf einem hohen Niveau und mit Zugang für alle sichergestellt werden.
Mehr als 20.000 Menschen erhalten in Bremen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Rund 30 Prozent werden in Heimen versorgt. Zwei Drittel der Pflegebedürftigen erhalten Pflegegeld und werden zu 60 Prozent ausschließlich von Angehörigen versorgt. Um die 40 Prozent werden durch ambulante Pflegedienste unterstützt.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie heißt längst nicht mehr nur, Kindererziehung und Job unter einen Hut zu kriegen, sondern auch, sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Pflegende Angehörige brauchen Hilfe und Unterstützung, damit dies nicht mit einer Einschränkung der Berufstätigkeit einhergeht. Denn noch immer sind es mehrheitlich Frauen die Pflege mit übernehmen und denen nach dem Karriereknick "Kind" das Karriere-Aus "Pflege" und niedrige Renten aus ihrer eingeschränkten Erwerbsbiografie drohen.
Die Krankenversicherung wird langfristig nur
dann ein solidarisches System bleiben können, wenn die ökonomischen
Zukunftsfragen gelöst werden. Doch die Zukunftsfragen sind nicht allein
ökonomischer Natur. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit muss auch
beantwortet werden. Politik darf sich nicht um eine Diskussion über
Qualität und gesundheits- und sozialpolitische Grundsatzfragen drücken.
Die Arbeitnehmerkammer Bremen verfolgt diese Entwicklung der solidarischen Krankenversicherung und den Abbau der sozialen Sicherungssysteme mit großer Sorge und wird sich auch in Zukunft an der Diskussion um die Modernisierung unseres Gesundheitswesens und der sozialen Netze beteiligen. Denn Gesundheit, Wohlbefinden und ein Leben in Würde sind zentrale Fragen des Gemeinwohls und der Zukunft unseres Gemeinwesens.
- Pressemitteilung zur Gesundheitsreform (26.01.2007)
- Stellungnahme zur Gesundheitsreform (pdf 77,5 KB)
- "Die Gesundheitsreform" (Artikel in der BAM 1/07, pdf 44,4 KB)
- "Aderlass beim Personal. Beschäftigte und Arbeitgeber fordern Finanzmittel von Bund und Land zur Krankenhausfinanzierung." (Artikel in der BAM 7/08, pdf 52 KB)



