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Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens trifft insbesondere Gruppen, die nur über begrenzte finanzielle Ressourcen verfügen. Neben den Arbeitsmarktreformen wirken sich daher auch die Folgen der Gesundheitsreformen und insbesondere des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (2004) aus und verstärken sich stetig. Denn mit der schleichenden Abkehr vom Solidarprinzip begann der Paradigmenwechsel in der gesetzlichen Krankenversicherung: Gesunde werden entlastet, Patienten zahlen mehr.

Betroffen sind insbesondere Beschäftigte mit niedrigen Einkommen, die die erhöhten und neuen Zuzahlungen nicht aufbringen können und auch keinen Zugang mehr zu Leistungen haben, die aus dem Leistungskatalog ausgegrenzt wurden. Dies verstärkt sich zudem, wenn sich Soziallage und Geschlechterfrage strukturell verstärken, wie in einigen Frauenbeschäftigungsfeldern, in denen Mini-Jobs und Niedriglöhne bereits als "weibliche Normalarbeitsverhältnisse" gelten. Auch Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und Arbeitslosigkeit können krank machen- sie bedeuten psychische Belastungen und Erkrankungsrisiken, die die gesundheitliche Lage der Betroffenen nachhaltig angreift und die Arbeitsfähigkeit auf Dauer gefährdet.

Nach Ansicht der Arbeitnehmerkammer muss die Gesundheitsversorgung als Teil der Daseinsvorsorge auf einem hohen Niveau und mit Zugang für alle sichergestellt werden.

Mehr als 20.000 Menschen erhalten in Bremen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Rund 30 Prozent werden in Heimen versorgt. Zwei Drittel der Pflegebedürftigen erhalten Pflegegeld und werden zu 60 Prozent ausschließlich von Angehörigen versorgt. Um die 40 Prozent werden durch ambulante Pflegedienste unterstützt.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie heißt längst nicht mehr nur, Kindererziehung und Job unter einen Hut zu kriegen, sondern auch, sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Pflegende Angehörige brauchen Hilfe und Unterstützung, damit dies nicht mit einer Einschränkung der Berufstätigkeit einhergeht. Denn noch immer sind es mehrheitlich Frauen die Pflege mit übernehmen und denen nach dem Karriereknick "Kind" das Karriere-Aus "Pflege" und niedrige Renten aus ihrer eingeschränkten Erwerbsbiografie drohen.

Die Krankenversicherung wird langfristig nur dann ein solidarisches System bleiben können, wenn die ökonomischen Zukunftsfragen gelöst werden. Doch die Zukunftsfragen sind nicht allein ökonomischer Natur. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit muss auch beantwortet werden. Politik darf sich nicht um eine Diskussion über Qualität und gesundheits- und sozialpolitische Grundsatzfragen drücken.

Gesellschaftlicher Konsens wäre die Grundlage für eine Umgestaltung. Entscheidend wird sein, welche Bedingungsfaktoren das Gesundheitssystem in Zukunft haben wird: in Bezug auf die Erreichbarkeit und die Zugänglichkeit von gesundheitlichen Versorgungs- und Vorsorgeangeboten, die Qualität der Versorgung und den Versicherungsschutz.

Die Arbeitnehmerkammer Bremen verfolgt diese Entwicklung der solidarischen Krankenversicherung und den Abbau der sozialen Sicherungssysteme mit großer Sorge und wird sich auch in Zukunft an der Diskussion um die Modernisierung unseres Gesundheitswesens und der sozialen Netze beteiligen. Denn Gesundheit, Wohlbefinden und ein Leben in Würde sind zentrale Fragen des Gemeinwohls und der Zukunft unseres Gemeinwesens.