Was haben Frontman Bill von Tokio-Hotel, Königin Silvia, Ludwig van Beethoven und Bill Clinton gemeinsam? Sie sind schwerhörig. Schauspielerin und Oskar-Preisträgerin Halle Berry ist sogar auf einem Ohr taub. Das Umweltbundesamt (UBA) schätzt, dass jeder sechste Deutsche regelmäßig Geräuschbelastungen ausgesetzt ist, die erhebliche Gesundheitsrisiken bergen. Lärm am Arbeitsplatz, durch den Verkehr und in der Freizeit sind Hauptursachen, die neben Vererbung und Alterung zu Schwerhörigkeit führen können.
von Carola Bury (Referentin für Gesundheitspolitik)
Februar 2010
Dabei wird das Problem Lärmschwerhörigkeit in Zukunft noch zunehmen. „Freizeitlärm" wird vor allem bei Jugendlichen zum Problem. Schon Wilhelm Busch wusste: "Musik wird oft nicht schön gefunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden." In vielen Diskotheken lärmt es in der Lautstärke eines Düsenjets. Diskomusik, iPod und MP3-Player beschallen oft direkt das Ohr. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht davon aus, dass bereits jeder vierte Jugendliche schwerhörig ist. Ein Drittel der Jugendlichen wird bereits mit 50 Jahren ein Hörgerät benötigen.
Lärm am Arbeitsplatz
Lärmschwerhörigkeit ist die zweithäufigste Berufskrankheit. Sie entsteht allmählich und ist nicht heilbar. Rund 6.000 Fälle berufsbedingter Schwerhörigkeit registrieren die Berufsgenossenschaften jedes Jahr. Besonders betroffen sind Beschäftigte in der Metallindustrie. Ein hoher Lärmpegel kann aber auch in Büros, im Verkauf oder in Schule und Kindergarten herrschen. Lärm am Arbeitsplatz zählt zu den Hauptstressfaktoren für Beschäftigte. Bereits unter den Lärm-Grenzwerten von 85 Dezibel - das wird etwa bei einer Schlagbohrmaschine erreicht - kann Lärmstress gesundheitliche Auswirkungen haben. Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder auch Magen-Darm-Beschwerden können die Folge sein.
Vor allem aber kann andauernder Lärm zu Schwerhörigkeit führen. „Eine beginnende Schwerhörigkeit wird oft von den Betroffenen noch nicht als solche wahrgenommen", weiß Karin Wiechard vom Integrationsfachdienst Bremen. „Manchmal wird die eigene Schwerhörigkeit erst realisiert, wenn bei Gesprächen häufiger nachgefragt werden muss, Missverständnisse entstehen oder es sogar Probleme am Arbeitsplatz gibt."
Der Integrationsfachdienst Bremen bietet mit dem Fachbereich für hörgeschädigte Menschen Unterstützung für Betroffene. Die Berater/innen unterstützen bei der Suche nach einem Job und bei Schwierigkeiten am vorhandenen Arbeitsplatz. Sie kennen die Lebensrealität Schwerhöriger, Ertaubter oder Gehörloser und die typischen Barrieren im Alltag. Der Integrationsfachdienst ist auch Ansprechpartner für das betriebliche Umfeld und erarbeitet mit allen Beteiligten gemeinsame Lösungswege. „Wir informieren, beraten und unterstützen je nach dem individuellen Bedarf", so Fachbereichsleitung Karin Wiechard. Oft kann schon mit technischen Hilfen und Veränderungen am Arbeitsplatz viel geholfen werden. Das ist umso wichtiger, wenn der Arbeitsplatz gefährdet ist und es bereits Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten gibt. „Dann können gemeinsame Betriebsgespräche mit Vertrauensleuten, Betriebsrat, Kollegen, Vorgesetzten hilfreich sein", weiß Karin Wiechard, die mit ihrem Team im ersten Stock des Walle-Centers erreichbar ist.
Sowohl für Schwerhörige als auch Angehörige oder berufliches Umfeld ist es oft nicht leicht, über Hörprobleme zu sprechen. Dennoch kann sich gegenseitige Offenheit auszahlen. Werden Gesprächssituationen so gestaltet, dass Verständigung unter guten Bedingungen stattfinden kann, erhöht das die Zufriedenheit aller Beteiligten.
Infoblatt 'gesundheit!': Wie bitte? - Hören und Lärm im Beruf (pdf)
Integrationsfachdienste Bremen
Integrationsfachdienste Bremerhaven



