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Stellen Sie die Giftfrage!

6. August 2015
von Jörg Hein (Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Im Sommer sind Flip-Flops ein bequemer und für viele unverzichtbarer Begleiter. Jedoch zeigen Analysen immer wieder, dass Plastikschuhe mit Schadstoffen belastet sein können. Was tun, wenn Verbraucher wissen möchten, ob ein Produkt gesundheitsschädlich ist?


Foto: Istock/deepblue4you

Wer Kunststoffschuhe für Freizeit oder Arbeit kauft, sollte auf jeden Fall nicht nur in puncto Mode einen guten Riecher besitzen. Ein mitunter stechender Geruch bei Plastikprodukten ist ein klares Warnsignal: Finger weg, hier droht Gefahr!

Schadstoffe in Alltagsprodukten begegnen uns recht häufig, wie auch Ulrike Kallee, Chemie-Expertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), betont. Weichmacher, sogenannte Phthalate, seien häufig in PVC-Produkten enthalten, beispielsweise in Spielzeug, Sport- und Badeartikeln, aber auch in Planschbecken. ›Man sollte immer gucken, dass möglichst kein PVC im Produkt verarbeitet wurde. Wenn es weich ist, dann ist es auch häufig mit Phthalaten belastet.‹ Weichmacher stehen im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Leberschäden oder Verhaltensstörungen auszulösen.

Eine andere Produktgruppe, bei der Kallee zur Vorsicht mahnt, sind Werkzeuge: ›Alles was Griffe hat! Da haben wir häufig polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe drin.‹ Diese Stoffe, abgekürzt PAK, gelten als krebserregend. Anders als bei Lebensmitteln oder Kosmetika muss bei den genannten Produktgruppen nicht angegeben werden, woraus sie sich zusammensetzen. Wer es genauer wissen möchte, ob ein Produkt schädliche Stoffe beinhaltet, kann sich an den Hersteller wenden. Dieser hat  eine Auskunftspflicht für besonders besorgniserregende Stoffe – sobald der Stoff in einer Konzentration von mehr als 0,1 Prozent enthalten ist. Geregelt ist dies in der europäischen Chemikalienverordnung REACH (die Abkürzung steht zu Deutsch für Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien). Was als besonders besorgniserregend gilt, darüber entscheiden die EU-Mitgliedsländer auf Vorschlag einzelner Länder. Die Aufnahme auf die REACH-Liste, die aktuell 163 Stoffe umfasst, erfolgt zweimal im Jahr.

›Es handelt sich um Stoffe, die in der Umwelt sehr schlecht abgebaut und gleichzeitig im Körper von Menschen oder Tieren angereichert werden und dort Schaden anrichten können‹, erläutert Kallee. Das sind sogenannte PBT-Stoffe – persistent, bioakkumulierend, toxisch. Gelistet werden außerdem Stoffe, die als krebserregend oder fortpflanzungsschädigend gelten oder das genetische Material verändern können. Die Auskunftspflicht gilt beispielsweise für Textilien, Schuhe, Sportartikel, Möbel, Heimwerkerbedarf, Elektrogeräte oder Spielzeug. Nicht jedoch für Bereiche, die speziellen Regelungen unterliegen, wie zum Beispiel Lacke und Farben, Lebensmittel, Kosmetika oder Wasch- und Reinigungsmittel.

Wer wissen möchte, ob ein Produkt belastet ist, kann seine Anfrage über ein Online-Formular auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes oder auch des BUND abschicken. Das Unternehmen muss innerhalb von 45 Tagen darauf antworten. Viele Verbraucher wüssten nichts von ihrem Recht, genauso, wie sich viele Unternehmen von den Anfragen überrascht zeigten, sagt Kallee. ›Es ist wichtig, diese Anfragen zu stellen. Dadurch merken die Unternehmen, dass Verbraucher diese Stoffe nicht in  den Produkten haben wollen.‹ Der BUND plant, laut Kallee, eine App herauszubringen, mithilfe derer direkt im Geschäft der Strichcode des Produktes gescannt und die  Anfrage unkompliziert verschickt werden kann. Außerdem sollen Antworten der Hersteller in einer Datenbank abgelegt werden, um den Ratsuchenden schneller Infos zur Verfügung stellen zu können.

Zwei Tipps für den Alltag gibt die Chemie-Expertin schließlich noch: ›Zum einen eher Qualität als Billigprodukte kaufen. Zum anderen sammeln sich viele Schadstoffe im Hausstaub an. Daher sollte man im Haus immer gut lüften und saugen.‹


Weitere Informationen:
 

Weitere Informationen auf den Internetseiten des Umweltbundesamts und des BUND. Dort können auch folgende aktuelle Broschüren bezogen werden: ›Achtung: Spielzeug! Gesundheitsschädliche Chemikalien in Kinderprodukten‹ sowie ›Achtung Plastik!‹