Sie befinden sich auf dem Internetangebot der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Arbeitnehmerkammer auf Twitter


Neuregelung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung

13. November 2014
von Carola Bury (Referentin für Gesundheitspolitik) und Claudius Kaminiarz (Leitung Rechtspolitik und Rechtsberatung)


Auf den ersten Blick sind es gute Nachrichten für gesetzlich Versicherte: Ab Januar 2015 sinkt der Beitrag für die Krankenversicherung von jetzt 15,5 auf 14,6 Prozent. Gleichzeitig hat der Bundestag den Arbeitgeberanteil auf 7,3 Prozent festgeschrieben. Bisher wurde der Beitrag jeweils zur Hälfte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geteilt. Nach der neuen Regelung zahlen Beschäftigte alle künftigen Mehrkosten allein.

Noch stehen die meisten Krankenkassen finanziell gut da und verfügen sogar über Reserven. Grund dafür sind die gute Einnahmenseite und die aktuellen Strukturen der Krankenkassen. Allerdings droht ab 2015 bereits ein Defizit, das Experten in Milliardenhöhe schätzen. Denn der Bundeszuschuss sinkt kontinuierlich. Die Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung werden in den nächsten Jahren steigen. Das dann entstehende Defizit wird aber nicht paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht, sondern allein durch Zusatzbeiträge der Versicherten. Damit wird es zu einer einseitigen Belastung für Beschäftigte und Rentner kommen. Statt der bislang pauschalen Zusatzbeiträge werden diese künftig einkommensabhängig sein.

Welche Kassen, in welcher Höhe und zu welchem Zeitpunkt Zusatzbeiträge einführen werden, ist derzeit noch nicht klar. Über kurz oder lang ist allerdings damit zu rechnen. Ein Wechsel kann sich für gesetzlich Versicherte dann wieder lohnen. Allerdings sollte man in die Entscheidung auch die Leistungen und den Service der Krankenkasse einbeziehen.
Ab Anfang Januar 2015 können sich die Versicherten über die Höhe der kassenindividuellen Zusatzbeiträge aller gesetzlichen Krankenkassen informieren unter www.gkv-zusatzbeitraege.de.




Das sollten Sie wissen:

 

Sonderkündigungsrecht
Krankenkassen müssen einen Zusatzbeitrag mindestens einen Monat vorher schriftlich ankündigen. Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ablauf des Monats, in dem die Kasse erstmalig einen Zusatzbeitrag erhebt oder diesen erhöht. Eine Kündigung ist zum Ablauf des übernächsten Monats wirksam. Der Beitrag zur Krankenversicherung plus Zusatzbeitrag wird auch weiterhin direkt vom Bruttolohn abgezogen.

Versicherungsschutz bleibt erhalten
Scheitert ein Wechsel zu einer neuen Kasse, besteht der Versicherungsschutz in der alten Kasse weiter.

Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter
Arbeitslose sind vom Zusatzbeitrag befreit, allerdings gilt dies nur bis zur Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitrags. Bei Versicherten, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Grundsicherung im Alter erhalten, zahlen die Träger die Zusatzbeiträge.

Steuerliche Absetzbarkeit
Zusatzbeiträge können von der Steuer abgesetzt werden. Das lohnt sich besonders für Beschäftigte mit einem hohen Einkommen.

Mitversicherte Familienmitglieder
Beitragsfrei Mitversicherte sind von Zusatzbeiträgen befreit.


Weitere Informationen:
 

Weitere Infos finden Sie in unserem Sonderblatt: "Achtung Mogelpackung! Neuregelung der Beitragssätze und der Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung ab 2015"


Wenn Sie Fragen zur steuerlichen Anrechnung von Gesundheitskosten haben, hilft Ihnen unsere Steuerberatung: Telefon 0421·36301-40 (Bremen) oder 0471·92235-10 (Bremerhaven).